4. City-Forum: Zwickau zwischen Leer- und Stillstand

Statt großer Umwälzungen soll es bei der Innenstadtbelebung eher mit kleinen Schritten vorangehen. Große Hoffnungen ruhen auf der Landesausstellung.

Zwickau.

Nach einjähriger Pause ist das 2015 ins Leben gerufene Gesprächsformat zur Innenstadt-Belebung wieder zurück - aber die Pause hat Spuren hinterlassen. Statt Zukunftsvisionen gab es in erster Linie Ankündigungen über geplante oder garantiert nicht geplante Bauvorhaben. Das City-Forum am Dienstagabend vor rund 180 Besuchern im Bürgersaal des Rathauses war mehr Einwohnerversammlung als Ideenwerkstatt. Die Diskussion über die Elfgeschosser an der Mulde war der einzige Moment der zweistündigen Veranstaltung, in dem ein Dialog zwischen Verwaltung und Bürgern entstand.

Hauptstraße: Mit der bevorstehenden Wiederbelebung beider leer stehender Kaufhäuser scheint für die Stadtverwaltung der wichtigste Schritt für die Innenstadtbelebung getan zu sein. Schon ab Frühjahr 2020 wird die Schmid-Gruppe, die das Outletcenter im Stadtteil Pölbitz betreibt, im Kaufhaus Joh Mode anbieten. Zu einem noch ungenannten Zeitpunkt soll der Umbau des Schocken-Kaufhauses beginnen. Und dann? Laut Stadtmanagerin Ariane Spiekermann hat man sich mit der Idee eines Kreativ-Cafés in der Hauptstraße beim Wettbewerb "Ab in die Mitte" beworben. Ausgang offen. Außerdem soll neben dem bereits bestehenden Händlernetzwerk auch noch ein Arbeitskreis der Hauptstraßen-Gastwirte ins Leben gerufen werden. "Das wird der nächste große Schritt", sagt Spiekermann.

Marienstraße: Laut Stadtverwaltung gibt es dort noch mehr Leerstand (33 Prozent) als in der Hauptstraße (31 Prozent). Wie man dem begegnen will? Offenbar durch bauliche Verschönerungen. Laut Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) ist geplant, die Marienstraße grundhaft auf Vordermann zu bringen. Allerdings war das schon in den vergangenen Jahren mehrfach angekündigt worden. Am Ende fehlte immer das Geld. Auch am Dienstag konnte Köhler noch keinen Sanierungstermin nennen. Sicher sei nur, dass zunächst der erste Abschnitt zwischen Schumannplatz und Ma-riengäßchen erneuert werden solle. Idealerweise ließe sich die Marienstraße mit der Schocken-Sanierung verbinden, aber auch dafür gibt es noch keinen Zeitplan.

Elfgeschosser: Nach wie vor für große Unruhe unter Bewohnern und Wohnungseigentümern sorgt die Teilnahme der Stadt Zwickau am Architektenwettbewerb Europan. Dort waren mehrere Beiträge eingereicht worden, wie die Stadt ohne die Elfgeschosser an der Mulde aussehen könnte. Das bedeute aber nicht, dass die Bauten jetzt sofort abgerissen werden, versuchte OB Pia Findeiß (SPD) die aufgewühlten Bewohner zu beschwichtigen. Rein theoretische Überlegungen seien das, sagte sie. Gedankenspiele zur künftigen Stadtentwicklung. "Sie brauchen keine Angst haben, dass wir in den nächsten fünf Jahren die Blöcke abreißen." Überzeugt oder beruhigt wirkten die Anwohner und Eigentümer davon nicht. Vor allem nicht, nachdem Findeiß noch ein Wort zu ihrer eigenen Zukunftsplanung verlor: "Ich bin sicher, dass ich noch zu Lebzeiten sehen werde, wie ein Block fällt. Aber ich will auch 100 Jahre alt werden." Da hat sich die 63-Jährige einiges vorgenommen, denn der Chef des städtischen Großvermieters GGZ, Thomas Frohne, sprach gleich darauf eine Bestandsgarantie aus: "Wir sanieren unsere Häuser dort, das heißt, dass sie die nächsten 20, 30Jahre auf alle Fälle stehen bleiben."

Grüne Dächer: Neue Impulse hat beispielsweise die Zukunftswerkstatt im "Alten Gasometer" beigesteuert, die unter anderem die Begrünung von Buswartehäuschen, Energieeinsparungen sowie den Verzicht auf Plastik anregt. Stadtmanagerin Spiekermann hat angekündigt, sich mit der Werkstatt austauschen zu wollen.

Landesausstellung: Ein großer Frequenzbringer soll die Landesausstellung im kommenden Jahr werden. Kurator Thomas Spring rechnet mit 110.000 Gästen, von denen zahlreiche auch in der Zwickauer Innenstadt landen dürften. Erstmals hat Spring am Dienstagabend ausführlich vorgestellt, was in der Leitschau in dem neben dem August-Horch-Museum liegenden Audi-Bau zu sehen sein wird: unter anderem Installationen von acht Metern Länge, seltene Stücke wie beispielsweise eine Miniatur-Dampfmaschine in einer Nussschale, einst sächsischer Beitrag zu einer Weltausstellung, und sogar zwei Gemälde des norwegischen Malers Edvard Munch. Außerdem soll großflächige Werbung unter anderem auf öffentlichen Verkehrsmitteln für die Landesschau werben. Auch in Zwickau wird ein entsprechend gestalteter Bus auf die Ausstellung aufmerksam machen.

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