Jubilare beschenken die Stadt

Der Lions Club Freiberg wird 25 Jahre alt. Doch statt selbst auf Geschenke zu hoffen, machen sie das, was ihr Auftrag ist: Sie geben etwas.

Freiberg.

Stück für Stück und ganz allmählich ist schon etwas emporgewachsen. Zunächst gab es Anfang 2018 ein Fundament mit den ersten Aufbauten. Inzwischen sind einige weitere Steine hinzugekommen. Das Horndenkmal ist im Entstehen, keine Frage, doch wird es wohl noch ziemlich lange dauern, bis es wieder in seiner alten Pracht am historischen Ort, der Hornstraße, steht.

In erster Linie liegt das am Geld. Rund 400.000 Euro, so schätzt Rainer Bruha, Vorsitzender des Freiberger Fremdenverkehrsvereins, wird das Projekt möglicherweise kosten, den ehemaligen Hornbrunnen, 1857 eingeweiht, als Denkmal wieder auferstehen zu lassen.

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So ohne weiteres ist eine solche Summe nicht aufzutreiben, auch wenn hier die Stadt und der Verein gemeinsam an einem Strang ziehen. So übt man sich in Geduld und setzt Stein für Stein ganz genau übereinander. So wie im Jahr 1977 soll dieser Versuch der Rekonstruktion und Sanierung nämlich nicht enden. Damals entschloss man sich, den Brunnen, der an die Leistungen des Bürgermeisters Christian Sigmund Horn (1659 - 1736) erinnert, wieder herzurichten. Dafür wurde er in seine Einzelteile zerlegt und in die Werkstatt eines Bildhauers nach Siebenlehn verbracht. Der plötzliche Tod des Bildhauers verhinderte die Ausführung des Vorhabens.

Die Steine kamen in den Freiberger Bauhof, wo sie Jahrzehnte lang lagerten. "Nicht mehr alle Stücke sind noch vorhanden", bedauert Rainer Bruha. Zwei Seitensäulen und der turmhafte Aufbau sind verschwunden. Und als Brunnen kann all das sowieso nicht wieder errichtet werden.

Wie schon in den 1850er Jahren sollen die Mittel, diesmal für den Wiederaufbau, vor allem über Spenden zusammengebracht werden. "Das ist ein Projekt für das bürgerschaftliche Engagement in Freiberg", sagt Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos). Er war in dieser Woche zugegen, als ein hoher Scheck in die Hände von Walter Angermann, Vorsitzender des Fördervereins "pro Freiberg", wechselte. Überreicht wurde er von Michel Hirschfeld, der dem Lions Club Freiberg vorsteht. 5000 Euro sind es, die gespendet werden, speziell für das Horndenkmal.

Anlass dafür ist der Geburtstag der "Lions" in diesem Jahr. Sie feiern ihr 25. Jubiläum, und statt selbst Geschenke zu empfangen, geben sie lieber etwas. "Das Geld stammt aus unserer jährlichen Adventskalenderaktion", sagt Michel Hirschfeld. "Und wir hoffen, damit eine Initialzündung zu geben, damit noch weitere Vereine, Unternehmen oder Privatpersonen sich für das Denkmal engagieren."

Eine kürzlich aufgestellte Tafel vor dem bislang nur als Torso vorhandenen Horndenkmal gibt Auskunft über die Geschichte und das Vorhaben. Allein die Sanierung des Steines mit dem Bildnis von Christian Sigmund Horn würde rund 9000 Euro kosten. Doch gibt es auch kleinere Steine, die mit sehr viel weniger Geld zu restaurieren sind. Auf der Tafel ist Platz für all jene, die mehr als 500 Euro gespendet haben. Noch steht dort kein Name, doch der des Lions Clubs wird sicher bald zu lesen sein.

Übrigens: Feiern werden die Lions ihren Geburtstag natürlich auch. Im Mai wird ganz im kleinen Rahmen das Jubiläum begangen, denn ein größeres Fest, so Michel Hirschfeld, würde auch viel mehr Geld kosten. Und das wolle man doch lieber zum Nutzen der Stadt und ihrer Bürger ausgeben.


25 Jahre Lions Club Freiberg

"We serve", also "Wir dienen", ist das Motto des Lions Club International, dem sich die Freiberger Mitglieder verpflichtet fühlen. 46 sind es derzeit in der Silberstadt. Gegründet wurde der Club am 20. Mai 1994. Erster Präsident war Professor Frieder Häfner, sein aktueller Nachfolger ist Michel Hirschfeld. Man startete bescheiden mit einem Weihnachtsbasar, der 366,40 Mark einbrachte. Doch steigerte man sich bald. 10.000 Euro sind seit 1996 allein in die Förderung des "Schule 2000"-Projektes geflossen. Auch unterstützte der Club die Errichtung des Gerberbrunnens am Untermarkt. Über 60.000 Euro stellte er für Betroffene des Hochwassers 2002 zur Verfügung. 2017 wurden 7500 Euro für den Ausbau der Begegnungsstätte der Diakonie Freiberg gegeben. Seit 2004 gibt es den Glühweinstand auf dem Christmarkt, dessen Erlös ebenso dem guten Zweck zukommt wie der des Sektstandes zum Bergstadtfest. Im Jahr 2014 wurde die Idee des Adventskalenders geboren, dessen Nettoerlös in den Jahren auf rund 50.000 Euro anwuchs. Ein Coup gelang 2017 und 2018 mit dem Freiberg-Monopoly. Etwa 3600 Spiele wurden davon verkauft. Ein Freiberg-Puzzle wird folgen. Insgesamt liegt das Spendenaufkommen der Freiberger Lions bei knapp 300.000 Euro. (wjo)

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