Mehrere Hundert Oldies überrollen Treffen in Pfaffengrün

Kultiges Blech: Die Veranstaltung am gestrigen Sonntag im Rittergut hat alle elf Vorgänger in den Schatten gestellt.

Pfaffengrün.

Wohin mit all den Fahrzeugen? Gegen Sonntagmittag bilden sich langsam Sorgenfalten auf Gerhard Jacobis Stirn. Er und seine 14 Mitorganisatoren von der gastgebenden Abteilung F 173 im Kultur- und Heimatverein Holzbachtal sehen das Rittergutsgelände Pfaffengrün an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit geraten. Zum zwölften Mal hatten sie eine Einladung zum Oldtimertreffen ausgesprochen. Gehör fand sie spürbar. So viele Besitzer historischer Fahrzeuge waren noch nie angerollt. Jacobi sprach von gut 300. "Es könnten sogar 400 sein", mutmaßte er. In den vergangenen Jahren schauten um die 100 vorbei.

Auch in puncto Besucherzahl übertraf sich das Treffen selbst. "Nirgends sind dieses Jahr solche Veranstaltungen zu finden", glaubte Gerhard Jacobi den Grund zu kennen. Außerdem habe sich das Treffen längst herumgesprochen. "Wir sind hier nicht so groß", sagte er. Und für noch mehr sei das Rittergut nicht gemacht. Wer spät anrollte, fand kaum noch Platz. Seite an Seite standen Ostblockfahrzeuge und West-Schlitten, Vorkriegsmodelle, Einsatzfahrzeuge, Traktoren, Motorräder und Mopeds. Die ältesten Schaustücke ließen sich bis in die Anfänge der 1930er Jahre zurückdatieren.

Vor der einstündigen Rundfahrt am frühen Nachmittag bauten die Organisatoren einen Wettbewerb ein. Weil die RT 125 vor 80 Jahren das Licht der Welt erblickte, drehte sich dabei alles um das Kult-Motorrad. 20 Fahrzeuge unterzogen sich in drei Kategorien prüfenden Jury-Blicken: Ermittelt wurden die schönste, älteste und am weitesten gereiste RT 125. Am Ende machten Dietmar Reinhold, Dieter Leistner und Gert Seyferth das Rennen.

Graugrün schimmerte Dietmar Reinholds RT in der Sonne. Die Nummer eins in puncto Schönheit ist Baujahr 1962 und ein Fundstück. Entdeckt habe er sie in einer Greizer Scheune und dann ordentlich aufgemöbelt, erzählte der Treuener. An dem Motorrad schätzt er vor allem dessen Unverwüstlichkeit. Das macht sie auch für Gert Seyferth unheimlich attraktiv. Der Klingenthaler konnte den weitesten Anreiseweg vorweisen. Er und seine RT Baujahr 1954 führte ebenfalls der Zufall zusammen. Seyferth fand sie in einer Scheune seines Wohnortes. Auf Nachfrage habe er die Maschine vor 25 Jahren bekommen. "Damals noch für einen kleinen Obolus."

Die älteste RT 125 fuhr mit Dieter Leistner im Sattel vor. Das Zweirad Jahrgang 1951 ist ein gewöhnlicher Kauf und von Grund auf restauriert. Wie viele Kilometer es in seinem Fahrzeugleben mittlerweile zurückgelegt hat, lässt sich Leistner zufolge nicht mehr nachvollziehen. "Weil auch der Tacho gewechselt hat." Der Plauener schwärmt seit frühester Jugend für Motorräder. "Ich stamme aus der Gegend vom Sachsenring."

Zwischen Menschen und Fahrzeugen versuchte sich ein Mann in Uniform per Megafon Gehör zu verschaffen. Wie er zum Treffen erschien, war André Fritzsch vor der Wende an jedem Arbeitstag ausgestattet. Er sei mal Volkspolizist gewesen, sagte der Helfer aus Buch, bevor er sich Gedanken machte, wie sich derart viele Fahrzeuge zu einer geordneten Rundfahrt-Kolonne formieren lassen.

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