Tempo 30 - aber keine Radarkontrollen

Seit Anfang August gilt auf der B101 in Großschirma eine neue Höchstgeschwindigkeit. Doch auf dem Autobahnzubringer wird weiterhin gerast. Trotzdem führten Polizei und Kreisbehörde bisher keine einzige Messung durch.

Großschirma.

Seit reichlich sieben Wochen gilt auf dem Autobahnzubringer in Großschirma Tempo 30. Denn die Kreuzung der B 173 mit der Hauptstraße ist eine Gefahrenstelle. An dem Knoten passierten 2016 fünf Unfälle, bei einem davon wurde ein Mensch leicht verletzt. 2017 waren es zwölf Kollisionen, bei einer gab es einen Leichtverletzten. 2018 passierten 15 Unfälle, wobei zwei Menschen leicht verletzt wurden. In diesem Jahr ereigneten sich laut Polizei bislang sechs Unfälle, bei einem davon erlitten zwei Menschen leichte Verletzungen.

Da die Kreuzung ein Unfallschwerpunkt ist, hatte die mittelsächsische Unfallkommission das neue Tempolimit vorgeschlagen. Zuvor waren 50 Stundenkilometer erlaubt. Doch auch nach dem Aufstellen der entsprechenden Verkehrszeichen wird weiter gerast.

Das zeigt die Auswertung der Tempotafel an der B 101. Nach Angaben von Großschirmas Bauamtsleiter Frank Jänich lag die Durchschnittsgeschwindigkeit in dem Tempo-30-Bereich im Zeitraum vom 20. August bis zum 12. September bei reichlich 42Stundenkilometern. Am 30.August düste gegen 1.30 Uhr ein Fahrzeug mit 104Sachen in den Messbereich und bremste am Messgerät auf 95km/h ab. Am 1.September kam gegen 5 Uhr ein Fahrzeug mit 115Stundenkilometer herangerast und drosselte sein Tempo an der Messtafel auf 64. Doch bisher haben weder Kreisbehörde noch Polizei die Geschwindigkeit auf dem rund 200Meter langen Abschnitt der Bundesstraße kontrolliert. Das geht aus Antworten auf Anfragen der "Freien Presse" hervor.

Andrzej Rydzik, der stellvertretende Pressesprecher der Polizeidirektion Chemnitz, sagt: "Der Einsatz unserer Messtechnik ist aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht möglich." An der Bundesstraße in Großschirma gebe es keinen geeigneten Standplatz für die Geschwindigkeits-Messfahrzeuge. Und für den Einsatz von Laserpistolen wiederum seien keine Anhaltemöglichkeiten vorhanden. Rydzik ergänzt: "Zu prüfen wäre, ob dort die vorhandene Messtechnik des Landratsamtes zum Einsatz kommen kann."

Das Landratsamt wiederum prüft laut Kreissprecher André Kaiser noch Möglichkeiten, "die Geschwindigkeitsüberwachung auch an diesem Standort im Landkreis Mittelsachsen" durchzuführen. Mobile Messtechnik solle zum Einsatz kommen. "Aufgrund der Kürze der Strecke dürften Radarkontrollen technisch schwer durchführbar sein", schätzt Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP) ein. Einen Antrag der Stadtverwaltung auf einen stationären Blitzer hatte die Kreisbehörde in der Vergangenheit abgelehnt.

Dass die Tempo-Anzeigetafeln nicht bei allen Fahrern eine erzieherische Wirkung haben, beobachtet die Polizei schon lange. Sprecher Rydzik sagt: "Der Otto-Normal-Verkehrsteilnehmer tritt auf die Bremse. Aber manche testen auch aus, wie viel die Tafel anzeigen kann."

Unterdessen ist das Tempo 30 auf dem Autobahnzubringer nicht unumstritten. Im sozialen Netzwerk Facebook schreibt ein Nutzer: "Eine vernünftige Ampelanlage hätte es auch getan." Und ein anderer: "Da kann ich mein Auto ja gleich um die Kurve schieben."


Kommentar: Kontrollen sind nötig

Das neue Tempolimit auf der Bundesstraße 101 in Großschirma ist nur ein Schritt, um Rasern Einhalt zu gebieten. Doch solange es auf dem Autobahnzubringer keine Radarkontrollen gibt, werden sich nur die besonnenen Fahrer an die neue Geschwindigkeitsbegrenzung halten und den Fuß vom Gas nehmen. Die Unvernünftigen brettern weiter durch den Ort und gefährden sich und andere. Seit 2016 sind auf der B 101 in Großschirma 28 Unfälle passiert. Sechs Menschen wurden dabei verletzt. Und jeder Unfall ist einer zuviel. Das sollten sich Polizei und Landratsamt vergegenwärtigen. An Kontrollen führt kein Weg vorbei. Und da sollten alle Möglichkeiten geprüft werden - beispielsweise auch stationäre Blitzer.

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