Hochwasser im oberen Vogtland: Zum Jahrestag noch viel zu tun

Am 24. Mai 2018 heulten in der Region die Sirenen: Binnen weniger Stunden hatte anhaltender Starkregen große Schäden verursacht. Wie steht es um deren Beseitigung? "Freie Presse" fragte die Bürgermeister von Oelsnitz, Adorf und Bad Elster.

Bad Elster/Adorf/Oelsnitz.

Die Bilder sind den meisten Menschen in der Region noch sehr präsent: Wasser schießt von den Feldern ins Tal und richtet schwere Schäden an. Die Weiße Elster verwandelt sich binnen Stunden von einem friedlichen Flüsschen in einen reißenden Strom. Menschen müssen mit Booten gerettet werden. Viele verlieren Hab und Gut. Genau ein Jahr ist diese Katastrophe am heutigen Freitag her. Viele Schäden wurden zwischenzeitlich behoben, vieles wird gerade erledigt, einiges steht noch auf der Vorhabenliste. "Freie Presse" hat in den Rathäusern der drei am schlimmsten betroffenen Städte - Bad Elster, Adorf und Oelsnitz - nachgefragt.

Bad Elster: Seit April läuft die Beseitigung von Schäden in Mühlhausen und Sohl an Straßen, Wegen und Durchlässen. Das Bauvolumen beläuft sich auf rund eine Million Euro. Die Arbeiten dauern bis zum Herbst. "Aber auch die Brücke über den Rauner Bach in Mühlhausen mit einem Kostenrahmen von rund 500.000 wird neu errichtet. Hierfür wurden bereits die Planungsleistung vergeben", informiert Bad Elsters Bürgermeister Olaf Schlott (Unabhängige Bürgerschaft). Größte Einzelmaßnahme nach dem Hochwasser: Der Ersatzneubau des stark in Mitleidenschaft gezogenen Feuerwehrhauses in Mühlhausen für etwa 750.000 Euro. "Der Bauantrag wurde gestellt und die Fördermittelzusage steht noch aus", so Schlott. Als Erkenntnis aus dem Hochwasser erhält das Feuerwehrdepot auch einen neuen Standort. Das jetzige Gebäude steht unmittelbar am Rauner Bach - mit den bekannten Folgen. Weitere Erkenntnis: "Die intensive Verzahnung unseres Bauhofes mit der Feuerwehr hat sich als sehr positiv herausgestellt", sagt Schlott. "Darauf wollen wir weiter aufbauen. Die Kameraden unserer drei Ortswehren haben sich bereits intensiv mit Optimierung der Vorkehrungen für die Hilfeleistung im Fall eines erneuten Hochwassers vorbereitet."


Adorf: Derzeit sind die ersten größeren Schadensbeseitigungen im Gange, etwa der Bau der Leubethaer Straße in Freiberg, informiert Adorfs Bürgermeister Rico Schmidt (SPD). In Vorbereitung befindet sich der Bau der Fußgängerbrücke am Stadion. Anfang Juni soll es hier losgehen. Weitere Straßenbaumaßnahmen sollen noch in diesem Jahr erfolgen. Auch für 2020 und 2021 bleiben Aufgaben. Mit der Feuerwehr wurde das Hochwasser ebenfalls gründlich ausgewertet. "Gefunden wurden markante Punkte welche zuerst mit Sandsäcken zu schützen sind", so Schmidt. "Gegebenenfalls wird noch über die Anschaffung weiterer Schutzmittel nachgedacht. Einen hundertprozentigen Hochwasserschutz wird es bei solchen Ereignissen leider nicht geben", ist Schmidt überzeugt.

Oelsnitz: Maßgebliche Arbeiten waren die Wiederherstellung von ausgespülten Straßen, Banketten und Straßenrändern sowie Seitengräben in der Stadt und den Ortschaften. "Besonderes Augenmerk galt ebenso der Wiederherstellung betroffener Bachläufe, hier insbesondere der Dorfbach in Oberhermsgrün und der Lauterbacher Dorfbach in Oelsnitz", so der Oelsnitzer OB Mario Horn (CDU). Darüber hinaus seien umfangreiche Reinigungen der Durchlässe und Tageswassereinläufe sowie Kanalspülungen durchgeführt worden. Kosten: 243.000 Euro. Weitere 120.000 Euro fließen bis Jahresende in den Straßenbau. "Darunter fällt zum Beispiel der Felsabtrag und die Hang- sicherung an der Finkenburgstraße", so Horn. Sein Fazit aus baulicher Sicht: Die Kontroll- und Reinigungsintervalle von Durchlässen, Bergeinläufen und Entwässerungsrinnen müssen verkürzt werden, um einen erhöhten Wasserabfluss zu gewährleisten. Auch Lehren für die Zukunft wurden gezogen. Ein koordiniertes Zusammenwirken zwischen Einsatzkräften und der Verwaltung sei besonders wichtig, betont der OB. Es bestehe für die Bevölkerung ein hoher Bedarf an Informationen. "Für die Zukunft ist die Einsetzung eines Koordinators vor Ort notwendig." Zudem ist geplant, eine große Schmutzwasserpumpe und eine transportable Lautsprecher- und Sirenenanlage anzuschaffen. Ein Notstromaggregat steht seit vorigen Jahr im Feuerwehrgebäude bereit. 12.000 ungefüllte Sandsäcke hat die Stadt vorrätig. Horn: "Die Ereignisse 2018 haben wieder einmal gezeigt, dass die Unterhaltung einer gut ausgebildeten und gutausgerüsteten Feuerwehr lebenswichtig ist."

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