Zeit des Kennenlernens

Maria-Theresia Kaiser ist seit einem Jahr die Pfarrerin von Oberschöna-Langhennersdorf. Sie sei nicht gekommen, um alles anders zu machen, sagt sie. Und dennoch sind Umbrüche an der Tagesordnung.

Oberschöna/Langhennersdorf.

Für Maria-Theresia Kaiser ist und bleibt es ein besonderer Moment, wenn sie die Kirche von Oberschöna betritt. Hier wurde sie vor einem Jahr zur Pfarrerin der Kirchgemeinde Oberschöna-Langhennersdorf ordiniert. Für die heute 34-jährige Frau, die ihre Wurzeln in einem Dorf nahe der Stadt Brandenburg an der Havel hat, ist es die erste Pfarramtsstelle, die sie bekleidet. Hinter ihr liegt ein spannendes, lehrreiches und interessantes Jahr.

Dass sie einmal in dieser mittelsächsischen Gemeinde landen würde, stand zunächst nicht an ihrem Lebenspaket dran. Erst verschlug es sie an weit entlegenere Punkte der Welt. So machte Kaiser nach der Schule ein Freiwilligenjahr in Brasilien, bevor sie von 2006 bis 2005 ihr Studium der Theologie in Leipzig und Berlin absolvierte. Dieses unterbrach sie außerdem ein Jahr lang, um nach Neuseeland zu reisen.

Nach dem Studium musste sie elf Monate auf eine Vikariatsstelle warten. Eine Zeit, die sie dazu nutzte, um in Potsdam in einem Pflegeheim zu arbeiten. Das Vikariat, also eine Art Praktikum, dauerte dann mehr als zwei Jahre. Danach hieß es, sich auf eine Pfarramtsstelle zu bewerben. Da ihr Mann zu jener Zeit eine Arbeit in Dresden fand, schickte sie ihre Unterlagen an die brandenburgische wie an die sächsische Landeskirche. Geworden ist es nun Oberschöna-Langhennersdorf. Im Pfarrhaus von Langhennersdorf lebt sie jetzt. Das in Oberschöna ist nicht mehr besetzt. Das hat mit dem Umstrukturierungen im Kirchenbezirk zu tun, die seit dem 1. Januar offiziell geworden sind. "Die Gespräche dazu wurden noch vor meiner Zeit hier geführt", sagt Maria-Theresia Kaiser. "Ich bin schon mit dem Auftrag gekommen, beide Kirchgemeinden zu betreuen." Weshalb die Umstellung für sie bereits mit dem Amtsantritt vollzogen war. Dennoch weiß sie, dass die neue Ordnung eine Umstellung für beide Gemeinden bedeutet. "Für die Oberschönaer ist es am schwierigsten, dass hier nun kein Pfarrer mehr ist", sagt Kaiser. "Wir schauen jetzt genau, was gut war oder ist, und was nicht." Auch wenn es für sie von Anfang an so war und deshalb nicht auffällt, ein Kirchenvorstandsmitglied sagte ihr kürzlich erst, dass ihr Vorgänger deutlich weniger Kilometer mit dem Auto zurücklegen musste. Neben den fünf Oberschönaer Kirchen betreut Kaiser auch noch die in Linda, Seifersdorf und Reichenbach.

Eine Aufgabe im vergangenen Jahr für die neue Pfarrerin war es, in die Abläufe hineinzufinden. "Die andere war das Kennenlernen", meint sie. "Ich wollte auf keinen Fall hierher kommen und nun alles anders machen, also musste und muss ich herausfinden, was den Menschen hier wichtig ist."

Häufig stelle sie die Frage, wie denn dieses oder jenes ablaufe. Nach der Antwort meine sie dann oft, dass das sehr gut so weiter gemacht werden kann. "Warum etwas ändern, wenn es funktioniert?" Kaiser versucht, sich zu kümmern, zuzuhören. Doch sei das auch ein Spagat, denn viel zu schnell vergehe die Woche und am Freitag stelle sie fest, dass für den Sonntag nichts vorbereitet ist. "Ich bin immer noch dabei, ein Zeitmanagement zu entwickeln, das passt", sagt sie lächelnd. "Doch im September kamen wöchentlich zwei Unterrichtsstunden an der Oberschule Halsbrücke dazu, und das hat gleich wieder alles umgeworfen."

Wenn sie nach vorn blickt, dann sieht sie als wichtigste Aufgabe an, dass die Kirchgemeinden sich kennenlernen. Für Himmelfahrt ist ein Gemeindefest an der Langhennersdorfer Kirche geplant. Es gibt einen gemeinsamen Gemeindebrief, und bereits im vergangenen Jahr wurden die Konfirmanden und die Christenlehre zusammengelegt. "Vielleicht kann aus all dem ja das eine oder andere Neue entstehen", so Kaiser. Ihr selbst schwebe die Einführung eines Abendgottesdienstes vor, der einmal im Quartal abgehalten werden könnte.

Eine weitere Aufgabe ist die Erhaltung und Sanierung der Kirchen. Die in Langhennersdorf ist im Innenraum in einem beklagenswerten Zustand. Um Geld für die dringend nötigen Arbeiten zu akquirieren, nahm ein Team der Kirchgemeinde sogar an einem Wettbewerb der TV-Sendung "Mach dich ran" des MDR teil, den man leider nicht gewinnen konnte. Ein ungewöhnlicher Weg, den Maria-Theresia Kaiser gemeinsam mit ihren Mitstreitern beschritten hat. Doch nur die eine Kirche ist es nicht, die Hilfe benötigt. "Auch die in Oberschöna hat im Inneren große Baustellen", meint Kaiser. Es liegt also noch viel Arbeit vor ihr.


Nur noch 6 Kirchgemeinden

Bis zum 31. Dezember 2019 gab es in der Region, die von Hetzdorf bis Oberschöna und von Großschirma bis zum Südrand Freibergs reicht, insgesamt 15 Kirchgemeinden. Daraus wurden durch sogenannte Fusionsverträge sechs. In diesem Rahmen gibt es seit 1. Januar die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde am Dom Freiberg, zu der Kleinwaltersdorf, die Domgemeinde Freiberg und Großschirma gehören. Ab 2. Januar 2021 werden die sechs verbliebenen Gemeinden unter dem Dach eines Kirchgemeindebundes näher zusammenrücken. So wurden alle Kirchgemeinden von Bobritzsch-Hilbersdorf zu einer zusammengefasst, ebenso vereinigten sich drei Gemeinden von Halsbrücke. Langhennersdorf ging mit Oberschöna zusammen. (wjo)


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