Jugendliche fordern mehr Aufmerksamkeit von Politik

Auch wenn Freiberger Schüler bei der Landtagswahl noch keine Kreuze machen dürfen - Interesse und Forderungen an die Politiker haben sie.

Freiberg.

Klimaschutz und Bildung - diesen beiden Themenfeldern haben sich die Direktkandidaten im Wahlkreis 19 am Montagnachmittag im Pi-Haus in Freiberg in erster Linie stellen müssen. Aufgeworfen hatten diese Fragen Jugendliche. Viele davon sind Mitglieder des Freiberger Kinder- und Jugendparlaments.

Nach Vorstellung der Kandidaten fühlten die Jugendlichen den Politikern in kleinen Gesprächsrunden auf den Zahn. Einer Gruppe Montessorischülern brannte besonders ihre Ungleichbehandlung gegenüber den Schülern staatlicher Schulen auf den Nägeln. "Wir müssten für die gleiche Anerkennung mehr Prüfungen ablegen, auch weil die unserer Schule nicht staatlich anerkannt sind", beschwerte sich eine Schülerin.

Für Philipp Hartewig von der FDP, der in Vertretung für Benjamin Karabinski gekommen war, sei das Prinzip freier Schulen gut. Er forderte im Gespräch den Wortlaut der Gleichbehandlung besser im bestehenden Gesetz zu formulieren. Auch Jana Pinka (Die Linke) ist vom Konzept überzeugt, da Schüler mehr Freiräume haben. Sie wünscht sich das auch für staatliche Schulen und sprach sich für eine bessere Anerkennung aus. Am Tisch von CDU-Kandidat Steve Ittershagen kam hingegen die Frage auf, was die CDU an ihrer Politik noch besser machen kann. Schnelle Antworten konnte er liefern: Die Situation der Schulen verbessern, egal ob bei Lehrermangel oder Ausstattung. "Wir müssen das derzeitige System noch verbessern", sagte er. Auch Rolf Weigand von der AfD musste sich den Fragen der künftigen Wähler stellen. Die hakten beim Klimaschutz nach. "Ich wünsche mir klare Forderungen und gute Innovationen", bemerkte er. Danach sagte er: "Ich glaube aber nicht, dass wir die Welt von Deutschland aus retten können."

Markus Scholz von den Grünen sah das anders: Er will den Kohleausstieg schon 2030 und einen Wandel im Verkehr. "Wir sollten mehr auf Bus und Bahn sowie den Fahrrad- und Fußverkehr setzen", sagte er. Ähnlich sah das Alexander Geißler (SPD). Auch er will die Verkehrswende und kostenlosen öffentlichen Verkehr.

Das Resümee der Veranstaltung war durchweg positiv. Jugendliche wie Politiker lobten den tiefgründigen Austausch und hoffen auf Wiederholung. Eingeladen hatten Franziska Schwehm, die Jugend- und Sozialarbeiterin der Stadt, und Sophie Helbig vom Kinderschutzbund. Jana Pinka (Linke), Alexander Geißler (SPD), Markus Scholz (Grüne), Steve Ittershagen (CDU), Rolf Weigand (AfD) und Philipp Hartewig (FDP) kamen.

Im Anschluss an die Diskussion fand die U18-Wahl statt, bei der die Jugendlichen ihre Kreuze machen konnten. Organisiert wird die Wahl von Agnes Scharnetzky. Sie ist Referentin für politische Bildung beim Kinder- und Jugendring.


"Ich will die Veranstaltung nutzen, um mich auf meine erste Wahl vorzubereiten."

Nils Buchholz, 13 Jahre, ist Mitglied im Kinder- und Jugendparlament in Freiberg und dort im Vorstand aktiv. Er ist gespannt auf die Politiker. "Ich hoffe, dass sie uns ihre Pläne für nach der Wahl präsentieren. Ich bin auch gespannt, welche politischen Angebote sie uns Jugendlichen machen können. Auch ich werde natürlich bei der U18-Wahl mitmachen und meine Stimme abgeben. Wen ich wähle, weiß ich aber noch nicht. Für mich sind Themen wie Internet und Bildung am wichtigsten. Auch heute sollen diese zur Sprache kommen."


Hannah Kirschberger, 15 Jahre, ist seit sieben Jahren Mitglied im Kinder- und Jugendparlament. "Ich hoffe, dass die Politiker mir heute meine Fragen beantworten können und ich diese auch ansprechen kann. Ich will besonders junge Themen einbringen, aber auch erfahren, was die Politiker eigentlich so interessiert. Besonders gespannt bin ich beim Thema 'Umwelt'. Ich bin selbst bei Fridays for Future aktiv und will wissen, wie ernst den Kandidaten der Klimawandel ist. Bis jetzt setze ich bei diesem Themenfeld auf die Grünen."


Lukas Lang, 17 Jahre, ist seit einem Jahr beim Kinder-und Jugendparlament dabei. "Ich freue mich auf den Nachmittag und darauf, mit den Politikern ins Gespräch zu kommen. Diese Möglichkeit hat man ja sonst nicht so häufig. Ich bin gespannt, welche Themen den Kandidaten wichtig sind. Außerdem will ich die Gespräche heute nutzen, um mich schon mal auf meine erste Wahl vorzubereiten und mich vielleicht von einer Partei zu überzeugen. Immerhin werde ich nächstes Jahr 18 und darf dann endlich auch an die Wahlurne." (scso)


Fanni Semler, 12 Jahre, seit drei Jahren im Kinder- und Jugendparlament engagiert. "Ich will von den Politikern erfahren, was ihre Themen sind, mit denen sie bei der Landtagswahl antreten werden. Und ich bin gespannt, was sie an der derzeitigen Politik verändern und verbessern wollen. Für mich ist der Klimaschutz ein wichtiges Thema und ich wünsche mir, dass sich Politiker mehr dafür einsetzen. Aber auch Themen wie Bildung interessieren mich, denn auch mich trifft der Lehrermangel."


Lennard Roth, 14 Jahre, ist seit drei Jahren Mitglied im Kinder- und Jugendparlament in Freiberg. "Ich will vor allem die Kandidaten kennenlernen und erfahren, für was sie stehen und welche Themen ihnen besonders am Herzen liegen. Natürlich werde ich im Anschluss auch bei der U18-Wahl teilnehmen und am Mittwoch bei der Auszählung helfen. Wir Jugendlichen sind die Wähler von morgen und unsere Interessen werden von den Politikern oft nicht beachtet, weil wir sie noch nicht wählen dürfen. Ich bin gespannt, wer mich in den Gesprächen überzeugen kann."

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