Schnee und Frost: Herausforderung für viele Dienste in Mittelsachsen

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Längere Wege und viel mehr Energie: Ob Winterdienst, Wasserversorger, Müllentsorgung oder Sozialdienste - Schnee und Kälte fordern ihnen viel ab.

Freiberg.

Eigentlich herrscht normaler Winter - mit Schnee und eisigen Temperaturen. Dennoch braucht es Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Die "Freie Presse" hat nachgefragt, wie verschiedene Dienste die Herausforderungen meistern.

Wasserversorgung: "Es gibt keine Einschränkungen wegen der Kälte", fasst Roger Lucchesi, Geschäftsleiter des Wasserzweckverbandes Freiberg (WZF), die Situation im Unternehmen zusammen. Die etwa 100.000Kunden würden stabil versorgt, die Leitungen lägen in frostsicherer Tiefe. Kritisch könnten aber Tauphasen wegen Spannungen im Erdreich werden, Rohrbrüche die Folge sein. "Uns machen bei der Kälte eher eingefrorene Hauswasserzähler in Kellern Sorgen, weil Fenster offenstehen. Wenn die Zähler auftauen, werden sie undicht und laufen aus", erklärt er. Das sei kostspielig und von den Verursachern zu bezahlen. Deshalb sollte Vorsorge getroffen werden, ebenso bei Hausanschlussleitungen. Trotz der Kälte würden nötige Reparaturen vorgenommen. So hat es nach den Worten von Frank Richter am Mittwoch in der Halsbrücker/Unterhofstraße in Freiberg einen Rohrbruch gegeben. "Das Wasser ist sofort gefroren. Doch der Bruch ist wahrscheinlich auf Ermüdungserscheinungen im Rohr zurückzuführen", erklärte der technische Leiter des WZF.

Freiberger Tafel: "Wir registrieren derzeit wegen der Kälte weniger Betrieb, eigentlich kommen etwa 100Bedürftige zu uns", schätzt Anja Fiedler, Leiterin der Freiberger Tafel, ein. Am Donnerstag seien es etwa 60, darunter 42 Kinder gewesen, die Brot und Backwaren abgeholt hätten. "Eine Frau hat schon morgens um 7 Uhr vor der Tür gestanden, weil sie mit dem Bus aus einem Dorf kommt. Die Ausgabe beginnt aber erst 11 Uhr, wir haben die Backwaren nicht eher", so Anja Fiedler.

Müllentsorgung: Unzureichender Winterdienst in Seitenstraßen, Behinderungen durch Schneeberge und parkende Autos in engen Straßen, schlechte Zugänglichkeit zu Grundstücken, zugeschobene Wendestellen und Müllbehälter - die Problemliste der Müllentsorgung ist lang. "Wir haben auch ein hohes zusätzliches Aufkommen an Abfall an den Sammelstellen, die per Hand verladen werden müssen, oftmals angefroren sind", erklärt Jens Irmer, Geschäftsführer der Entsorgungsdienste Kreis Mittelsachsen (EKM). Wegen der Schwierigkeiten gibt es teilweise Verzögerungen in der Abfuhr in manchen Orten, die tagesaktuelle Auflistung sei auf der Internetseite der EKM zu sehen. Wegen der extremen Kälte spricht der Geschäftsführer auch von technischen Einschränkungen an den Fahrzeugen wegen eingefrorener Diesel-und Hydraulikleitungen. Die meisten Bürger jedoch zeigten Verständnis. Die Mitarbeiter der Entsorgung würden, wenn nötig in zusätzlichen Schichten arbeiten - auch samstags.

Energieverbrauch: Von aktuell etwa um 25 bis 30 Prozent gestiegenem Energieverbrauch wegen der zum Teil strengen Nachtfröste und Dauerfrost am Tag spricht Axel Schneegans, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Freiberg. Der Strombedarf sei weitestgehend gleich geblieben. Die Tochtergesellschaft der Stadtwerke versorgt in Freiberg etwa 6500 Kunden mit Erdgas, 30.000Kunden mit Strom und 11.000 Haushalte mit Fernwärme. Ebenfalls mit Fernwärme versorgt sie große Teile des Campus sowie die Wohnheime der Bergakademie an der Winklerstraße. Probleme in der Versorgung sieht Schneegans nicht. Das Heizkraftwerk an der Chemnitzer Straße und die Trassen funktionierten. "Vor Beginn der Kälteperiode haben wir die regelmäßigen Wartungsarbeiten an den Großmotoren abschließen können, sodass unser Kraftwerkspark vollständig zur Verfügung steht", fasst er zusammen. Das Erdgasnetz sei grundsätzlich gegen Witterungseinflüsse gut geschützt, ebenso das erdverlegte Stromnetz. "Besonderes Augenmerk legen unsere Dienstleister aber auf die freiverlegten Leitungsabschnitte." Schäden seien bisher nicht festzustellen.

Winterdienst: Trotz der Witterung hat der Winterdienst "ein flächendeckendes und gut befahrbares Streckennetz realisiert", fasst der Freiberger Tiefbauamtsleiter Tom Kunze zusammen. Der Winterdienst sei zum Teil ab 2 Uhr nachts unterwegs, teils im Zweischichtsystem. "Probleme treten dort auf, wo die Durchfahrtsbreite der Straße für den Winterdienst nicht mehr gewährleistet ist", sagt er. Schnee sei diese Woche auf der Dr.-Külz-Straße und der Karl-Günzel-Straße abtransportiert worden. Die ÖPNV-Haltestellen betreue der Winterdienst der Stadt. "Es gibt Räumpläne, die durch den Bauhof und Fremdfirmen täglich abgearbeitet werden", so Tom Kunze. Nach den Worten von Ordnungsamtsleiterin Antje Liebernickel räume auch der überwiegende Teil der Grundstückseigentümer die Gehwege ordentlich. "Nur in Einzelfällen müssen die Eigentümer auf ihre Räumpflichten hingewiesen werden", sagt sie.

Pflegedienst: Schneemassen erschweren besonders den mehr als 100 Pflegekräften der fünf ambulanten DRK-Pflegedienste pünktliches Durchkommen zu hilfsbedürftigen Menschen zwischen Freiberg, Lichtenberg und Sayda. "Bei so viel Schnee ist es oft nicht leicht, Parkflächen zu finden, um rechtzeitig bei den Senioren zu sein", fasst es Simone Röstel vom DRK-Kreisverband Freiberg zusammen. Die Sprecherin meint besonders Neubaugebiete und Nebenstraßen in der Stadt. Zu Wochenbeginn hätten Mitarbeiter Umwege fahren müssen, um speziell in den ländlichen Regionen überhaupt durchzukommen. "Besonders bei Menschen, die beispielsweise auf Insulin angewiesen sind, müssen aber Zeiten genau eingehalten werden. Unser Menüdienst, der das gleiche Problem mit Straßen und Parkplätzen hat, versorgt viele danach mit Speisen. Lange Verspätungen bei unseren täglich drei Touren sollten nicht passieren", sagt sie und fügt an: "Oft bleibt mangels Parkplatz nur die Schneewehe oder Einbuchtung - auch, wenn Mitarbeiter da manchmal Unverständnis ernten. Ruhigbleiben ist dann gefordert", sagt Simone Röstel.

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