275 Sirenen vor ihrer Bewährungsprobe

Was bedeutet der erste bundesweite Warntag am morgigen Donnerstag für die Region? Und was, wenn in der Übungszeit zwischen 11 und 11.20 Uhr tatsächlich ein Ernstfall eintritt?

Plauen.

Erstmals seit der Wiedervereinigung erfolgt am morgigen Donnerstag ein bundesweiter Probealarm von Sirenen. Pünktlich um 11 Uhr ertönt für eine Minute der markante Heulton "Warnung vor einer Gefahr". Der Sirenenton heult dabei alle fünf Sekunden mit kurzen Unterbrechungen neu auf. Die Entwarnung erfolgt 20 Minuten später durch einen Dauerton von einer Minute.

Im Vorfeld informierte Ingo Glaß, Sachgebietsleiter Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt, über den deutschlandweiten Warntag. Er sagt: "Die Bürger sollen das Signal bewusst wahrnehmen." Es gehe um Stärkung des Selbstschutzes bei Unglücks- und Katastrophenfällen. Wie in einem realen Fall seien Radio, Fernsehen, soziale Medien und die Notfall-Informations- und Nachrichten-App (Nina) in den Warntag eingebunden. In der Region informiert in einem Ernstfall das Vogtlandradio alle fünf Minuten über aktuelle Gefahrenlagen. Bei technischen Störungen dort informiert ersatzweise MDR 1 Radio Sachsen.

Falls am Donnerstag im Übungszeitraum tatsächlich ein Katastrophenfall auftritt oder eine Alarmierung per Sirenenton notwendig ist, würden das die Vogtländer natürlich mitbekommen, ist sich Glaß sicher. Die Wahrscheinlichkeit, dass gerade zwischen 11 und 11.20 Uhr ein Unglück Katastrophenalarm auslöst, sei jedoch verschwindend gering, sagt er. Die Nachricht über eine reale Gefahrenlage würde dann aber im Vogtland ebenfalls sofort im Radio, über die Nina-App, soziale Netzwerke oder auf der Internetseite des Vogtlandkreises bekanntgegeben. Auch Lautsprecherdurchsagen durch Polizei oder Feuerwehr seien eine Option. Der Sachgebietschef empfiehlt, die Warn-App nicht erst im Ernstfall auf das Smartphone zu laden. Es könnte sonst passieren, dass eine Anmeldung wegen Überlastung des Dienstes nicht zustande kommt. Nach Informationen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe haben derzeit 7,6 Millionen Nutzer die Nina-App auf ihrem Smartphone installiert. Bereits mit dem Beginn der Coronapandemie sei die Zahl deutlich angestiegen.

Das Katastrophenschutz- und Lagezentrum des Vogtlandkreises befindet sich in Kellerräumen des Landratsamtes. In der Nachrichtenzentrale laufen alle Drähte zusammen. Löst die Rettungsleitstelle in Zwickau für das Vogtland Katastrophenalarm aus, können in den Kellerräumen zwei Koordinierungsstäbe rund um die Uhr im Drei-Schicht-System arbeiten. Unterstützt werden die administrativen und operativen Gruppen dann von den Freiwilligen Feuerwehren Neumark und Plauen. Deren Personal verfügt laut Glaß über entsprechende Ausbildung. Mit den zahlreichen Computerarbeitsplätzen können auch sechs Bildschirme hochgefahren werden: "Bei Gefahr haben wir die Möglichkeit, hier Live-Bilder zu verfolgen", sagt Glaß. So könnten beispielsweise Pegelstände an Gewässern wie Talsperren überwacht werden.

Pro Schicht sind maximal 50 Personen an der Krisenbewältigung beteiligt. Zu dem Stab gehören insgesamt 150 Personen. Bei Stromausfall hält ein Notstromaggregat die Systeme für 72 Stunden am Laufen. In der jüngsten Vergangenheit wurde im Vogtland nur selten Katastrophenalarm ausgelöst - so geschehen bei den Hochwasserereignissen im Juni 2013 und im Mai 2018. Nach Informationen von Glaß wird die Lage jeweils von Experten des Katastrophenschutzes in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern des Landratsamtes beurteilt.

Am morgigen Warntag wird es laut im Vogtland. Nach Informationen von Jens Leistner, Geschäftsführer des Rettungszweckverbandes Südwestsachsen, sind in der Region 275 Sirenen betriebsbereit. Die meisten laufen über Elektromotoren. "Sie können über ein Funksignal einzeln oder zentral angesteuert werden." Zudem stehen fünf mobile Sirenen zur Verfügung.

Nach einem Beschluss der Innenminister-Konferenz findet der bundesweite Warntag künftig jährlich am zweiten Donnerstag im September statt. Der Vogtlandkreis hatte das Warnsignal für den Katastrophenfall bisher zweimal im Jahr erprobt. Von nun an gilt nur noch die bundesweite Regelung.

In Sachsen gibt es insgesamt vier Signaltöne: Immer mittwochs, 15 Uhr, ertönt über zwölf Sekunden eine allgemeine Signalprobe. Bei Feueralarm sind drei Töne im Intervall von je zwölf Sekunden zu vernehmen. Dazu kommt - wie morgen - die Warnung vor Gefahr und der Entwarnungston. Bei Problemen sind die Gemeinden aufgefordert, Störungen an das Landratsamt zu melden.

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