Junges Blut für eine alte Tradition

Gut 15.000 Schaulustige kamen zur Bergparade am Vorabend des zweiten Advent. Mitten in der Parade drin: Zwei Freibergerinnen bei ihrem ersten Auftritt im Fackelschein.

Freiberg.

Als die Bergparade am Samstag im Fackelschein durch Freiberg zog, säumten auch in diesem Jahr wieder unzählige Menschen die Straßen und Plätze der Altstadt. Nach Einschätzung der Stadtverwaltung sollen es 15.000 Schaulustige gewesen sein. Spätestens in dem Moment, in dem die Posaunen auf dem Obermarkt das Vorspiel des Steigerlieds anstimmten, dürfte viele von ihnen ein Gänsehaut-Gefühl überkommen sein. Ein ähnliches Gefühl hatten aber auch die, die selbst marschierten. Erst recht, wenn sie eine solche Parade im Fackelschein zum ersten Mal aus dieser Perspektive erlebten.

So Frauke Fischer und Mandy Berndt aus Freiberg, zwei junge Frauen um die 30, die sich der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft angeschlossen haben und nun mit dem Arschledersprung bei der Mettenschicht in der Nikolaikirche das nötige Aufnahmeritual vollzogen. Frauke Fischer kam in Leipzig zur Welt, Mandy Berndt in Rochlitz - aber sie leben schon so lange in Freiberg, dass ihnen die bergmännischen Sitten längst in Fleisch und Blut übergegangen sind. "Das Steigerlied", sagt Frauke Fischer, "lernt man ja schon in der Grundschule."

Ihre Söhne sind befreundet und von den Paraden schon länger fasziniert und machen schon seit einigen Jahren mit. Nun also folgten die Mamas dem Beispiel. Zur Freude des Knappschafts-Vorsitzenden Knut Neumann. "Ich bin sehr froh, dass junge Leute zu uns kommen und das Ansehen des Vereins und der Stadt nach außen tragen", sagt Neumann. "Das steht der Stadt gut zu Gesicht." 440 Leute zählt der Verein, dass es sich überwiegend um ältere Herrschaften handele, sei normal, sagt Neumann. Aber ihm sei "um die Zukunft nicht bange".

Die Neuzugänge Frauke Fischer und Mandy Berndt waren zum Bergstadtfest das erste Mal dabei, ihre erste adventliche Parade nun genossen sie sehr. "Die weihnachtliche Atmosphäre mit den Fackeln, das ist schon etwas ganz anderes", so Mandy Berndt. "Es war einfach wunderschön und überwältigend." Frauke Fischer zeigte sich aber auch etwas selbstkritisch. "Das mit dem Marschieren, dass muss ich eindeutig noch etwas üben", kommentiert sie. "Ich komme noch etwas zu schnell aus dem Takt." (mit wjo)


"Es ist eben ein richtiger Christmarkt"

Die Bergparade, Höhepunkt des alljährlichen Freiberger Christmarkts lockt tausende Menschen an. Wie aber gefällt ihnen der Markt selbst? "Freie Presse" fragte nach.

Franziska Grüger, Dresden: "Der Freiberger Markt ist klein und gemütlich, nicht so verrummelt wie andere. Die Atmosphäre ist stimmungsvoll, mit viel Weihnachtsmusik und Glühwein- sowie Teeduft. Es ist eben ein richtiger Christmarkt."

Beate Lukasek, Riesa: " Es ist ein wunderschöner Markt, man spürt die Liebe der Freiberger zur Tradition bis ins kleinste Detail. Man bekommt alles, was einen richtigen Markt ausmacht, von erzgebirgischer Schnitzkunst, weihnachtlicher Atmosphäre mit Gesang - wir haben beim Kinderprogramm kräftig mitgesungen - bis zu Glühwein, Bratwurst und Fettbemme. Mit dem Regenschirm haben wir die Stadt erkundet, nun warten wir auf die Bergparade."

Saidhar Kothandan, Indien: Ich studiere derzeit an der TU Bergakademie Freiberg. Es ist für mich das zweite Weihnachtsfest in Freiberg, die festlich beleuchtete Innenstadt ist trotz Regen von vielen Leuten besucht und alle schauen erwartungsvoll in Richtung Schloßplatz, von wo jetzt gleich die Bergparade erwartet wird. Glühwein, die vielen süßen Leckereien wie die Krapfen erinnern mich an meine Heimat, dort wird auch gern süß gegessen.

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