Ende der Stallpflicht: Hühner dürfen wieder raus

Züchter können aufatmen: Seit gestern ist das flächendeckende Einsperren des Geflügels in Sachsens vorbei, mit der viele Vogtländer gehadert haben.

Theuma/Tirpersdorf.

Den Geflügelzüchtern und -haltern im Vogtland war die Anspannung anzumerken, als sie am Donnerstagabend in den Landgasthof Zwoschwitz kamen. Der Kreisverband der Rassegeflügelzüchter Plauen hatte zum Fachverband über Geflügelkrankheiten eingeladen. Kreis-Veterinäramtsleiterin Anne Mütschard sagt ihre Teilnahme ab - nach Aussagen des Kreisverbandsvorsitzenden Uwe Weiß begründete sie es damit, dass sie Einladung zu spät erhielt.

Auch wenn seit gestern die flächendecke Stallpflicht in Sachsen aufgehoben ist, wie zuvor schon in Bayern und Thüringen - die Praxis der Behörden beim Umgang mit der Ausbreitung des Vogelgrippe-Virus im November passt vielen Züchtern aus dem gesamten Vogtland gar nicht. Unter ihnen Matthias Knoll. Der Theumaer Zuchtwart vom Kreisverband Plauen ist wie viele andere Geflügelfreunde sagt: "Es liegen keinerlei fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse vor, der die Übertragung des aggressiven Virus von Zugvögeln auf Rassegeflügel belegt." Genau das bringt die Züchter im Vogtland auf die Palme. "Von den Veterinärmedizinern wünschen wir uns, dass sie künftig mehr praxisbezogene Entscheidungen treffen." Der Zuchtwart fordert eine zeitlich begrenzte Aufstallungspraxis. Seiner Meinung nach sollten beim Auftreten des Virus die Stallpflicht nur im betroffenen Gebiet und nicht generell landesweit gelten.

In den vergangenen Monaten seien die Tiere enormen Stress ausgesetzt gewesen. Probleme habe es etwa bei der Stall-Hygiene gegeben. "Durch die Stallpflicht sind mehr Tiere verendet als durch die Vogelgrippe." Aus seiner Sicht sei Rassegeflügel grundsätzlich anders veranlagt als Wirtschaftsgeflügel. Das beträfe auch die Nachzucht. Im Stall sei das Fortpflanzungsverhalten von Rassegeflügel enorm beeinflusst.

Joachim Prager sieht es genauso. "Das Rassegeflügel hat meiner Meinung nach ein ganz anderes Immunsystem. Der Tirpersdorfer kennt sich aus. "Seit meiner Kindheit beschäftige ich mit Rassegeflügel." Viele abgesagte Ausstellungen mache vielen Züchtern zu schaffen. Nach 2006 und 2014 war das die dritte Vogelgrippe-Welle. "Geht das so weiter machen viele Schluss." Er habe schon deutliche Signale in dieser Richtung vernommen. Zu befürchten sei das Verschwinden seltener Rassen. Verwunderung gab es darüber, dass die strengen Bestimmungen auch für Tauben galten. "Da gab es noch nie einen Vogelgrippefall." Nach Informationen von Referent Roland Küblböck vom sächsischen Geflügel-Gesundheitsdienst sei das Vogtland in Sachen Geflügelpest glimpflich weggekommen. "Es gab nur zwei positive Fälle." Deutschlandweit seien bei 1217 Wildvögeln der Virus festgestellt worden. "Das hatten wir noch nie so massiv."

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