Lieder, so schön wie die Silberstadt

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Wo Freiberg in einer Liga mit New York, Paris und Wien spielt.

"Ganz Paris träumt von der Liebe", "Wien, Wien, nur du allein", "New York, New York" oder "Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft...". Städte, die was auf sich halten, haben ein unverwechselbares Lied, mit dem die jeweiligen Sehenswürdigkeiten, ganz gleich ob Denkmale, Bauten oder schöne Frauen, in höchsten Tönen gelobt und angepriesen werden. Nicht selten von Sängern, die gar nicht aus der jeweiligen Metropole oder dem dazugehörigen Land stammen. Im Freistaat Sachsen allerdings tut man sich auf diesem Gebiet schwer. Oder fällt Ihnen, ohne groß nachzudenken, sofort ein Lied ein, das den Charme von Chemnitz preist, vor der Unverwechselbarkeit Dresdens in die Knie geht oder Leipzig in höchsten Tönen lobt? Sehen Sie! Da gibt es noch genug weiße Flecken. An Versuchen, über mitklatschbares Liedgut nach innen und außen der eigenen Schönheit zu frönen, hat es über die Jahrzehnte hinweg vermutlich nicht gemangelt. Allein, so recht verfangen hat dabei wohl eher keine der Kompositionen. Vielleicht fehlte ja die Initialzündung durch eine Landeshymne, die bislang auch noch offiziell fehlt? Doch neidisch nach Brandenburg zu schauen, wo ja mit "Steige hoch, du roter Adler..." ein veritabler Evergreen existiert, lohnt weniger, denn entsprechende Ergebnisse zeitigte auch diese Vorlage nicht. Oder kennen Sie ein paar fetzige Oden, die Cottbus, Potsdam oder Doberlug-Kirchhain feiern?

Aber steht man nun vollkommen liedlos in der musikalischen Landschaft herum? Nein! Denn zumindest in der Silberstadt Freiberg geht man mit gutem Beispiel voran, und das bereits seit einigen Jahrzehnten. Wenngleich jener Hit, um den es hier nachfolgend teilweise gehen soll, erst einmal wieder ins Bewusstsein der Einwohner geholt werden musste. Die Chordamen der Hinkel-Singers und zwei freundliche Herren, die gemeinsam als Bergstadt-Duo auftreten, leisten dabei seit Jahren Grundlagenarbeit. In diesem Jahr nun berichteten wir von der Auferstehung der "Freiberg-Hymne", die bereits 1951 von Rolf Gottwald und seinem Freund Gottfried Fritzsche getextet wurde, allerdings unter der weniger spektakulären Bezeichnung "Freiberger Lied". Besungen wird darin nicht nur die Schönheit der Stadt, sondern auch die Sehnsucht nach ihr, was vielleicht noch mehr zum Ausdruck bringt als nur die Aufzählung der Sehenswürdigkeiten.

Kaum wurde darüber berichtet, geschah Faszinierendes. Denn das Interesse der Menschen war geweckt. Nicht nur, dass die Witwe von Rolf Gottwald sich meldete. Nein, es gab Anfragen und Hinweise auf weitere Lieder, die melodiös vor Freiberg ihre Verbeugung machen. Eine Komposition etwa steuerte vor längerer Zeit der ehemalige Kapellmeister des Stadttheaters Will Schabbel bei, der den Text eines Herrn Hackenberger in Noten setzte. Darin heißt es durchaus selbstbewusst: "Doch wenn abends im Städtchen/die Lichter verlöschen/wenn der Mond unser Freiberg beschien/unsre Straßen und Gässchen/unsern Park und das Schlösschen/seh ich schwarz für Berlin, Köln und Wien." Dem Sammler Hans-Werner Thümmrich verdanken wir, dass uns dieser Text nun ebenfalls vorliegt. Doch womöglich ist es das ja noch gar nicht gewesen? Wer weiß? Vielleicht lagern in den zahlreichen, seit Jahren ungeöffneten Schubkästen der vielen bislang ungekannten Dichter Freibergs weitere Hymnen, Lieder, Oden und Rocksongs, die allesamt darauf warten, zu Hits zu werden?

Von einem Stück weiß man bereits. Die unermüdlichen und bereits erwähnten Hinkel-Singers präsentierten es anlässlich von "Freiberg macht Musik" im September. Er gehört ebenso in die bislang noch kleine Kompilation, auf dass sie wachse und werde. Nicht selten wird Historie nun einmal über Lieder in die Zukunft weitergereicht. Und es lohnt sich ja, auch kleinere Details der Freiberger Gegenwart in Reimen festzuhalten und mit Melodien zu versehen. Etwa kann man sich ganz gut vorstellen, dass das Drama um das Silbermannhaus besungen wird ("Räumchen, Räumchen, wechsle dich" auf die Melodie einer finsteren Bach-Fuge), ebenso der Museumszwischenbau ("Quadratisch, praktisch, gut?" im Stil der Neuen Deutschen Welle) oder der inzwischen etwas eingeschlafene Babyboom ("Sagt mal, wo kommt ihr denn her?", ruhig mit den Original-Noten). Je mehr Songs man hat, desto eher gibt es eine erste CD und desto näher ist man dran an einem Welthit. Und dann können sich die sogenannten Metropolen der Welt mal so richtig warm anziehen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...