Hereinspaziert, in die Kirche

15 Gemeinden und Glaubensrichtungen hatten sich zur 2. Freiberger Nacht der Kirchen auf Gäste eingestellt. Und präsentierten eine erstaunliche Vielfalt.

Freiberg.

Das Kultur- und Freizeitleben in Freiberg wurde am Wochenende um eine reizvolle Facette bereichert. Zum 2.Mal öffneten Kirchgemeinden und Glaubensrichtungen die Tore zu ihren Gotteshäusern, Gemeindesälen und seelsorgerischen Einrichtungen und luden ein, einen Blick hinter betagte Mauern und schmucke Fassaden zu werfen. Willkommene Gelegenheit, die gastgebenden Christen und deren kirchliches Engagement über den angestammten Gottesdienst hinaus besser kennen zu lernen.

Für diese Begegnungen hatten sich Gemeindevertreter an 15Standorten bestens gerüstet. Da wurde gesungen und getanzt, gerockt und geknobelt, gebastelt und gebetet. Da mundeten kulinarische Angebote, es gab Orgelvorspiele oder schauspielerische Leckerbissen. "Wir wollen auf uns neugierig machen, den Raum für offene generationenübergreifende Begegnungen geben und unser Gemeindeleben samt Gotteshaus vorstellen", brachte Hans-Dieter Kuhnt von der Kirchgemeinde St. Jakobi den Tenor aller Beteiligten zum Ausdruck. Spielerisch heiter erfuhren beispielsweise wissbegierige Kinder, dass die seit Frühjahr wieder erklingende Silbermannorgel in einer der ältesten Gemeinden der Stadt einen heimlichen Stammbewohner beherbergt: das knabbertüchtige Kirchenmäuslein Charly.

Das Kellergewölbe der Adventsgemeinde präparierten Samuel Froeschke und Prediger André Lang in einen sogenannten Escape-Raum: ein zeitgemäßes Rollenspiel, bei denen Teammitglieder eine spezielle Aufgabe zu lösen haben. Die verlangte unter der Spielidee "Die Geschichte von Kana" die Schlüssel zu den Weinschränken zu finden. Die Playmobil-Landschaft zwei Etagen höher versetzte das Publikum ins Staunen. Die binnen vier Stunden auf sieben Quadratmetern zusammengebaute Kulisse erzählt das Leben Martin Luthers in 52 Szenen. Das von einem Zwickauer Pfarrer zusammengestellte Aktionsmodell war im Vorjahr eine landesweit geschätzte mobile Ausstellung.

Staunen nicht minder im Dom St. Marien. Hier verstand die Kirchgemeinde um Gastgeber Urs Ebenauer, auch ein internationales Publikum auf eine Geschichtsreise mitzunehmen. "Wir berichten über unseren Gottesdienst und das Gemeindeleben genauso, wie wir unsere Stadt und die Menschen insgesamt unter dem Gesichtspunkt vorstellen, Verantwortung für die Gesellschaft zu tragen", so der Dompfarrer. Der zeigte sich davon angetan, dass eine größere Schar Gäste als zur Premiere 2016 sein Kirchenschiff bewunderte. Regina Süßmilch gehörte zu jenen, die sich angetan von der Kirchennacht zeigte: "Dafür habe ich als Dresdnerin sogar unserem Stadtfest den Rücken gekehrt."

Im Scheinwerferlicht der Petrikirche stand Sigmar Cholet. Dessen mimische Interpretationen im Altarraum zu Orgelstücken von Clemens Lucke boten besonderen Reiz. Den Obermarkt nahmen Vertreter der Heilsarmee unter ihre Räder. "Wenn Leute nicht mehr in die Kirche gehen, dann muss die Kirche zu ihnen gehen", sagte Johannes Döhler. "Wir fühlen uns den vom bürgerlichen Leben verstoßenen, den gehandicapten Mitmenschen verpflichtet", suchte der Meißner in der mobilen Kirche das Gespräch.

Vom nicht immer reibungslosen Alltagsleben eines Pfarrers berichtete Marcel Tabert auf unterhaltsame Weise in der methodistischen Friedenskirche. Er zeigte, dass Gottesmänner mit kleinen irdischen Wehwehchen umzugehen verstehen und gab zugleich schelmisch zu bedenken, welche Dosis Glaubensbekenntnis den Mitmenschen zugemutet werden könne. Dessen Aufforderung an die Mitglieder der Kirchgemeinde und Gäste indes ließ kein Zweifeln zu: "Jetzt zieh'n wir weiter um die Häuser und besuchen die beteiligten Kirchen."

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