Nächtliche Arbeit für das tägliche Brot

MEIN TRAUMBERUF Etwas mit den eigenen Händen herstellen, das andere wertschätzen. Das motiviert Tobias Bache. In einer Serie stellt "Freie Presse" junge Vogtländer mit bodenständigen Tätigkeiten vor, die man in der Region erlernen und ausüben kann. Heute: Bäcker.

Oelsnitz.

Der Plauener Tobias Bache hat seinen Traumberuf erlernt. Er ist Bäcker, beendete in diesem Jahr seine Ausbildung bei Wunderlichs Backstuben in Oelsnitz. Danach hat ihn der Familienbetrieb fest eingestellt.

Aus seiner Sicht hat er es mit diesem Beruf nicht besser treffen können. "Diese Arbeit erfüllt mich total. Es macht mir große Freude, mit Backwaren zu arbeiten und dadurch etwas mit meinen eigenen Händen herzustellen, was einen gewissen Mehrwert hat. Es ist eine Arbeit von der Hand in den Mund", so der 20-Jährige. "Wenn die Leute es wertschätzen, dass sie durch unser Bäckerhandwerk anständig ernährt werden, ist das ein tolles Gefühl", erklärt der junge Mann. Dass der Beruf des Bäckers genau sein Ding ist, war zum Ende der Schulzeit gar nicht klar. Denn es stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest, in welche berufliche Richtung es für ihn gehen soll. Erst nach mehreren Praktika in unterschiedlichen Bereichen war klar, dass es der Bäcker sein wird - wohl wissend, dass auf ihn Arbeitszeiten zukommen, die nicht jedermanns Sache sind. "Das Schichtsystem stört mich nicht sonderlich. Ich arbeite sogar am liebsten nachts. Wenn ich 1.30 Uhr anfange, habe ich noch viel vom Tag für mich. Man gewöhnt sich gut daran", so Bache.


Zu seiner täglichen Arbeit zählt unter anderem das Zusammenstellen und Kneten von verschiedenen Teigarten und auch das Planen und Organisieren von diversen Arbeitsabläufen. Laut Geschäftsführer Roman Wunderlich wird sein Schützling in all den Dingen mit einbezogen. "Jetzt, nach der Ausbildung, muss er bei uns auch in gewissen Dingen Verantwortung übernehmen. Es gilt, die jungen Leute auch nach der Lehre zu fördern, damit sie sich weiterentwickeln und sie beispielsweise später mal ihren Meister machen können." Dass Tobias Bache bei Wunderlichs Backstuben Fuß gefasst hat, freut den Chef. "Wir sind froh, ihn zu haben. Er ist eine Bereicherung für uns. Denn auch in der Bäckerbranche ist der Fachkräftemangel spürbar", so Roman Wunderlich.

Wie der junge Bäcker selbst sagt, hat er mit diesem Beruf genau das gefunden, was ihn glücklich macht. Ein wesentlicher Punkt für ihn war dabei, im Vogtland zu bleiben. "Ich bin hier geboren und aufgewachsen, habe Familie und Freunde hier, ich kann mir gar nicht vorstellen, woanders zu leben und nur wegen der Arbeit das Vogtland zu verlassen", erzählt er. "Einige meiner Bekannten und Freunde haben es in anderen Teilen Deutschlands versucht. Sie haben aber Schwierigkeiten gehabt, Leute kennenzulernen und sich ein Umfeld aufzubauen. Dem Ganzen wollte ich mich nicht aussetzen", sagt Tobias Bache.

Auch sein Chef plädiert dafür, dass der Nachwuchs in der Heimat bleibt. "Für jemanden, der seine Heimat liebt, lohnt es sich, hierzubleiben. Denn wir haben im Vogtland ein buntes, gut aufgestelltes Handwerk", meint Wunderlich. Es sei den jungen Menschen wie Tobias hoch anzurechnen, wenn sie sich entsprechend für solche Berufe entscheiden und dem Vogtland erhalten bleiben mit dem, was sie können.


Fakten zum Bäckerberuf

Das Schönste an dem Beruf? "Man schafft etwas mit seinen eigenen Händen und bekommt dadurch ein gewisses Selbstwertgefühl. Wenn das tägliche Brot die Kundschaft zufriedenstellt, ist das ein tolles Gefühl."

Das Schwierigste an dem Beruf? "Man muss jeden Tag den Qualitätsanforderungen gerecht werden. Es herrscht ein großer Anspruch, um die Leute vernünftig zu ernähren und zufriedenzustellen", so Bache.

Wie lange dauert die Ausbildung? Drei Jahre. Tobias Bache hat das erste Lehrjahr bei der Bäckerei Börner verbracht und danach bei Wunderlichs Backstuben ausgelernt.

Was verdient man? Bei Wunderlichs Backstuben geht es bei 1850 Euro brutto los. Hinzu kommen 25 Prozent Nachtzuschlag.

Was muss man können? Sich gut auf unterschiedliche Arbeitszeiten einstellen können und seine Arbeit mit viel Eigenverantwortung durchführen. Außerdem gilt es, verschiedene Maschinen zu bedienen.

Für wen ist der Beruf nicht geeignet? Für Leute, die körperlich eingeschränkt sind, wird es schwierig. Man muss fit in der Backstube sein. Denn die gesamte Arbeitszeit verbringt man im Stehen. (cbert)

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