Kandidat Kramer: Ein Plädoyer fürs Wohlfühlen und Zuhören

Wahlen 2019 Der Herausforderer aus Helmsgrün verspricht für den Fall seiner Wahl zum Ortschef einen neuen Stil und Bürgernähe in allen Pöhler Ortsteilen.

Pöhl.

Am 12. April des Jahres 1961 wurde Weltgeschichte geschrieben. Als erster Mensch absolvierte der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin einen Flug ins All. An jenem Tag erblickte in Plauen Lothar Kramer das Licht der Welt. Der inzwischen 58-Jährige weist augenzwinkernd auf diesen besonderen Tag hin. Wenn er sich am 1. September der Wahl zum Bürgermeister der Gemeinde Pöhl stellt, dann gibt sich Lothar Kramer nicht als Himmelsstürmer, der die Welt einreißt, sondern geerdet.

Kürzlich hatte der Rosenbacher Bürgermeister Michael Frisch in einem "Freie Presse"-Interview seine Arbeitsweise erklärt. "Das hat mir gefallen", sagt Kramer. Klare Kante, Zuhören, Verlässlichkeit, offen für Neues - so will er es auch angehen. "Als Bürgermeister muss man den Leuten ein gutes Gefühl geben", meint der Kandidat. Die allgemeine Politikverdrossenheit sei in Pöhl auch eine spezielle Verwaltungsverdrossenheit. "Bürger kommen aus dem Gemeindeamt raus und fragen: Warum war ich eigentlich hier?" Man darf sie auf dem Dorf nicht geschäftsmäßig behandeln, formuliert er seinen Anspruch. Es könne nicht immer nur um Geld und Verwaltungsentscheidungen gehen, sondern bedarf des Einfühlungsvermögens. Deshalb sind Bürgersprechstunden in allen Ortsteilen eines seiner Kernziele.


Wer ist Lothar Kramer? Der 58-Jährige hat den Beruf des Elektromonteurs gelernt und war in mehreren Unternehmen der Branche tätig. Er lebt getrennt von seiner Ehefrau und hat zwei erwachsene Kinder. 2005 fand der Plauener in Helmsgrün seine neue Heimat und gerät ins Schwärmen. Die stabile Dorfgemeinschaft, die 600-Jahr-Feier 2018, die Arbeit im Verein Alter Hof, jedes Jahr Dorffest - all das will er nicht mehr missen. Jener Zusammenhalt ist nach seiner Überzeugung ein wichtiges Argument, um junge Menschen, Familien, vom Wohnort Pöhl zu überzeugen. Bauland-Erschließung, Stärkung der Kinder- und Bildungseinrichtungen, auch eine Reaktivierung der einstigen Mittelschule in Jocketa - das sind seine Ziele.

Seit 2014 saß der Wahl-Helmsgrüner für die Freien Wähler im Gemeinderat, womit er beim Thema ist. "Wir müssen Pöhl voranbringen und brauchen keine Kleinkriege." Ein Ort mit ehrenamtlichem Bürgermeister fährt besser mit drei Ämtern in der Verwaltung, widerspricht der Herausforderer der aktuellen Bürgermeisterin Daniela Hommel-Kreißl (FDP). "Sie hat viel auf die Beine gestellt", lobt er, "aber ihre Art." Beispiel Talsperren-Zweckverband: "Gut, dass es dort einen Wechsel gibt", sagt Lothar Kramer. Da es zwischen der bisherigen Verbandsgeschäftsführerin und der Bürgermeisterin Parallelen gebe, stagniere im Tourismus vieles und komme der Servicegedanke zu kurz.

Fragwürdiges Vorgehen hält Kramer der Amtsinhaberin auch beim Umgang mit Plänen des Landkreises für Herlasgrün vor: "Wenn man der Bürgermeisterin Glauben schenken darf, hat sie sich vom Landrat einen Maulkorb verpassen lassen." Diese Intransparenz bringe die Bürger auf die Palme. Die Gemeinde braucht Einnahmen, das stärke langfristig auch Pöhls Eigenständigkeit. Ein für die Bürger verträglicher Gewerbestandort sei daher grundsätzlich ein Thema, "aber kein Industriegebiet", betont Lothar Kramer.

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