Wisentatalbahn rollt ins Oberland

Der Musikwinkel-Express feierte am Samstag trotz Coronakrise Premiere. Weitere Fahrtage finden vorerst jedoch nicht statt.

Adorf.

Meistens beginnt es im Kleinen - bei Damian Ott aus Marieney mit einer TT-Bahn. Seit er eine als Kind geschenkt bekam, unzählige Stunden damit spielte und bis heute nicht weggegeben hat, steht für den 16-Jährigen fest, wovon andere Jungen oft nur träumen: "Nach der Schule werde ich Lokführer, nehme eine dreijährige Lehre bei der DB Regio in Erfurt und Leipzig auf. Weil mich Eisenbahn so interessiert, bin ich seit zwei Jahren auch Mitglied im Verein."

Gemeint ist der Förderverein Obervogtländische Eisenbahn (OVEB). Er und der Förderverein Wisentatalbahn mit Sitz in Mühltroff sorgten am Samstag für eine Premiere: Der historische Triebwagen VT 798 592 - er wurde 1956 in Donauwörth gebaut, war im Einsatz bei der Deutschen Bundesbahn, fuhr nach gründlicher Instandsetzung von 1993 bis 1996 bei der Dübener Kreisbahn und fährt seit 2016 bei der Wisentatalbahn - startete als Musikwinkel-Express durch das Obere Vogtland. Abfahrt war um 8.04 Uhr in Schleiz, und die Route führte unter anderem über Plauen und Oelsnitz nach Adorf. Von dort bestand die Möglichkeit für Pendelfahrten im Zwei-Stunden-Takt nach Zwotental. Dass zur Premiere weniger Fahrgäste und Eisenbahnfreunde zustiegen, als es die beiden Fördervereine erhofft hatten, führte der stellvertretende OVEB-Vorsitzende Ingo Penzel darauf zurück: "Viele hatten gedacht, dass die Fahrten wegen der Corona-Situation ausfallen und sind deshalb gar nicht erst gekommen. Das ist schade."

Diejenigen jedoch, die von Adorf aus die Pendelfahrten nach Zwotental nutzten, bereuten ihr Kommen nicht. Karolin Hoyer aus Markneukirchen mit ihren Enkelkindern Liana und Anna, Barbara Schreiner aus Adorf oder Simon Joneit aus Plauen mit den Zwergen Finn und Jasper beispielsweise lösten bei Schaffner Michael Jaculi ein Billett. Betreut und über die Strecke informiert wurden sie während der Fahrt unter anderem von Damian Ott. Gern ließen sie sich von Kai Klause mit einem kleinen Imbiss versorgen. Zugführer Udo Schreiner verriet stolz, dass er 1996 bis 1999 der letzte Lehrling war, der auf der Strecke von Adorf nach Zwotental seine Ausbildung erhielt.

13 Kilometer durch den Musikwinkel - nicht im Expresstempo, sondern ganz gemächlich mit 40 Stundenkilometer durch die Landschaft. Für eine halbe Stunde Zeit zur Entschleunigung. Vorbei an den ehemaligen Bahnhöfen in Siebenbrunn und Markneukirchen mit einem kurzen Zwischenstopp in Gunzen, was nicht nur Mitreisende zum Fotografieren nutzen. Nicht einmal die 230 Meter Höhenunterschied zwischen Adorf und Zwotental machten dem VT 798 592 dank seiner zwei Motoren á 150 PS nichts aus. Wenn der Alltag wieder in normalen Bahnen läuft, könnte diese Tour zu einem Besuchermagneten werden - nach der Coronakrise jeden zweiten Samstag im Monat.


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