Firma Jenoptik verdient an jedem neuen Blitzer in Plauen mit

Die Bußgeldstelle meldet Rekorde. Noch nie sind in Plauen so viele Raser geblitzt worden wie vergangenes Jahr. Es gab auch noch nie so viele Blitzer in der Stadt. Die Geräte gehören einem Tochterunternehmen des Aktienkonzerns.

Plauen.

Die Wahrscheinlichkeit, vom Blitzer getroffen zu werden, war in Plauen nie so hoch wie heute. Binnen fünf Jahren haben sich die nachgewiesenen Tempoverstöße verfünffacht. Das liegt daran, dass die Stadtverwaltung ihr Netz aus Blitzgeräten verdichtet.

Früher musste ein mobiler Blitzer vom Auto aus die ganze Stadt abdecken, heute stehen sieben feste Säulen an den Straßenrändern - zusätzlich zum Skoda. Die neueste Säule wurde vergangene Woche scharf geschaltet. Sie steht an der Haselbrunner Straße und geht auf eine Blitzer-Offensive des Rathauses zurück. Seit 2015 least die Stadt die Tempomessgeräte von Jenoptik Robot, einer Tochter des Jenaer Aktienkonzerns. Das Unternehmen gewann damals eine Ausschreibung, sagt Bußgeldstellen-Chefin Alexandra Wölfel: "Betrieben wird die Geschwindigkeitsüberwachung ausschließlich durch die Stadt Plauen."

Torsten Kleditzsch

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Jenoptik bietet ein Modell an, das die Stadt nutzt. Die Firma vermietet die Säulen, stellt sie auf und kümmert sich um Wartung und Versicherung. Die Stadt zahlt dafür eine Monatsgebühr oder eine Pauschale pro verwertbarem Datensatz, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. "So helfen wir Ihnen, die Verkehrssicherheit in Ihrer Kommune zu erhöhen und gleichzeitig Ihren öffentlichen Haushalt zu entlasten", wirbt Jenoptik im Netz.

Zu den Kosten der Partnerschaft möchten sich weder Stadt noch Unternehmen äußern. "Die Fallkostenpauschale unterliegt dem Vertragsgeheimnis", heißt es aus der Bußgeldstelle. Jenoptik hält sich aus Wettbewerbsgründen bei solchen Angaben zurück, erklärt Sprecherin Cornelia Ehrler. Man veröffentliche keine Kostenangaben zu den Anlagen: "Wir erhalten keine Gewinnbeteiligung, wir werden auch nicht an den Bußgeldern beteiligt. Stattdessen erhalten wir eine Vergütung für unsere Dienstleistungen." Das Modell sei für Plauen die beste Option, so die Chefin der Bußgeldstelle.

Die Standorte für die Säulen legt die Stadtverwaltung fest. Die Daten der geblitzten Fahrzeuge schicken die Messgeräte verschlüsselt ins Rathaus, heißt es. Datenschutzrelevante Details wie die Anfragen ans Kraftfahrtbundesamt, zu welchem Nummernschild welche Person gehört, bearbeite die Behörde.

Die Blitzer-Offensive hatte den Segen des damaligen Polizeirevierleiters Werner Reuter. Reuter forderte mehr Tempokontrollen wegen einer Tendenz zu Unfällen durch Raserei. Reuters Motto damals: "Wir müssen gegensteuern."

Weitere Geräte seien noch nicht geplant. Man entscheide aber nach den Ergebnissen der Unfallkommission. Der neue Blitzer an der Haselbrunner Straße gilt als der, der bei Autofahrern die Sympathiepunkte bekommt. Weil er in der Nähe zweier Kindergärten steht. In den nächsten Monaten dürfte er zu einem Kassenschlager werden. Denn am Anfang läuft ein Blitzer am besten, dann gewöhnen sich die Autofahrer daran und fahren langsamer. Die Einnahmen durch Verwarnungen und Bußgelder stiegen 2018 auf den Rekordwert von 1,425 Millionen Euro.

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