Wunschzettel

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Der Weihnachtsmann legt vor der Zustellpause noch einmal den Turbo ein.

Weihnachten? War das nicht diese Rabatt-Aktion des Online-Handels, bei der man alles zum doppelten Preis bekommt? Hier ein paar Dinge, die sich die Menschen in Mittelsachsens Mitte so wünschen. Könnten. Wenn es den Weihnachtsmann denn wirklich gäbe.

Autokennzeichen: Seit einigen Jahren gilt bei den Nummernschildern: Freie Fahrt für freie Kleinbürger, die sich das Kennzeichen passend zu ihrer Kleinstadt aussuchen dürfen. Früher dienten Autokennzeichen noch dazu, anzuzeigen, in welchem Landkreis das Fahrzeug zugelassen wurde. Jetzt dienen sie als Trostpflaster für Menschen, die von der 357. Gebietsreform in Sachsen enttäuscht sind, weil ihr Heimatkaff nicht mehr Kreissitz ist. Besonders beliebt sind BleED, HuCh und FLÖhe. "FeiG" will dagegen kaum jemand auf seinem Nummernschild haben.

Herz: In Freiberg ist ein Jugendlicher mit einem Messer so schwer verletzt worden, dass er zunächst in Lebensgefahr schwebte. Für manche Leute ist in dieser Situation offenbar die wichtigste Frage die, aus welchem Land der Täter stammt. Man könnte sich zwar auch dafür interessieren, wie es dem Opfer geht. Aber zum Weihnachtsfest will man es mit der Menschlichkeit wohl nicht übertreiben. Der Weihnachtswunsch ist klar: Freiberg sollte Herz zeigen.

Umgehungsstraße: Mit diesem Weihnachtsgeschenk ist es wie mit dem Rosenkohl auf der Festtafel: Die einen lieben es, die anderen verabscheuen es. Dazwischen gibt es nichts. Uwe Steimle: Ähnlich ist es auch mit diesem "Komiker". Manche wünschen ihn sich zurück in den MDR. Landsmänner und -frauen haben schon einen entsprechenden Online-Wunschzettel geschrieben. Andere wünschen ihn auf den Mond. Das würde ja nicht viel ändern. Ob man nun auf dem Mond lebt oder hinter dem Mond, ist doch auch egal.

Lehrer: Nicht jeder Schüler sehnt sich nach Physikunterricht. Aber wer es doch tut, der muss wohl demnächst auswandern. Denn das Landesamt für Schule und Bildung bemüht sich sehr, junge Lehrer dorthin zu lotsen, wo sie am dringendsten gebraucht werden - aufs Land. Zum Beispiel nach Berlin. Richtig gelesen: Ein junger Lehrer, ausgebildet im Mangelfach Physik, hatte sich für eine Stelle in Leipzig beworben. Obwohl ihm das Amt vorher eine Beschäftigungsgarantie gegeben hatte, ließ es ihn so lange warten, bis er lieber nach Berlin ging. Macht ja nichts. Wir haben in Sachsen ja genügend Lehrer und können ruhig einen vergraulen.

Windräder: Seit ein Windradbetreiber in der Nähe von Zwickau einen beleuchteten Schwibbogen auf sein Windrad montiert hat, ist die Region plötzlich Feuer und Flamme für erneuerbare Energien. Jetzt wollen alle ein Windrad im Vorgarten haben. Schon gründen sich die ersten Bürgerinitiativen, um nachzuweisen, dass der bedrohte Rotmilan besonders gern in den Schnitzlöchern von Schwibbögen nistet. Wir Mittelsachsen sind nun einmal komische Vögel. Der Energiewende steht zumindest bis Lichtmess nichts mehr im Wege.

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