Kampf um Punkte und Kohle

Der Fußball-Drittligist FSV Zwickau ringt derzeit an zwei Fronten. An der wirtschaftlichen, um eine Lücke von gut 555.000 Euro im laufenden Etat zu schließen. An der sportlichen gegen den Abstieg.

Zwickau.

Fußballprofi Julius Reinhardt hat seinen Humor noch nicht verloren. Dabei erlebt der 30-Jährige beim FSV Zwickau, der am Montagabend 19 Uhr ein ganz wichtiges Duell gegen Mitabstiegskandidat Sonnenhof Großaspach bestreitet, gerade ein unliebsames Déjà-vu. Reinhardt, im Nachwuchs des VfB Fortuna Chemnitz und des CFC groß geworden, heuerte seit 2010 bei Eintracht Braunschweig, Kickers Offenbach, in Heidenheim und danach wieder beim Heimatverein CFC an. Bei zwei Stationen besaßen seine laufenden Verträge plötzlich nur noch Altpapierwert. Durch die jeweilige Insolvenz der Vereine und wie in Chemnitz den einhergehenden Abstieg stand Reinhardt plötzlich ohne gültiges Arbeitspapier da.

So weit ist es aktuell beim FSV Zwickau, den im laufenden Etat ein Loch von 555.000 Euro plagt, noch nicht. Doch die nicht ganz ernst gemeinte Frage, ob die Finanzkrisen Ausdruck seiner geschickten Gehaltsverhandlungen seien, muss sich der gebürtige Karl-Marx-Städter schon mal gefallen lassen. "Das liegt sicher nicht an meinem Lohnzettel", sagt Reinhardt und schmunzelt: "Nachdem ich das erste Mal in Offenbach betroffen war, habe ich mir noch gesagt: So schnell muss ich das nicht wieder haben ..."

Aber weil es eben auch im Fußballerleben mitunter anders kommen kann, als man denkt, musste sich Familienvater Reinhardt auch im Vorsommer nach dem bitteren Abstieg der Himmelblauen neu orientieren. Beim Nachbarn in Zwickau fasste er sofort Fuß, entpuppte sich bisher als bester Neuzugang der Rot-Weißen. Bis auf die Heimpartie gegen Kaiserslautern (1:1), in der Reinhardt nach 61 Minuten gelbbelastet ausgewechselt wurde, stand der Mittelfeldmann in allen 17 Saisonspielen über die volle Zeit auf dem Platz. Seine kämpferische Art, Fußball zu arbeiten, passt zum Zwickauer Stil, wobei er auch die filigrane Variante kann. Mit einem guten Auge erzielte Julius Reinhardt das sehenswerte Tor aus der Distanz zum 1:0 in Würzburg, das ihn in die Auswahl zum "Tor des Monats" im MDR-Fernsehen brachte. Es war sein zweiter Saisontreffer nach dem Tor einen Spieltag zuvor gegen Unterhaching (2:2). Und es soll nicht das letzte in dieser Spielzeit sein.

Dass der Offenlegung der Finanzsorgen beim FSV am vergangenen Samstag die schlechteste Halbzeit der Saison bei den Münchner Löwen folgte, wertet Reinhardt nicht in einem Zusammenhang. Auch wenn die angespannte Lage "nicht schön" und "sicher auch im Hinterkopf" sei, "darf das nicht an unserer Leistung rütteln. Das Thema wird uns ja noch weiter begleiten, kann also nicht bis Sommer die Ausrede sein." Schon gegen Großaspach erwartet Reinhardt eine Reaktion. Kapitän Toni Wachsmuth kehrt nach seinem Magen-Darm-Infekt als Abwehrchef zurück. Ein Sieg wäre extrem wichtig in der schwierigen Lage, um den Maßnahmen zur Schließung der Finanzlücke noch einen Schub zu verpassen. Zudem folgen vor der Winterpause nur noch zwei Auswärtsspiele in Münster und Halle.

In dieser Woche präsentierte der FSV den Medienvertretern die ersten Fans, die für 99 Euro ihren Namenszug auf dem Mannschaftsbus verewigen wollen. 60.000 Euro erhofft sich der Verein durch die Aktion, sagt FSV-Geschäftsführer Christian Breiner. Er war, als die Planung für die Profimannschaft mit 2,0 Millionen Euro in den Lizenzunterlagen angegeben und später auf 2,6 Millionen Euro "überzogen" wurde, noch nicht im Amt: "Ich hätte es aber genauso gemacht. Es war die einzige Chance, wettbewerbsfähig zu sein", so Breiner: "Es wird spannend, ob sich ganz Zwickau zur 3. Liga bekennt. Wir können es nur gemeinsam schaffen." Deshalb hat der Verein die Rettungsaktion auch "Alle(s) für Zwickau" genannt. Zunächst aber musste der FSV bis zum Nikolaustag dem DFB neun Fragen bezüglich seiner Planansätze im Saisonetat beantworten. In den nächsten Tagen wird der Verband mitteilen, ob der Klub mit der aufgeführten Summe von 555.000 Euro Defizit in den geplanten Einnahmen und Ausgaben richtig liegt und welche Auflagen bis Ende Januar 2019 zu erfüllen sind.

Am Montag gastiert aber erst einmal die SG Sonnenhof in Zwickau. Im hiesigen Stadion im Stadtteil Eckersbach feierte der FSV vor fast vier Monaten, genau am 11. August, seinen letzten Sieg - und zwar mit 1:0 gegen Fortuna Köln. Damals war's noch schön warm, und Zwickau stand auf Platz fünf der Tabelle.

Voraussichtliche Aufstellung

FSV: Brinkies - Barylla, Wachsmuth, Antonitsch - Frick, Reinhardt - Schröter, Könnecke, Lange - König, Lauberbach. Gesperrt: Kartalis.

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