Kampf gegen Armut: Gegenwind ist für sie Motivation

Sabine Zimmermann - für manche ist die Linken- Politikerin eine Fahnenflüchtige, für andere das soziale Gewissen in Berlin. Heute wird sie 60.

Plauen/Zwickau.

Sie sieht ihr Abgeordnetenmandat nicht als Job, sondern als Berufung. "Eine Berufung, für Menschen da zu sein, das war immer mein Ziel", sagt Sabine Zimmermann, seit 2005 Bundestagsabgeordnete der Linken. Heute wird die Königswalderin, von manchen als Westsachsens soziales Gewissen in Berlin gepriesen, 60 Jahre.

Zimmermann, 1960 in Pasewalk geboren, wollte Journalistik studieren. Wegen ihrer Westverwandtschaft ließ man sie nicht. Sie studierte Baustofftechnologie. Nach der Wende ging sie zum DGB, war seit 1997 DGB-Kreisvorsitzende im Vogtland, später als DGB-Regionsvorsitzende für das Gebiet Vogtland/Zwickau verantwortlich, seit einiger Zeit ist sie DGB-Kreisvorsitzende in Zwickau. Ihr Hauptthema in dieser Funktion, als Zwickauer Kreistagsmitglied, Vorsitzende des Familienausschusses des Bundestages und arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion: der Kampf gegen Armut und soziale Ungleichheit. Die Einführung des Mindestlohnes war für sie ein Meilenstein. "Natürlich ist er noch immer viel zu niedrig", sagt sie heute und fordert: "Für gute Arbeit muss es gute Löhne geben." Nicht zuletzt engagiert sich Zimmermann auch als Mitglied der in Pausa ansässigen Arbeitsloseninitiative Sachsen und der Reichenbacher Tafel im Vogtland.

Zimmermann und ihrer Fraktion gelang es eine Woche vor Weihnachten, die Schließung des Haribo-Werkes in Wilkau-Haßlau zum Thema im Bundestag zu machen. In einer lebhaften Debatte, in der sie diese Werksschließung als symptomatisch für eine verfehlte Förderpolitik im Osten bezeichnete und allen bisherigen Bundesregierungen Versagen vorwarf, flogen die Fetzen. Parlamentarier anderer Parteien hielten ihr Stimmungsmache vor und dass sie den Osten schlechtrede. "Wenn ich mich für Arbeitnehmerinteressen einsetze, sind solche Reaktionen von Union und FDP nicht ungewöhnlich. Wenn man in der Politik die Realität anspricht und sich einsetzt, um die Probleme der Menschen zu lösen, bekommt man viel Gegenwind. Das motiviert mich aber auch", sagte sie danach.

Zimmermann, bis zur Wende SED-Mitglied, ging 1995 zur SPD, verließ die Sozialdemokraten aber zehn Jahre später wieder. Sie begründete das mit deren Hartz-IV-Politik. Für manche in der Region war es nur konsequent, dass sie nach links wechselte. Andere nahmen ihr das übel und warfen ihr vor, nur wegen eines besseren Listenplatzes bei der Bundestagswahl zur damaligen PDS übergelaufen zu sein. Spätestens mit ihrem Engagement für die Bewegung "Aufstehen", die sich für ein Zusammenwirken der Kräfte links der Mitte einsetzte, zeigte sie, dass der Bruch mit den Sozialdemokraten nie endgültig war.

Zimmermann ist dafür bekannt, klare Kante gegen Nazis zu zeigen. Sie kassierte dafür Schimpfe, Beleidigungen, sogar Morddrohungen. "Meine Positionen dazu haben sich nicht verändert. Ich gehe davon aus, dass ich für rechte Kreise weiterhin im wahrsten Sinne ein rotes Tuch bin", ist sich die DGB-Chefin sicher. Selbst eine schwere Krankheit zwang sie nicht in die Knie. "Die Krebserkrankung war ein tiefer Einschnitt in meinem Leben. Für mich war es wichtig, während dieser Zeit fast normal weiterzuarbeiten. Das hat mir Kraft gegeben." Und noch etwas ist für die Königswalderin, die verheiratet ist und zwei Kinder hat, ein Kraftquell: ihre sechs Enkel. "Wenn ich mit ihnen zusammensein kann, gibt mir das viel Kraft", sagt die Großmutter, die als einstiges Mitglied einer Schülerband (Gesang, Geige und Gitarre) noch heute gern mit den Enkeln singt.

Für 2021 hofft sie, "dass wir die Coronapandemie in den Griff kriegen und wieder Normalität einkehrt." Und sie wolle aufpassen, dass die Kosten der Pandemie nicht auf die Bürger abgewälzt werden. (mit bju)

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