Enkelin: "Niemand wollte mir helfen"

Prozess wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes fortgesetzt

Chemnitz/Freiberg.

Der Landgerichtsprozess gegen einen 69-jährigen Freiberger, dem die Staatsanwaltschaft den mehrmaligen schweren sexuellen Missbrauch seiner im Jahr 2007 geborenen Enkeltochter vorwirft, ist fortgesetzt worden. Die Anklagebehörde geht entsprechend ihrer Ermittlungsergebnisse davon aus, dass der Angeklagte im Zeitraum zwischen Oktober 2014 und Februar 2017 insgesamt elfmal sexuelle Handlungen an dem Kind verübt oder es zu solchen veranlasst hat. Dabei soll er mehrfach in den Körper des kleinen Mädchens eingedrungen sein.

Im Mittelpunkt des bereits achten Verhandlungstages stand die Verlesung von Notizen des Kindes aus dem Jahr 2017 durch den Vorsitzenden Richter Michael Mularczyk. Die damals Zehnjährige hatte in einem Kalender aufgeschrieben, was ihr seinerzeit widerfahren sein soll. Sie habe sich ausziehen müssen, heißt es darin unter anderem. Er habe immer gewartet, bis die Oma weggegangen sei, und die Fenstervorhänge zugezogen, damit die Nachbarn nichts sehen können. Sie habe mit dem Opa baden müssen und sei von ihm nackt fotografiert worden. "Niemand wollte mir helfen", hieß es unter weiteren Bemerkungen.

Weshalb über fast drei Jahre niemand in der Familie etwas von den Geschehnissen bemerkt hat und deshalb keine Abhilfe schaffen konnte, bleibt weiter unklar. Falls die Vorwürfe des Kindes der Wahrheit entsprächen, hätte der Angeklagte große Schuld auf sich geladen. Ob das so ist, wird erst am Ende des Prozesses festgestellt werden können, wenn der zurzeit erkrankte Sachverständige sein Gutachten zur Glaubhaftigkeit des Mädchens erstattet hat.

In der nächsten Verhandlung sollen nun Familienmitglieder des 69-Jährigen gehört werden.

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