Doch kein Fall fürs Abstellgleis: Zug nach Leipzig nimmt Fahrt auf

Eine alte Idee lebt neu auf: In der Messestadt will man S-Bahnen ins Vogtland fahren lassen. Aber vielleicht gibt es noch eine ganz andere Variante.

Plauen.

In Plauen in den Zug steigen, am Leipziger Flughafen wieder raus und dann direkt mit dem Flieger abheben - für diese Vision kämpft Wolfgang Lochmann seit Jahren. Teilerfolge hat der Plauener erzielt. So ist das Umsteigen in Werdau seit Juni 2016 einfacher geworden. Aber der ganz große Wurf - die direkte Verbindung ganz ohne Umsteigen -, der steht noch immer aus.

Nun hat Lochmann möglicherweise einen Verbündeten gewonnen, den er bislang gar nicht auf der Rechnung hatte: den Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL). Dieser hat offenbar die Lösung für ein Problem gefunden, das bislang jeden direkten Anschluss des Vogtlands an das mitteldeutsche S-Bahn-Netz verhindert hatte: Damit die Züge aus Richtung Leipzig durch Werdau weiter ins Vogtland fahren können, müsste der dortige Bahnhof geringfügig umgebaut werden. Doch das will bislang niemand bezahlen. Kai Emanuel (CDU), Landrat des Kreises Nordsachsen und Verbandsvorsitzender des ZVNL, bringt nun in einem Brief an seinen vogtländischen Amtskollegen Rolf Keil (CDU) eine alte Idee neu ins Spiel: Die S-Bahn-Route über Altenburg könnte bis ins Vogtland verlängert werden. Dies wäre "ohne zusätzliche Infrastruktur möglich", so Kai Emanuel. Allerdings müssten dafür zusätzliche Fahrzeuge finanziert werden - an dieser Frage war bereits vor Jahren eine Umsetzung des Vorhabens gescheitert..

Doch wie oft hält der Zug zwischen Altenburg und Plauen? Wolfgang Lochmann plädiert für eine Art Schnellbahn. Haltestellen im Vogtland sollten Plauen, Reichenbach und vielleicht noch Jocketa sein. Oliver Mietzsch, Geschäftsführer des ZVNL, hält davon allerdings nichts. "Die Leute hinter Altenburg wollen auch angebunden sein", sagte er gegenüber der "Freien Presse".

Aber vielleicht wäre die S-Bahn ohnehin nur die zweitbeste Lösung. Thorsten Müller, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Vogtland, sieht in einer Anbindung Plauens an den Nahverkehr um Leipzig eher eine Zwischenlösung, bis sein großer Wurf spruchreif wird: Eine direkte Verbindung zwischen Plauen und Leipzig über den normalen Fernverkehr der Deutschen Bahn. Denn ein Regionalexpress oder ICE hält dann ohnehin nicht überall. Diese Anbindung an den Fernverkehr sei alles andere als eine unbestimmte Vision, betont Müller: "Da ist eine ganze Menge in Fluss gekommen." Unter dem Stichwort "Deutschland-Takt" wird im Bundesverkehrsministerium zurzeit an einer Überarbeitung des gesamten deutschen Zugverkehrs gerackert. "Auch die Anforderungen an einen optimierten Fernverkehr für die Stadt Plauen werden bei den Planungen für den Deutschland-Takt berücksichtigt", teilte das Berliner Ministerium auf "Freie Presse"-Anfrage mit. "Die Planungen werden voraussichtlich Ende des Jahres 2018 abgeschlossen sein."

Mit dem Koffer in Plauen in den Zug und am Leipziger Flughafen wieder raus - diese Vision würde dadurch aber immer noch nicht automatisch Wirklichkeit. Die Züge könnten ja auch direkt zum Hauptbahnhof der Messestadt fahren. Thorsten Müller: "Ein direkter Anschluss an den Flughafen über den Citytunnel ist das Ziel."


So fährt man per Zug derzeitvon Plauen nach Leipzig:

Variante 1: Plauen - Umstieg in Werdau - Leipzig; Umsteigezeit: 9 Minuten; Reisedauer: 1 Stunde, 53 Minuten

Variante 2: Plauen - Umstieg in Gera - Leipzig; Umsteigezeit: 12 Minuten; Reisezeit: 2 Stunden, 17 Minuten

Variante 3: Plauen - Umstieg in Mehltheuer - Leipzig; Umsteigezeit: 10 Minuten; Reisedauer: 2 Stunden, 24 Minuten

Quelle: Deutsche Bahn

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