Wenn Linksfüße mit rechts treffen

Endlich wieder Fans zum Fußball in Zwickau! Nach dem 2:1-Erfolg zum Auftakt gegen Unterhaching sprach FSV-Trainer Joe Enochs vom "zwölften Mann", der die Mannschaft zum Sieg pushte. Nicht nur wegen der drei Punkte machte das Spiel Lust auf mehr.

Zwickau.

Als der erlösende Schlusspfiff von Schiri Florian Lechner ertönte, sank Zwickaus Neuzugang Marco Schikora auf die Knie und schickte ein Stoßgebet gen Himmel. Der FSV-Verteidiger dankte dem Fußballgott, dass sein Foul an Lucas Hufnagel nach gut einer Stunde letztlich ohne böse Folgen geblieben war. Nach der Aktion hatte Dominik Stroh-Engel den fälligen Strafstoß zum 1:1 verwandelt. Schikoras Lapsus hätte beim Saisonstart zur lästigen Spaßbremse werden können. Erst recht, wenn Hachings Auffälligster, Felix Müller, in der 79. Minute nicht freistehend im Fünfmeterraum über den Ball gesäbelt und zum 2:1 getroffen hätte.

Doch es kam alles anders. In der Hachinger Hälfte schlug nach dem 1:0 durch Felix Drinkuth (40.) ein weiterer Neuzugang der Schwäne zu: Der unmittelbar vor dem Gegentor eingewechselte Manfred Starke nahm sich in der 88. Minute aus 20 Metern ein Herz und drosch das Leder - ohne beim Schuss gehindert zu werden - in die Maschen. Keeper Nico Mantl hatte den an sich haltbaren Ball wohl zu spät gesehen, um den Knock-out zu verhindern. Starke war's egal: "Rechts ist ja nicht gerade mein Paradebein. Umso schöner, dass es geklappt hat. Auf diese Leistung können wir aufbauen. Wir hatten gute und schlechte Momente im Spiel. Am Ende ist es schön, die drei Punkte zu haben."

Und das war beileibe nicht das einzige Schöne an diesem Nachmittag in der GGZ-Arena, in der erstmals seit dem 29. Februar des Jahres - damals sahen 4166 Besucher das 1:2 gegen Würzburg - wieder Zuschauer zugelassen waren. 2621 Fans erlebten die Auftaktpartie in dieser fünften Drittligaspielzeit in Serie für den FSV. Und nach den Worten von Trainer Joe Enochs war dies wichtig. Gerade nach dem 1:1-Ausgleich, als sich die Rand-Münchner psychologisch im Aufwind befanden, ging - gepusht von den Rängen - ein Ruck durch die Mannschaft. "Das Publikum war wieder mal unser zwölfter Mann und hat uns geholfen, dass wir doch noch gewonnen haben" sagte Joe Enochs.

Geholfen hat sicher auch, dass der Coach im Verbund mit Sportdirektor Toni Wachsmuth offenbar ein gutes Händchen bei den Neuzugängen bewiesen hat. Ein Urteil ist freilich nach einem Spieltag nicht möglich. Doch die Neuen, mit Schikora, Drinkuth, DustinWillms und Jozo Stanic vier in der Startelf, hinterließen einen guten ersten Eindruck. Neben Siegtorschütze Starke gefiel vor allem Willms, der neben Ronny König im Angriff, ohne lange zu fackeln, sein Glück versuchte. Für seinen Fallrückzieher gab es Szenenapplaus und eine bewundernde Mimik seines Trainers. Auch König lobte seinen neuen Sturmpartner: "Er ist agil und ein bodenständiger Typ, der noch dazulernen will. Das lässt sich gut an", so der 37-Jährige.

Dem Routinier blieb natürlich nicht verborgen, dass zum Auftakt noch nicht alles rund lief. Dass sich alle Neuzugänge aber gut integriert haben, stimmte "King" optimistisch für die schwere Aufgabe, die schon am Samstag in Duisburg ansteht. Bereits sechs der acht Neuen kamen gegen Haching zum Einsatz. Bastian Strietzel und Yannik Möker hätten womöglich auch eine Rolle gespielt, sie fehlten aber verletzungsbedingt.

Umso besser lief es für Drinkuth und Starke mit ihrem Tor beim Debüt im neuen Trikot. Kurioserweise verkörpert auch Drinkuth einen ausgesprochenen Linksfuß, erzielte aber den ersten Saisontreffer des FSV mit rechts: "Ich dachte, dass ich das rechte Bein nur habe, um nicht umzufallen. Mir blieb in der Situation aber gar nichts anderes übrig, als mit rechts zu schießen." Das war auch gut so. Denn Drinkuth hatte zuvor seinen besser postierten Nebenmann Morris Schröter ignoriert und selbst per Distanzschuss nicht getroffen. Beim 1:0 reagierte der 25-Jährige schnell. Als die Hachinger noch auf Foul und Freistoß plädierten, schob Drinkuth cool ein. Auch Starke blieb kurz vor Ultimo keine andere Wahl, als mit rechts abzudrücken. Enochs war es letztlich egal, wie der Ball ins Tor fand. "Wichtig ist, dass die Jungs am 16er den Abschluss suchen, wenn sich die Möglichkeit bietet", sagte er und stellte das Ergebnis über alles: "Es war ein perfekter Saisoneinstand, aber es war nicht alles perfekt."


Probleme mit Tickets: Zuschauer-Obergrenze nicht erreicht

Die neuen Hygienebestimmungen für die Heimspiele wurden laut Jörg Schade, Leiter Spielbetrieb beim FSV Zwickau, in der Auftaktpartie gut umgesetzt. Diese erste Rückmeldung bekam Schade von den zuständigen Ämtern (Gesundheit, Ordnung), die am Sonnabend entsprechende Kontrollen in der GGZ-Arena durchführten.

2621 Besucher kamen zum ersten Heimspiel. "Es waren alle anständig und haben sich weitestgehend an die Vorgaben gehalten", sagte Schade auf Anfrage. Die Zuschauer ließen sich auf die Maskenpflicht im Stadion (außer am Platz), die Ausweiskontrolle am Einlass, einen umsichtigen Toilettengang und Abstandsregeln in der Bratwurstschlange ein.

Dass die Obergrenze der Zuschauerzahl, die für diese Partie bei 3606 lag, nicht erreicht wurde, lag wohl mit an Problemen beim Ticketing. Zum einen streikten die Drucker in der Geschäftsstelle. Hinzu kam, dass die Zeitspanne vom Verkaufsstart am Ende knapp wurde. "Weil wir Mitgliedern beim Kauf Vorrang einräumen, dauert es eine Weile, bis wir alles geprüft haben, wer unserem Verein angehört und auch nicht im Beitragsrückstand liegt", sagte Jörg Schade.

Vor dem nächsten Heimspiel am 3. Oktober gegen 1860 München wolle man die Abläufe weiter optimieren, so Schade. Dann könnten vielleicht noch mehr Fans Fußball live erleben und den FSV unterstützen. (tp)

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