Drogendealer erhält Chance zur Bewährung

Der 25-jährige Freiberger verkaufte Marihuana an Minderjährige. Das Amtsgericht wertete sein Geständnis zu seinen Gunsten.

Freiberg.

Ein Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Jochen Sell hat einen 25-jährigen Freiberger wegen 24 Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gesprochen. Er hat in den Jahren 2016 und 2017 in 14 Fällen Marihuana an Minderjährige abgegeben, in neun Fällen Handel mit Betäubungsmitteln getrieben und ist in einem weiteren Fall im Besitz von Rauschgift gewesen.

Drei weitere Tatvorwürfe, die den Erwerb von insgesamt 250 Gramm Marihuana betrafen, wurden fallen gelassen. Das geschah im Hinblick auf die Straferwartung für die oben genannten Fälle, aber auch, weil der Prozess gegen den Verkäufer noch nicht begonnen und dieser deshalb ein Aussageverweigerungsrecht hat.

Das Gericht verurteilte den jungen Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten und gab ihm eine Bewährungsfrist von drei Jahren. Er muss 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und wird für ein Jahr einem Bewährungshelfer unterstellt. Auf dieses Strafmaß hatten sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung für den Fall eines Geständnisses des Angeklagten geeinigt. Das erfolgte dann auch. Zugute gehalten wurden dem 25-Jährigen auch seine bisherige Straffreiheit und eine positive Sozialprognose. Zuvor waren mehrere Zeugen vernommen worden, darunter eine junge Frau, die zur Tatzeit mit dem Angeklagten befreundet war und erst im Februar 2017 das Erwachsenenalter erreichte.

Nach mehrfacher Berufung auf ihr mangelndes Erinnerungsvermögen wollte sie zunächst eine Aussage gänzlich verweigern. Nach eindringlichem Hinweis auf ihre Zeugenpflicht räumte sie dann doch ein, zunächst einmal monatlich, später mindestens zweimal wöchentlich jeweils ein bis zwei Gramm Marihuana zum Grammpreis von zehn Euro vom Angeklagten erworben zu haben. Er habe sie keineswegs dazu verleitet, die Droge zu nehmen. Es sei vielmehr ihr eigener Wunsch gewesen, Betäubungsmittel zu probieren. Später habe sie versucht, ihn vom Drogenmissbrauch weg zu bringen, das sei ihr jedoch nicht gelungen.

Ein weiterer Käufer, damals 16Jahre alt, gab vor, sich nicht mehr an jene Zeit erinnern zu können, gab dann aber doch zu, mehrmals Marihuana vom Angeklagten gekauft zu haben. Zwei Polizeibeamte, die bei ihm Betäubungsmittel gefunden beziehungsweise sein Handy ausgelesen hatten, rundeten das Bild ab. Ein Zeuge konnte nicht aufgefunden werden.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...