Zarter Spross wächst aus Solarworld-Trümmern

2017 kaufte ein Unternehmer die Silizium-Recycling-Sparte am Saxonia-Gelände. Mit sechs Leuten fing die Firma Fresitec an, nun sind es zwölf

Freiberg.

Ob diese Geschichte am Ende wirklich als Erfolgsgeschichte in die Freiberger Wirtschaftshistorie eingehen wird, ist noch nicht ausgemacht. Dafür ist die Firma namens Fresitec zu jung. Sie besteht erst seit November 2017. Aber die Erfahrungen machen ihm Mut, sagt Unternehmer Ulrich Loser. Im Februar war der erste Siliziumblock produziert worden. Und die Anzahl der Mitarbeiter ist gegenüber den Anfangstagen verdoppelt, wenn auch im bescheidenen Maße: von zunächst sechs auf nun zwölf. Dennoch, wie Loser es gern ausdrückt: "Ob sich das alles gelohnt hat, weiß man erst, wenn am Ende das Geld auf dem Konto ist."

Dafür hat Loser aber ein gutes Händchen. 1998 fing er als Einmannbetrieb in Böhrigen im Striegistal an, mit Chemikalien zu handeln. Im November 2003 wurde die Loser Chemie GmbH in Hainichen gegründet, die später nach Langenweißbach bei Hartenstein und schließlich nach Zwickau zog. Mittlerweile gibt es eine Holding, die mehr als 200 Mitarbeiter umfasst und unter deren Dach sich eine Maschinenfabrik in Lichtenau sowie ein Textildruckmaschinenhersteller in Österreich befinden.

Nach Freiberg kam Loser durch einen seiner engsten Mitarbeiter, Wolfram Pahlitzsch, Chemiker und Leiter der Forschung und Entwicklung. Dieser Wolfram Pahlitzsch hatte in Freiberg noch einen guten Freund aus gemeinsamen Doktoranden-Tagen: Ingo Röver, der bei Solarworld die Recycling-Sparte mit aufgebaut hatte. Die Sparte brachte bei der Produktion angefallene Silizium-Reste wieder in den Stoffkreislauf, sparte so Rohstoff-Kosten. Als Solarworld 2017 ins Trudeln geriet, überzeugte Pahlitzsch seinen Chef davon, dass die Sparte interessant sein könnte. "Ich wusste, was an Anlagen hier drin steht", sagt er. "Und an Know-how."

Das Spektrum bei Fresitec umfasst alle möglichen High-Tech-Anlagen zur mechanischen und chemischen Bearbeitung von Silizium. Dazu vier hochmoderne Kristallisationsöfen, die das aufbereitete Metall zu Blöcken verschmelzen. Auch wenn die Fresitec ein junges Unternehmen ist, so blicken die Mitarbeiter doch auf reichlich Erfahrung zurück. Alle zwölf waren zuvor ausnahmslos bei Solarworld beschäftigt. Ingo Röver ist nun bei Fresitec Technischer Geschäftsführer. Und führt wie jüngst mit Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Brangs sächsische Regierungsmitglieder durch die Hallen.

Neu ist vor allem, dass Fresitec einen Kundenstamm aufbauen muss. Bei Solarworld ging es vor allem um Silizium für die eigene Produktion. Nun gilt es, Absatzmärkte außer Haus zu erschließen. Als er Fresitec übernahm, hieß es, auch Solarworld Industries könne Produkte kaufen, berichtet Ulrich Loser. "Nur darauf haben wir uns von Anfang an nicht verlassen." (fhob)

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