Die dritte Chance fürs Külzgebiet

Der Brand-Erbisdorfer Stadtteil hat in vergangenen Jahren sehr gelitten. Mit frischem Fördergeld könnte nun ein Begegnungszentrum entstehen. Und das ist nur eine der Ideen zum Stadtumbau.

Brand-Erbisdorf.

Die Betonplatten auf den Straßen sind zerfressen, Bordsteinkanten bröckeln, Barrierefreiheit Fehlanzeige. Mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator durchs Brand-Erbisdorfer Külzgebiet zu müssen ist kein Vergnügen. Auch die seit 2012 leerstehende Kaufhalle setzt bald Moos an. Seit dem Jahr 2000 hat das Wohngebiet fast 43 Prozent der Einwohner verloren, weist mit 26 Prozent die höchste Leerstandsquote und den höchsten Anteil unsanierter Wohnungen im Stadtgebiet auf. Nirgendwo sonst in der Stadt leben so viele Menschen mit Migrationshintergrund und so viele Menschen, die Transferleistungen beziehen.

Dennoch: Von rund 9800 Brand-Erbisdorfern leben 1660 Menschen dort. Zweimal ist der Versuch, das Külzgebiet in einem Förderprogramm unterzubringen, gescheitert. Im dritten Anlauf soll es nun klappen: Wenn das Wohngebiet in das Fördergebiet "Westliche Kernstadt" aufgenommen wird, eröffnen sich neue Möglichkeiten. Diese hat Martin Neumann von der Dresdner Stadtentwicklung GmbH (Steg) am Dienstagabend im Technischen Ausschuss vorgestellt.

Darum geht's: Bislang umfasste das 9,3 Hektar große Fördergebiet den Bereich der Kernstadt westlich der B 101. Das heißt, dass der Umbau von Häusern, Straßen und Grünflächen in diesem Bereich zu zwei Dritteln von Bund und Land gefördert werden kann. Ein Drittel muss die Stadt selbst aufbringen. Nun bietet das Sächsische Innenministerium Kommunen die Möglichkeit, ein bestehendes Fördergebiet zu erweitern. Brand-Erbisdorf hat sich schon Ende Februar dafür entschieden, diese Chance nutzen, das Külzgebiet mit 29,5 Hektar Fläche ins Fördergebiet aufzunehmen und es so attraktiver zu machen.

Missstände und Ideen: Das funktioniert aber nur, wenn Missstände aufgedeckt, benannt und ins Stadtentwicklungskonzept aufgenommen werden, erklärte Planer Martin Neumann. Dazu zählen mangelhafte Bausubstanz, Missstände in der Erschließung, Leerstand und ungenutzte Freiflächen. Die Ideen, wie diese Missstände konkret behoben werden können, sind lediglich Vorschläge der Planer. "Wichtig ist, alles ins Konzept zu schreiben, was förderfähig ist - um flexibel zu bleiben", sagte Neumann.

Külzgebiet: Die leerstehende Kaufhalle könnte in ein soziokulturelles Zentrum, einen Treffpunkt für alle Generationen, umgebaut werden. Der private Eigentümer sei bereit, zu verkaufen, heißt es im Entwicklungskonzept. "Weil das Rathaus manchmal doch fern ist", so Oberbürgermeister Martin Antonow (parteilos), soll ein Quartiersmanager eingestellt werden, der ein offenes Ohr für die Bewohner hat. Ein Sozialträger habe sich angeboten, das Objekt zu kaufen und zu sanieren, den "Külztreff" sowie eine Beschäftigungseinrichtung für am Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen einzurichten. Um welchen Träger es sich handelt, mag Antonow noch nicht sagen. Geplant wird mit 930.000 Euro. Gunter Lehmann, sachkundiger Einwohner im Ausschuss, hofft auf Angebote zum Mitmachen: "Kaffeetrinken und Bastelnachmittag allein reichen nicht." Er schlägt eine Elektro-Kart-Strecke vor; der OB spricht zudem von einem möglichen Basteldomizil für Oldtimerfreunde. Des Weiteren könnten für 180.000 Euro Wege, Treppen und Schwellen im Wohngebiet barrierefrei umgebaut, Spielplätze und Grünflächen neu gestaltet werden. Anwohner und Wohnungsunternehmen können ihre Ideen einbringen, heißt es. Ausschussmitglied Jürgen Kuczynski (CDU/Haus und Grund) regte an, auch die Erweiterung der Kapazitäten für die Kita Mischka ins Konzept aufzunehmen.

Straßenbau:Für insgesamt 948.000 Euro könnten Straßen im Fördergebiet instandgesetzt werden. Auf der Vorschlagsliste der Planer stehen die August-Bebel-Straße zwischen Wiesenstraße und Brückenstraße samt Stützmauer, der westliche und östliche Ring des Goldbachtals sowie die Wohnstraßen samt Beleuchtung in der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße.

Ehemalige Wochenkrippe: Dass das in den 1950er-Jahren als Kinderwochenheim errichtete Gebäude verkauft werden soll, ist beschlossene Sache. "Verkauft ist das Objekt aber noch nicht", betonte der OB gestern. Es gäbe einen privaten Interessenten, der den Gebäudekomplex für Wohnen und medizinische Versorgung revitalisieren will.

Oberschule: Nach dem Anbau bekommt die Oberschule für 228.000 Euro einen neuen, barrierefreien Eingangsbereich. Zudem sollen für 300.000 Euro die Außenanlagen neu gestaltet, ein überdachter Fahrradparkplatz und ein öffentlicher Parkplatz gebaut und die Zufahrt zum Schulgelände verbessert werden.

So geht's weiter: Falls der Stadtrat Ende Juli das Konzept beschließt, sind die Vorbedingungen für die Förderung erfüllt. Im Herbst fällt die Entscheidung, ob die Erweiterung stattfindet. Damit könnten bis zu 3,1 Millionen Euro nach Brand-Erbisdorf fließen. Die Vorschläge werden dann von den Räten konkret diskutiert; ab 2019 kann gebaut werden.

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