Heimat trauert um Sigmund Jähn

In der DDR war er ein Volksheld - für ganz Deutschland ein Vorbild. Und in Morgenröthe-Rautenkranz wird man den "Sig" nie vergessen.

Muldenhammer.

Morgenröthe-RautenkranzDer plötzliche Tod von Sigmund Jähn hat große Betroffenheit und Anteilnahme ausgelöst. Der erste Deutsche im All war überraschend am Samstag im Alter von 82 Jahren in Strausberg verstorben, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt am späten Sonntagabend mitgeteilt hatte.

Besonders groß war die Trauer am Montag im Vogtland. In Morgenröthe-Rautenkranz war Jähn am 13. Februar 1937 zur Welt gekommen. "Er war immer Einer von uns, zurückhaltend und bescheiden", sagte Bürgermeister Jürgen Mann. Er selbst hatte erst am Morgen aus der "Freien Presse" vom Tod des 82-jährigen Weltraumpioniers erfahren. Als Geburtsort werde Morgenröthe-Rautenkranz in jedem Fall an seinen Ehrenbürger erinnern, sagte der Bürgermeister. Gemeinsam mit der Familie Sigmund Jähns wolle man jetzt absprechen, wie ein solches Erinnern aussehen könne.

Groß ist die Trauer auch in der Deutschen Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz. Der Einrichtung war Jähn zeitlebens eng verbunden, arbeitete über viele Jahre im Vorstand des Vereins mit. "Erst Mitte des Monats habe er noch Gäste durch die Ausstellung geführt und dabei nicht anders gewirkt als bei seinen sonstigen Besuchen", erinnerte sich die Leiterin der Deutschen Raumfahrtausstellung, Romy Mothes. Das Museum legte ein Kondolenzbuch aus, das von zahlreichen Besuchern für Einträge genutzt wurde. Auch im Chemnitzer Kosmonautenzentrum, das den Namen des ersten deutschen Raumfahrers trägt und oft von ihm besucht worden war, kann man sich in ein Kondolenzbuch eintragen.

"Sigmund Jähn war ein bescheidener, sehr intelligenter Mensch, der sich nie in den Vordergrund gedrängt hat. Er war bodenständig und ist immer einer von uns geblieben", so erinnert sich Konrad Stahl, von 1990 bis 2009 Bürgermeister von Morgenröthe-Rautenkranz und langjähriger Vorstand des Trägervereins der Raumfahrtausstellung, an den Raumfahrer. Sigmund Jähn ist für Konrad Stahl der Mann, der seinen Heimatort in der Welt bekannt gemacht hat. Dabei sei es nie um seine Person gegangen, sondern darum, dass die Raumfahrtausstellung eine Zukunft hat, um weiterhin die Besucher über die Erforschung des Weltalles informieren zu können.

Vertreter aus Politik und Forschung würdigten Jähn als herausragende Persönlichkeit und Brückenbauer zwischen Ost und West. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb: "Mit Sigmund Jähn verlieren wir einen wundervollen Menschen und eine herausragende Persönlichkeit in der Geschichte der Raumfahrt." Durch seine Leistungen als Wissenschaftler und als Botschafter der Raumfahrt habe er einen bedeutenden Beitrag für die Zukunft der Erde geleistet. "Wir trauern um einen Mann, der sich um unser Land in herausragender Weise verdient gemacht hat." Die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Pascale Ehrenfreund, würdigte ihn als "weltweit anerkannten Kosmonauten, Wissenschaftler und Ingenieur". Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) erklärte, mit seiner bescheidenen, bodenständigen Art und seinem Raumflug sei Jähn "eine Identifikationsfigur für viele Ostdeutsche" gewesen. Er habe "heldenhaftes geleistet und wollte doch nie ein Held sein". (tm/dpa/epd)

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