Theumaer Schiefer: Ressourcen bis 2065

Jedes Jahr liefert das Natursteinwerk Theuma 120.000 Tonnen Schiefer. Nur ein Teil davon ist so gut, dass er zum Werkstein taugt. Warum am Freitag Geologen in der 1000-Seelen-Gemeinde waren.

Theuma.

Wer Theumaer Schiefer möchte, diesen blaugrau getönten Naturstein, muss etwa vier Wochen darauf warten. "Das ist unsere Wartezeit bei größeren Stücken", sagt Türk Wünsch, Abteilungsleiter im Steinbruch. Jeder Auftrag eine Maßanfertigung. 120.000 Tonnen Schiefer bauen seine Kollegen im Jahr ab. Die Menge ist seit Jahren konstant, die Qualität dessen, was zum Werkstein taugt, schwankt. Wünsch sagt, laut Prognosen reichen die Ressourcen auf dem Gelände noch 46 Jahre, bis 2065.

Weil Geowissenschaftler Schiefer zum Gestein des Jahres gewählt haben, gab es am Freitag Expertenvorträge im Steinbruch. Bundesweit existieren höchstens noch eine Handvoll Schieferbetriebe, schätzt Wünsch. Der Berufsverband der Geowissenschaftler fragte die Vogtländer, ob sie Gastgeber sein möchten für die Tagung, die die Geologen zusammen mit dem Landesamt für Umwelt und dem Sächsischen Heimatschutzverein organisiert haben. Ziel war es, Schiefer in den Blick der Öffentlichkeit zu bringen.

In Theuma entstand der Schiefer, als der Ort noch am Meer lag. Geologen schätzen das Alter auf 470 Millionen Jahre. 15 Hektar groß ist die Abbaufläche in der 1000-Seelen-Gemeinde in der Mitte des Vogtlandkreises. Nur etwa zehn Prozent der abgebauten Menge wird als Theumaer Schiefer verkauft, der Rest geht vor allem als Frostschutzgestein in den Straßenbau, sagt Wünsch und begründet das mit der Qualität: "Nur die guten Stücke können verarbeitet werden." Zu Bodenplatten, Fensterbänken, Treppen, Fassadenplatten, Grabmalen, Mauern.

Die DDR lieferte ihren vogtländischen Schiefer ins Ausland. Norwegen sei ein großer Abnehmer gewesen. Nach der Wende kauften zwei Familien aus Nürnberg das Natursteinwerk der Treuhand ab. Wenn Türk Wünsch heute die Referenzen aufzählt, bleibt er in Deutschland. Der Fußboden im Dresdener Residenzschloss und im Abgeordnetenhaus des Deutschen Bundestages, die Fassade des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt und des Sportforums Rabenberg gehören dazu.

Geliefert wird europaweit für Gebäude, Garten- und Landschaftsbau. Der Steinbruch hat einen eigenen Straßennamen in Theuma, "Zum Plattenbruch". Jetzt im Herbst fahren die rund 70 Beschäftigten an einem Maisfeld vorbei.

Wünsch befürchtet, dass der Betrieb überaltert: "Die Frage ist, ob wir in Zukunft genügend Mitarbeiter haben werden, um im geplanten Umfang abbauen zu können." Die Suche nach Fachkräften und Lehrlingen sei schwierig. Wer im Steinbruch arbeitet, wird meistens schmutzig, friert im Winter und schwitzt im Sommer. Steinmetze, Bagger- und Radladerfahrer und Natursteinmechaniker zählen zu den bedrohten Berufsgruppen.

Die angereisten Geologen haben sich am Freitag den Steinbruch angeschaut. Und die Kirche von Theuma, die 1267 erbaut wurde. Für die Experten der beste Beweis, wie haltbar das Gestein des Jahres ist.

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