Dorfgeschichten: Die Puzzlearbeit hat sich gelohnt

Das "Erlbacher Heimatbuch" von Helmuth Eßbach hat sich zu einem Bestseller im oberen Vogtland entwickelt. Der Autor hat deshalb schon weitere Pläne.

Erlbach.

Das Studierstübchen von Helmuth Eßbach in Erlbach misst nur wenige Quadratmeter und der Platz schrumpft noch mehr durch die Regale, die an den Wänden vom Boden bis zur Decke reichen. Prall gefüllt sind sie mit einer Unmenge akkurat beschrifteter Ordner zu bestimmten Themen und Bücher als Sekundärliteratur. Der Erlbacher muss sich also schmal machen, sitzt er am Schreibtisch vor seinem Computer. Er ist das Herz seiner Arbeit. Der 73-Jährige zählt nicht die Stunden, die er im Studierstübchen liest und schreibt. Er will sie auch nicht zählen, denn auf das Ergebnis kommt es dem Ortschronisten an.

Eine Puzzlearbeit, denn durch den Brand im Eubabrunner Rittergut 1860 sind sehr viele Akten vernichtet worden, und Helmuth Eßbach recherchiert unter anderem im Staatsarchiv Dresden, dessen Außenstelle Chemnitz, in Kirchenbüchern und im Kreisarchiv auf Schloss Voigtsberg, sammelt Fakten, Namen und Zusammenhänge, stellt Querverbindungen her. "Im Laufe der Jahrzehnte sind weit über 400 Beiträge entstanden. Nach und nach werden sie in Buchform herausgebracht", sagt Helmuth Eßbach, ohne sich dabei selbst auf die Schulter zu klopfen. Die Geschichte seines Heimatortes, vor allem die damit verbundene Volkskunde und der Lebensalltag der Menschen sind seit jeher seine Leidenschaft. Er behält sie nicht für sich.

Christoph Ulrich

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Das jüngste, 222 Seiten umfassende Werk von Helmuth Eßbach, herausgegeben vom Heimat- und Geschichtsverein, heißt schlicht "Erlbacher Heimatbuch".

Es ist seit seinem Erscheinen Ende des vergangenen Jahres zum vogtländischen Bestseller geworden. Unlängst musste eine zweite Auflage in der Druckerei geordert werden. Den Erfolg vermutet Helmuth Eßbach darin, dass ihm einerseits ein goldener Mittelweg zwischen Texten und historischen Fotos gelungen ist. Andererseits erkennen sich Erlbacher, Einwohner aus den Ortsteilen oder sogar weit darüber hinaus in dem Buch wieder. Zweitens und nicht unwichtig: Die Beiträge sind nicht in wissenschaftlicher Form verfasst, sondern verständlich geschrieben. Und ein dritter Pluspunkt: Der Autor lässt sich nicht von einer Chronologie führen, sondern ihm kam es auf ein möglichst breites Spektrum an Themen und Geschichten aus der Ortshistorie an. So etwa vereint das "Erlbacher Heimatbuch" beispielsweise Beiträge wie "Das Forsthaus in der Landesgemeinde", "Über die Entstehung von Familien- und Unterscheidungsnamen", "Der Brand des Eubabrunner Rittergutes", "Auch in Erlbachs Tälern heulten einst die Wölfe und brummten Bären", "Das Gopplasgrüner Steinkreuz", "Zur Geschichte des Gasthauses 'Zum Gottlieb' in der Landesgemeinde" oder "Brandprozess und Hinrichtung des Fronhäuslers Christian Friedrich Sporn aus Erlbach".

Angesichts der Fülle des Materials und der Themen, die Helmuth Eßbach noch vorbereitet hat, verwundert es nicht, dass dem ersten Band ein zweiter folgen wird. Er soll auch wieder interessante, so noch nicht bekannte Geschichten enthalten, beispielsweise zu Erlbacher Hebammen. Wann die Fortsetzung herauskommt? Helmuth Eßbach zuckt mit den Schultern: "Keine Ahnung. Ich mache mir keinen Druck."

Band 1 vom "Erlbacher Heimatbuch" ist in der Buchhandlung Markneukirchen und in der Touristinformation Erlbach für 16 Euro erhältlich.

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