Das Muss für Wasserfall-Liebhaber

Viele sehnen sich danach, die Welt zu entdecken. Anja und Markus Schubert aus Halsbrücke tun es. Neun Monate reisen sie durch Afrika und berichten für "Freie Presse". Heute: Guinea

Halsbrücke/Guinea.

In Guinea kommen wir zurück in ehemals französisches Kolonialgebiet, was bedeutet, dass wir bei Polizei und Militär unsere mageren Französischkenntnisse auspacken müssen. Aber so langsam können wir Fortschritte verzeichnen: So gelingt es uns bei einem angeblichen Verstoß wegen Fahrens in Flipflops (das Argument, dass die Einheimischen in Flipflops Moped fahren, zieht nicht) die Strafe von umgerechnet zehn auf weniger als drei Euro herunterzuhandeln - eine offizielle Quittung erhalten wir nicht.

Angesichts der brachliegenden Wirtschaft kann man das nachvollziehen. Guinea ist eines der ärmsten Länder Afrikas und 2015 eines der Länder, die am härtesten von der Ebolakrise betroffen waren. Kein Wunder, dass es so gut wie keine Industrie gibt und die Menschen meist von Landwirtschaft und wörtlich von der Hand in den Mund leben. Auch die Staatsbediensteten wissen nie, ob sie am Ende des Monats bezahlt werden. Aber abgesehen von den korrupten Polizisten ist Guinea toll: Die Menschen sind freundlich, winken und lachen trotz sichtbarer Armut, und die Landschaft wird immer üppiger und grüner - wir nähern uns tropischen Gebieten.

Unser Weg führt uns entlang des Fouta-Djalon-Mittelgebirges mit grünen Hängen und tollen Aussichten. Nach knapp zwei Tagen erreichen wir unser erstes Ziel: die Salaa-Wasserfälle bei Labé. Wir campen oberhalb des Aussichtspunkts auf die beiden Wasserfälle. Der Blick ist grandios. Am kommenden Tag erkunden und entspannen wir in den unzähligen Pools entlang des Flusslaufs und wandern zu Wasser bis zum ersten Wasserfall. Nach zwei Tagen geht es zu den Kambadaga-Falls. Inmitten einer tropisch-grünen, weiten Schlucht gelegen stürzt der Wasserfall in zwei Kaskaden in die Tiefe. Ebenfalls traumhaft ist unser Wildcamp: auf dem felsigen Flussbett ein Stück oberhalb des ersten Wasserfalls mit Sicht auf eine wagemutige und nicht den deutschen Sicherheitsstandards entsprechende Hängebrücke - die am nächsten Tag erfolgreich von uns überquert wird. Später geht es über einen kleinen, steilen Pfad mitten durch das Dickicht hinunter zum Fuß des ersten Wasserfalls, und wir gehen in dem kühlen und klaren Pool baden.

Unser Toyo führt uns weiter in Richtung Grenze nach Sierra Leone, doch statt durchweg die neue Asphaltstraße zu nehmen, die vor einem Jahr noch nicht existierte und man durch Guinea zum Großteil auf holprigen Dreckpisten fahren musste, entscheiden wir uns offroad abzukürzen und kommen unter anderem am größten Stausee Guineas vorbei. Nach einer Nacht an einem weiteren Wasserfall bei Kinda geht es weitere 105 Kilometer offroad bis nach Farmoriah. Die Strecke ist ein Genuss und führt durch tolle Landschaften: Es geht durch Reisanbaugebiete, kleine Dörfer, Täler und Hügel hindurch. Überall werden wir freudig begrüßt. Als wir stehenbleiben, um Gemüse von einem Straßenstand zu kaufen, sind wir augenblicklich von zig Kindern umzingelt. Nach einigen gemeinsamen Bildern und Selfies dürfen wir weiterfahren und erreichen die neugebaute Grenzstation zu Sierra Leone.


Von Nord nach Süd

Anja und Markus Schubert touren seit Wochen durch Afrika. Beide

wollen innerhalb von neun Monaten den Kontinent von Nord nach Süd durchqueren. Nach der Hochzeit im September 2017 schmiedeten Markus Schubert, Jahrgang 1984, und seine gut zwei Jahre jüngere Partnerin

Anja Pläne für eine längere Auszeit. Mehrere Länder nehmen die beiden für ihre Hochzeitsreise ins Visier -

ihre Wahl fällt letztlich auf Afrika.

Die 1986 geborene Anja Schubert wuchs in Halsbrücke auf. Markus Schubert wuchs als jüngstes von

drei Kindern in Conradsdorf auf. (acr)

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