Freiberger Krippenspiel ist passé

Es war etwas Besonderes: die Weihnachtsgeschichte, die im Erzgebirge spielte. Trotz Erfolg und treuem Publikum setzen die Macher das Stück ab.

Freiberg.

Aus und vorbei: Die Freiberger Weihnacht ist Geschichte -nach 16 Spielzeiten, 33 Vorstellungen und gut 12.000 Besuchern. "Das ist eine traurige Sache", bemerkt Dr. Wolfgang Dallmann. Für den 80-Jährigen, einen Mann der ersten Stunde, der das Libretto und die Sprechtexte schrieb und seit der Premiere 2003 in der Nikolaikirche als Sprecher durch das annähernd 75-minütige Programm führte, ist klar: "Für viele ist die Freiberger Weihnacht zu einem festen Ritual geworden."

Eine gelebte Tradition war es, was mehr als 70 Personen - allen voran aus den Reihen der Berg- und Hüttenknappschaft und des Bergmusikkorps Saxonia -auf die Bühne brachten und die Gäste mitverfolgen konnten; mit einer Weihnachtsgeschichte, die im Erzgebirge spielt; mit einer Maria und einem Josef, der kein Zimmermann, sondern ein einfacher Freiberger Bergmann ist; und mit einem Christuskind, das im Förderwagen statt in einer Krippe liegt, umringt von Beamten des Berg- und Hüttenwesens und nicht von den drei Heiligen aus dem Morgenland.

"Wir haben das bergmännische Leben authentisch rübergebracht", bringt es Dallmann auf den Punkt. Auch die Mettenschicht wurde den Zuschauern neben der Daniel-Legende präsentiert, in der geschildert wird, wie der Prophet nach dem Hinweis eines Engels Erz aufspürt.

"Wir hätten gerne weitergemacht", hebt Dallmann an und lässt den Satz ins leere Laufen. War es ein Zerwürfnis in den Reihen der Beteiligten? Gab es gar einen Streit hinter den Kulissen, wie es gerüchtehalber in der Stadt heißt, der das Ende der beliebten Veranstaltung besiegelte? "Nein, in keiner Weise", erwidert der Senior. Doch was war es dann? "Ich ziehe mich aus gesundheitlichen Gründen zurück", ergänzt Dallmann. Er habe Probleme mit dem Gehen. Wenn er als Sprecher mehrfach vom Bühnenrand ans Pult laufe, hinke er. "Wenn man vor Publikum tritt, will man doch eine gute Figur machen", sagt der Freiberger.

Hätte denn niemand in seine Fußstapfen treten können? Dallmann zuckt mit den Schultern. Andreas Schwinger, einst der Ideengeber und als Regisseur von Anbeginn an mit von der Partie, sagt auf die Frage, ob nach 16 Jahren künstlerisch nicht irgendwann die Luft raus sei, ja, das sei so. "Es ist auch nicht so unproblematisch alle Mitwirkenden wieder jedes Jahr aufs Neue zu motivieren. Vor allem hatten wir echte Probleme bei den Männerstimmen im Chor", erklärt Schwinger, der als Sachgebietsleiter im Amt für Kultur-Stadt-Marketing arbeitet. Die Stadt zeichnet als Veranstalter der Freiberger Weihnacht verantwortlich. Man solle aufhören, wenn es am schönsten sei, fährt Schwinger fort. Und: "Nach 16 Jahren tut eine Pause ganz gut."

Die Zeit soll genutzt werden, gemeinsam neue Ideen zu entwickeln. "Wir werden in den nächsten Monaten überlegen, was wir an gleicher Stelle neu produzieren können", so Andreas Schwinger. Szenen aus der Freiberger Weihnacht könnten darin eine Rolle spielen.

Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) gab sich zur letzten Vorstellung wehmütig. "Es war sehr emotional, sehr schön und leider zum vorerst letzten Mal", sagte er. Und weiter: "Jetzt fehlt der Nachwuchs, aber vielleicht gibt es doch ein Wiedersehen." Das würde ihn freuen. Das sieht Wolfgang Dallmann genauso: "Es ist mein Kind. Und es ist schon besonders tragisch, dass ich nun den Endpunkt gesetzt habe."

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