Schwärmendes Naturschauspiel: "Das sind Bienen, keine Aliens"

Herrenlose Schwärme aus tausenden Bienen sorgen für Aufregung im Vogtland. Sie hängen wie Trauben an Häusern und Bäumen. Ein Phänomen, sagen Imker. Gründe seien der kalte Mai und der Zuwachs an Imkern.

Plauen.

Sie sind braun, klingen wie Rennautos und sind größer als Einkaufstaschen. Einer dieser Bienenschwärme hing jetzt an einem Mietshaus an der Kasernenstraße, am Fenster im Obergeschoss. Während im Internet dazu ein Diskussion anschwillt und zwischendurch Sätze wie "Das sind Bienen und keine Aliens" bei Facebook aufploppen, versuchen die Imker zu beruhigen.

Für sie ist das, was gerade gehäuft passiert in der Region, ein Naturphänomen. "Die Schwärme sind ungefährlich und nicht aggressiv. Meistens sind sie nach einem Tag weg", sagt Gerald Schumann, Vize-Chef des Plauener Imkervereins. Es handle sich um neue Völker, die sich von ihrem alten Volk abgespalten haben. Denn zurzeit gebe es deutlich mehr Königinnen als üblich. Die alte Königin fliege mit einem Teil ihres Schwarms weg und überlasse den Rest des Volkes ihrer Nachfolgerin. Schlüpfen mehrere Königinnen, spalte sich das Volk in mehrere Völkchen, die ausschwärmen und ein Natur-Quartier suchen. Das sei die natürliche Vermehrung.


Als einen Grund für die Häufung nennen die Imker den kalten Mai. Die Bienen blieben im Stock und bildeten Weiselzellen, die Königinnen-Zellen, sagt Imker Heiko Wild: "Eigentlich kontrolliert jeder den Schwarmtrieb seiner Völker und nimmt die Weiselzellen raus." Für diese Kontrollen, die im Mai und Juni passieren, sei es aber zu kalt gewesen. Man schaue erst jenseits der 12 Grad Celsius rein. Heiko Wild war überrascht, als er nach der Kältewelle am Wochenende nachgeschaut hatte in seinen Bienenstöcken: "Da hingen unzählige Weiselzellen. Die Völker sind explodiert."

Nicht nur die sind explodiert, auch Imker gibt es immer mehr. Der Plauener Imkerverein hat um die 70 Mitglieder, doppelt so viele wie vor wenigen Jahren, sagt Wild, der Schriftführer ist. Im Vogtland gibt es mehrere Vereine. Anfängern passiere es häufiger, dass sich Völker unkontrolliert teilen und schwärmen.

Hinweise auf herrenlose Schwärme gehen bei Feuerwehr und Rettungsleitstelle ein. Die Mitarbeiter haben Listen von Imkern, an die sie die Anrufer vermitteln, und auf eine sogenannte "Schwarmbörse" im Internet. Die Feuerwehr wird nur dann aktiv, wenn die Bienen in Kindergärten, Schulen oder auf Spielplätzen auftauchen, sagt Einsatzleiter Erik Dressel: "Hausbesitzer, die sie unbedingt weghaben wollen, müssen sich bei ungünstigen Höhen Hubarbeitsbühnen ausleihen."

Imker Heiko Wild hatte in den vergangenen Tagen fünf Anrufe wegen Schwärmen. Nur einer war noch da, als er kam. Die summenden Völker kann man verkaufen. In der Internet-Schwarmbörse pendeln die Kaufangebote von Imkern zwischen 0 und 100 Euro.

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