Forschungsreisen zum Abenteuer Erde

Freiberger Geologie- studenten und ihre Professoren können Geschichten erzählen - über ihre Exkursionen in entlegene Winkel der Welt.

Freiberg.

Es sind die Geschichten dahinter - hinter den Forschungen, die Geologiestudenten der TU Bergakademie in verschiedene Regionen der Erde führen. Und nicht nur die Studenten, auch ihre Betreuer - die Professoren Christoph Breitkreuz, Olaf Elicki und Jörg Schneider der Fachrichtung Geologie - wissen um die zahlreichen Erlebnisse, die auf manchem der derzeit in der "Terra mineralia" ausgestellten Fotos zu erahnen sind.

Während der Eröffnung der Sonderausstellung mit etwa 50 Fotos plauderten Christoph Breitkreuz, Olaf Elicki sowie Geologiestudent Florian Bergmann diese Woche darüber, wie sie mit Studenten an teils unwirtlichen Punkten der Erde an geologischen Fragestellungen arbeiteten. "Was Ingenieure in Labors machen, das machen wir draußen", fasste es Professor Breitkreuz zusammen. So führte ihn beispielsweise im Jahr 2013 eine Reise mit Studenten nach Chile in die Antofagasta- Region nahe der Anden. Auf etwa 4200 Metern Höhe lernten die Studenten erstarrte Salzseen kennen, von denen einige wegen ihrer sehr hohen Lithiumgehalte wirtschaftlich interessant sind. Beim Blick auf das große Gruppenfoto, das den Auftakt der derzeitigen Fotoschau bildet, erinnerte sich Professor Breitkreuz daran, dass während des Fotografierens im Hintergrund - kaum erkennbar - Flamingos standen.

Doch nicht nur hoch gelegene Regionen Chiles waren das Ziel der angehenden Geologen. Wie es einst auf dem Grund des Meeres aussah, das wollte ein anderes Exkursionsteam erforschen. Um eine solche Entdeckung zu analysieren, absolvierten junge Leute für ein Master-Feldpraktikum einen kilometerlangen Fußmarsch auf den "Meeresgrund". Konkret: Das Tabernas-Becken in der spanischen Provinz Almeria lag vor etwa 10 Millionen Jahren um die 1000 Meter unter dem Meeresspiegel. So konnten die Studenten dort 2017 Sedimentablagerungen erforschen, die heute nur in großen Meerestiefen zu finden sind.

Florian Bergmann, der gegenwärtig an der Bergakademie Geologie studiert und vor seiner Masterarbeit steht, war schon an mehreren Forschungsreisen beteiligt, wie er erzählt. Eine davon führte ihn 2016 in die westliche USA, nach Utah. Charakteristisch für den Bundesstaat sind ausgedehnte Wüstenlandschaften und der Gebirgszug der Wasatch Mountains. In der dortigen Region erforschten die Freiberger in Gesteinsklüften, welche geologischen Kräfte einst auf das Gestein wirkten und es zu dem werden ließen, was es heute ist. Dazu erstellten die Forschenden komplexe Diagramme. Während der Exkursion, die von Seattle über Salt Lake City und wieder nach Seattle führte, legten die Studenten einen Zwischenstopp in Las Vegas ein. "Schließlich lag es fast an der Route, und solch eine Gelegenheit kommt nicht gleich wieder", erzählte Florian Bergmann lachend.

Überhaupt sind es nicht nur die Feldforschungen allein, die den angehenden Geologen in Erinnerung bleiben werden. "Unsere Studenten lernen andere Regionen der Erde, andere Kulturkreise und sich selbst bei ihren Praktika kennen", resümiert Professor Breitkreuz. Das alles schule enorm. Professor Olaf Elicki spricht zudem von den besonderen Situationen der Erdentstehung, die junge Leute somit erleben könnten. "Unsere Studenten sind als geologische Reporter unterwegs", ergänzt Professor Breitkreuz.

Neben genauen Geländebuchführungen, Dokumentationen und der Auswertung der Exkursionen beispielsweise für Masterarbeiten werde das wissenschaftliche Forschungsmaterial auch zu weiteren Lehrzwecken verwendet. Finanziert werden die Exkursionen durch die Bergakademie, über Sponsoren und teils von den Studenten selbst.

Fotoschau Die Sonderausstellung "Zwischen Freiberg und der Antarktis" ist bis zum Jahresende in der "Terra mineralia" im Freiberger Schloss Freudenstein zu sehen.

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