Warten, bis der Arzt-Termin kommt

Am Dienstag ist wieder ein Stichtag, ob in Mittelsachsen genügend Arztpraxen zur Verfügung stehen. Aber: Statistik und Realität differieren stark.

Freiberg.

Mitte November hat die junge Mutter endlich einen Termin beim Augenarzt in Freiberg. Im August habe sie in der Praxis angerufen, erzählt die 22-Jährige aus Oederan. "Seit der Geburt meines Kindes hat sich meine Sehstärke rapide verschlechtert. Das möchte ich abgeklärt haben."

Die lange Wartezeit steht im Widerspruch zu Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS). Demzufolge gibt es im Planungsbereich Freiberg neun "bedarfsplanrelevante" Augenärzte. Der Versorgungsgrad liege damit bei 122,7 Prozent. Laut KVS-Vorgaben wären für die knapp 130.000 Einwohner in dem Versorgungsgebiet nur 7,3 Augenarzt-Stellen erforderlich, um eine hundertprozentige Versorgung zu gewährleisten.

Wie Katharina Bachmann-Bux von der KVS erläutert, werde jedes Jahr der Arztstand zum 1. April bei den Fach- und zum 1. Oktober bei den Hausärzten herangezogen, um die prognostische Versorgung in den Planungsbereichen zu überprüfen. Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen Sachsen habe aufgrund der Erhebung bereits dreimal eine drohende Unterversorgung festgestellt, so die Pressesprecherin weiter - bei Hausärzten (Beschluss vom 27. Juli 2016), bei Hals-Nasen-Ohren-Ärzten sowie bei Kinder- und Jugendärzten (Beschlüsse vom 23. Januar 2019). Alle drei Engpässe betreffen den Planungsbereich Freiberg.

Darüber hinaus wurde 2018 im Landkreis ein "zusätzlicher lokaler Versorgungsbedarf" bei Hausärzten im Raum Roßwein und Penig, bei Hautärzten in der Region Mittweida und bei Kinder- und Jugendpsychiatern in Mittelsachsen insgesamt attestiert. Um die Versorgung sicherzustellen, so Bachmann-Bux weiter, habe der Landesausschuss dem Bedarf entsprechend Förderstellen je Fachgebiet ausgeschrieben. "Gefördert werden die Praxisübernahme, die Neuniederlassung sowie die Anstellung eines Arztes", erklärt die Sprecherin. Auch für die Einrichtung einer Zweigpraxis sei eine Förderpauschale von 6000 Euro möglich, zudem werde die Anstellung von Weiterbildungsassistenten finanziell unterstützt.

Abseits der großen Städte wie Dresden und Leipzig dürfte sich die Lage dennoch verschärft haben. Das legt ein Bericht nahe, den der Mitteldeutsche Rundfunk in der vergangenen Woche publiziert hat. Demnach gelten aktuell sachsenweit 23 Regionen als hausärztlich unterversorgt. Besonders gravierend sei die Situation im Erzgebirge. Betroffen seien aber auch die Regionen um Freiberg, Mittweida und Döbeln, so der MDR - das sind alle drei Planungsbereiche bei Hausärzten im Landkreis.

Die Folge: Es wird immer schwieriger, in Mittelsachsen einen Arzttermin zu bekommen. Das bestätigt auch Simone Pflug von der Terminservicestelle, die 2016 bei der KVS eingerichtet worden ist. Zwar gebe es keine regionale Auswertung von Termingesuchen, aber die Inanspruchnahme der Terminservicestelle steige stetig. Besonders gefragt seien die Fachbereiche Psychotherapie, Augenheilkunde sowie Neurologie und Psychiatrie.

Insbesondere seit Inkrafttreten des Terminservice- und Versorgungsgesetzes im Mai dieses Jahres sei ein sprunghafter Anstieg von Anrufen zu verzeichnen, so Pflug. "Die Anzahl der empfangenen Anrufe während der Servicezeit hat sich zum Beispiel vom 2. Quartal 2018 zum 2. Quartal 2019 mehr als verdoppelt." Die Anfragen zur Vermittlung an einen Augenarzt seien im gleichen Zeitraum um mehr als 80 Prozent sowie die zur Vermittlung an einen Psychotherapeuten um mehr als 50 Prozent gestiegen.

Laut Gesetz soll einem Patienten, der um einen Facharzttermin bittet, in der Regel binnen einer Woche ein Behandlungstermin genannt werden, der innerhalb von vier Wochen liegt. Diese Frist könne beispielsweise bei Routineuntersuchungen oder in Abstimmung mit dem Patienten - etwa wenn dieser im Urlaub sei - auch überzogen werden. Die Servicestelle vermittele seit Mai auch Termine bei Haus- sowie Kinder- und Jugendärzten; einschließlich Termine für U-Untersuchungen innerhalb von 4 Wochen. Des Weiteren würden Termine zur psychotherapeutischen Akutbehandlung jetzt binnen zweier Wochen vermittelt.

Vermittlung: Die Terminservicestelle der KVS ist Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr und Mittwoch von 14 bis 17 Uhr erreichbar:

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