Wo der Freistaat in die Offensive geht

Das Ausbildungszentrum Bobritzsch wird erweitert. Rund 100 Anwärter und Azubis sollen zusätzlich geschult werden.

Niederbobritzsch.

Am Ausbildungszentrum Bobritzsch wird der Boden für eine Erweiterung bereitet. "Hier sollen zwei Containeranlagen für Schul- und Verwaltungszwecke errichtet werden", erläuterte Bürgermeister Volker Haupt (CDU) am Mittwoch der Verwaltungsspitze des Landkreises beim "Kommunaltag" von Landrat Matthias Damm (CDU) in seiner Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf. Die beiden zweigeschossigen Anbauten mit einer Gesamtraumfläche von 2100 Quadratmetern würden voraussichtlich fünf Jahre lang für die Umsetzung der Ausbildungsoffensive des Freistaats benötigt.

Von 2019 bis 2030 wolle Sachsen jedes Jahr 550 Anwärter und Auszubildende einstellen, erläuterte Jörg Herold vom Justizministerium. Das seien zweieinhalb mal so viel wie oder 329 angehende Staatsdiener mehr als bisher, so der Pressesprecher weiter. Rund 100 der zusätzlichen Ausbildungsplätze sollen in Niederbobritzsch geschaffen werden. "Laut Kabinettsbeschluss sollen 354 Auszubildende/Anwärter auf die Fachbereiche im Ausbildungszentrum verteilt werden", erklärte Herold. Davon entfielen 103 Stellen auf den Allgemeinen Verwaltungsdienst und 96 auf den Steuerverwaltungsdienst sowie 91 auf den Justiz- und 64 auf den Justizvollzugsdienst.

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"Neu hinzu kommt die Laufbahnausbildung im Fachbereich Verwaltung. In demselben Fachbereich soll außerdem die ebenfalls neue Laufbahnausbildung für den Vollzugsdienst in Ausreisegewahrsams- und Abschiebehafteinrichtungen ab September 2019 starten", informierte der Pressesprecher. Inklusive der Aufstockungen in den drei übrigen Fachbereichen Finanzen, Justiz und Justizvollzug müssten ab September insgesamt sechs bis sieben Klassen zusätzlich in Niederbobritzsch gebildet werden. Da das im vorhandenen Gebäudekomplex nicht möglich sei, müsse angebaut werden: "Die Bauarbeiten haben bereits begonnen und sollen bis Mitte August abgeschlossen sein." Die zusätzlich benötigten Unterkünfte sollen in der näheren Umgebung - zum Beispiel in Freiberg und Chemnitz angemietet werden.

Anfang der 1990er-Jahre habe die Landesregierung ein möglichst zentral im Freistaat gelegenes Grundstück mit Zuganbindung gesucht, um eine Ausbildungsstätte mit Internat für bis zu 400 Fachleute in spe vor allem auf dem Gebiet von Steuern und Finanzen gesucht, erinnerte sich Bürgermeister Haupt. "Der Bahnhof ist gleich nebenan, aber damals hat keiner vorhergesehen, dass fast alle mit dem Auto kommen würden", kommentierte er die angespannte Parkplatz-Situation auf dem Gelände - auch diesbezüglich werde aber an einer Lösung gearbeitet. Wegen rückläufiger Schülerzahlen sei zwischenzeitlich auch die Schließung oder Umnutzung als Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber erwogen worden, so Haupt: "Das war eine ganz heiße Kiste."


Weitere Stationen der Tour

Beim Kommunaltag haben sich am Mittwoch Vertreter der Kreisverwaltung in der Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf umgesehen. Auf der Tour wurden sie von der Bundestagsabgeordneten Veronika Bellmann und Landtagsmitglied Steve Ittershagen (beide CDU) begleitet.

Die Asglaform composites GmbH im Gewerbegebiet Freiberg-Ost war eine der Stationen. Die Tochterfirma der Asglawo hat unmittelbar neben ihrem Mutterunternehmen eine eigene Produktionshalle mit 2400 Quadratmetern Fläche erreichtet. Wie Geschäftsführer Erich Herden sagte, soll sie Mitte des Jahres eingeweiht werden. Herzstück sei eine 2500-Tonnen-Presse für die Herstellung von faserverstärkten Kunststoffteilen. Die Investition inklusive Maschinen und Ausrüstung war von der Firma mit 5Millionen Euro angegeben worden.

Am Industriegebiet Muldenhütten erläuterte Volker Haupt (CDU) als Bürgermeister von Bobritzsch-Hilbersdorf Pläne, Flächen am Bahnhof für die MRU Muldenhütten Recycling und Umwelttechnik GmbH nutzbar zu machen und eine Wendemöglichkeit für Lkw an der Bahnhofstraße zu schaffen. Dabei sei auch die Stadt Freiberg mit von der Partie - beide Kommunen bilden einen Zweckverband für die Vermarktung von Muldenhütten und Freiberg-Ost; 2018 haben sie hier rund 1,5 Millionen Euro Steuern eingenommen. (jan)


Komplex verfügt über 272 Einzelzimmer und 24 Wohnungen

Die Ausbildungsstätte in Niederbobritzsch ist 1996 eingeweiht worden. Sie dient heute als Ausbildungszentrum für den mittleren nichttechnischen Dienst in den Fachrichtungen Allgemeine Verwaltung und Sozialverwaltung, Finanzen, Justiz und Justizvollzug. Seit 2013 werden hier auch Anwärter aus Thüringen und Sachsen-Anhalt ausgebildet. Die beiden Gästehäuser haben 272 Einzelzimmer, davon 24 behindertenfreundlich. Es gibt zwei Mutter-Kind-Wohnungen und 22 Wohneinheiten für Dozenten.

Voriges Jahr waren 262 Anwärter und Auszubildende für die fachtheoretische Laufbahnausbildung angemeldet; dazu kam die dienstbegleitende Unterweisung für 38 Angestellte. 2019 wird mit 363 Anwärtern/Azubis und 46 Angestellten gerechnet.

Weitere staatseigene Einrichtungen ziehen bei der Ausbildungsoffensive mit. So sollen die Hochschule Meißen 178, die Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule Nardt einen und der Staatsbetrieb Sachsenforst 17zusätzliche Plätze anbieten. (jan)

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