Altes Abfallsystem wird entsorgt

Im Vogtland sollen alle Haushalte Müllbescheide erhalten. Neu sind auch die Biotonne für alle und Sperrmüll-Schecks.

Oelsnitz/Klingenthal.

Die Müllentsorgung im Vogtlandkreis steht vor ihrem größten Umbruch seit den 1990er Jahren. Geht es nach dem Willen des Abfallwirtschaftsausschusses, sollen ab Januar 2019 alle Haushalte Müllbescheide erhalten - bisher waren es die Hauseigentümer. Statt des antiquierten Banderolensystems, das es außerhalb Plauens gibt, kommt die Müllerfassung mit Transponderchips im 21. Jahrhundert an. Flächendeckende Biotonne, Sperrmüll-Schecks - das sind nur einige der neuen Schlagworte.

Dem Kreistag, so heißt es aus dem Landratsamt, soll das Paket am 6. April zum Beschluss vorgelegt werden. Im Dezember hatte der Kreistag bereits einer umstrittenen deutlichen Anhebung der Müllgebühren ab Januar 2017 zugestimmt.

Gebührenpflicht: Bisher werden Abfallgebühren von Hauseigentümern kassiert, die sie wiederum auf ihre Mieter umlegen. Dies hatte Ende 2016 auch der Kreistag als eine Prämisse gefordert. Doch der Abfallausschuss empfiehlt dem Kreistag nun, "als Gebührenschuldner die Haushalte heranzuziehen". Das heißt: Künftig soll - verursachergerecht - jeder Haushalt im Vogtland einen Müllbescheid bekommen.

Hausmüll/Restmüll: Plauens bisheriges Pauschalsystem verschwindet ebenso wie das veraltete Banderolensystem im Kreis. Ersetzt wird beides durch verursachergerechte Entsorgung und genaue Erfassung der Leerungen mittels Transponderchips in den Mülltonnen. Die neuen Behälter sollen von der kreiseigenen Firma KEV geliefert werden.

Biomüll: Flächendeckend wird die Biotonne eingeführt. Vorgesehen ist jedoch eine Befreiungsmöglichkeit für jene Vogtländer, die Bioabfall kompostieren und den Kompost auf ihrem Boden verwerten können.

Müllabfuhr: Grundsätzlich wird 14-tägige Leerung angeboten. Ausnahmen sind für Großwohnanlagen geplant. Künftig gelten beim Hausmüll mindestens vier und beim Biomüll sechs Pflichtleerungen im Jahr.

Schadstoffe/Elektronik: Das Schadstoffmobil soll im gesamten Kreisgebiet zum Einsatz kommen. Das Netz an Containern für Kleinelektronik-Schrott wird auf Plauen ausgeweitet werden, heißt es. Elektro-Großgeräte sollen flächendeckend abgeholt werden. Die Entsorgung sei auch in den vier Wertstoffhöfen Plauen, Oelsnitz, Falkenstein und Schneidenbach möglich.

Sperrmüll: Zur Entsorgung soll es sogenannte Sperrmüll-Schecks geben. Was das bedeutet, bleibt in der Erklärung des Landratsamtes offen.

Während vieles im Umbruch ist, bleibt sich die Kreisbehörde mit ihrer schleppenden Öffentlichkeitsarbeit treu. Landrat Rolf Keil (CDU) hatte Transparenz versprochen und angekündigt, Beteiligte und Betroffene in die Diskussion einzubeziehen. Doch nach der wegweisenden Sitzung des nichtöffentlich tagenden Müllausschusses dauerte es eine Woche, ehe seine Pressestelle eine Erklärung an alle Medien herausgab - just nachdem die "Freie Presse" nachgefragt hatte, was denn die von Keil versprochene Prüfung der Müllgebühren durch seinen Controller ergeben hat. Interims-Pressesprecher Dieter Krug zum zeitlichen Zusammenhang: "Das ist purer Zufall."

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