Trotz Party und Prinzessinnen: Bauern geht langsam die Luft aus

Vor zwei Jahren wurde das Bauernball-Konzept geändert. Unter einem neuen Namen sollte die Veranstaltung einen zeitgemäßen Anstrich bekommen. Doch nicht alle Erwartungen sind aufgegangen.

Plauen.

An Hoheiten hat es zur dritten Land-Party am Freitagabend in der Festhalle nicht gemangelt. Mit Ernteprinzessin Wibke Frotscher (Straßberg) und Milchprinzessin Kim Schubert (Schneidenbach) boten die Gastgeber des Absolventenvereins der landwirtschaftlichen Fachschule Plauen zwei sächsische Repräsentantinnen der Landwirtschaft auf. Dazu gesellte sich noch die amtierende Vogtländische Kartoffelprinzessin Selina Kohl, die an diesem Abend mit ihren Kollegen von der Agrargenossenschaft Großzöbern feierte. Seit kurzem arbeitet die junge Frau dort als Melkerin.

Chefkoordinatorin Nicole Andermann hatte auf mehr Resonanz gehofft. Etwa 400 Besucher waren dabei. Demnächst wollen sich die Verantwortlichen beraten, wie es mit der Veranstaltung weitergehen soll. Im Gespräch ist eine kleinere Location. Einige Stimmen favorisierten das Haus Vogtland im Behördenzentrum an der Europaratstraße. Entschieden ist aber noch nichts.

Vor zwei Jahren wurde das Konzept des Bauernballs geändert. Unter dem neuen Namen Land-Party sollte die Veranstaltung einen modernen Anstrich bekommen und mehr Publikum in die Festhalle locken. Deshalb verzichteten die Programmmacherauf die bis dahin übliche Auszeichnung von Betrieben. Seitdem gibt es gleich von Anfang an Vollgas mit einer Live-Band. Diesmal wurde die Leipziger Formation Nightfever engagiert. Diejenigen, die mitfeiern wollten, hatten ihren Spaß. So auch Chris Lorenz, der zum ersten Mal der Einladung des Absolventenvereins in die Festhalle folgte. Der Eschenbacher betreibt zu Hause mit seiner Familie eine Angus-Rinderzucht im Nebenerwerb. Prinzipiell gefiel ihm die Party. "Echt schade, dass nicht mehr Leute gekommen sind." Katja Beuchold stieß mit einigen Mitarbeitern ihres ökologischen Betriebes an. Die Geschäftsführerin der Agrargenossenschaft Großzöbern rührte schon mal die Werbetrommel für die 13. Bio-Glühwein-Nacht am 6. Dezember im Gelände des Hofladens.

Der Spruch des Abends kam vom Meßbacher Landwirt Gunter Stumpf. "Die Landwirtschaft ist das letzte große Abenteuer, das es heute noch gibt", sagte er mit einem Augenzwinkern. Doch die Luft in seinem Traumberuf werde immer dünner. Als Ursache dafür nannte Stumpf den jahrelangen Preisdruck und die immer höher werdenden Auflagen. "Viele Bauern sind frustriert und stehen mit dem Rücken an der Wand." In einer Spielpause der Band rief er von der Bühne aus zur Teilnahme an einer Großdemonstration am 26. November in Berlin vor dem Brandenburger Tor auf.

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