46-Jährige in Pölbitz erwürgt

Im Zwickauer Sozialhaus "Zum Regenbogen" soll ein Mann am Samstag seine Lebensgefährtin getötet haben. Im Wohnprojekt herrscht Fassungslosigkeit.

Zwickau.

Die Mülltonne vorm Sozialhaus "Zum Regenbogen" an der Büttenstraße im Zwickauer Stadtteil Pölbitz quillt über. Schachteln und Papier liegen auf der Straße. "Verflixte Krähen, ich habe doch gerade erst sauber gemacht", ärgert sich ein Hausbewohner und liest den Müll auf. Mit Tränen in den Augen winkt er ab. Sagen will er nichts zu dem Vorfall, der sich Samstagabend ereignet und eine 46-jährige Mitbewohnerin das Leben gekostet hat.

Nach Angaben der Zwickauer Staatsanwaltschaft steht deren 49-jähriger Lebensgefährte in dringendem Tatverdacht, die Frau erwürgt zu haben. Am Montag hat die Ermittlungsrichterin des Zwickauer Amtsgerichtes Haftbefehl erlassen. Der Vorwurf: Mord. Er soll sich mit seiner Lebensgefährtin gestritten haben. Es ging um ihr Geld, das er haben wollte. Laut Antje Dietsch, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, soll es zwischen dem Beschuldigten und dessen Lebensgefährtin in der Vergangenheit regelmäßig zu Auseinandersetzungen gekommen sein, die auf den Alkoholkonsum der beiden zurückzuführen waren. Wer die Tote gefunden hat, verriet sie nicht. Auch nicht, ob der Täter geständig ist. Die Ermittlungen dauern an. Kerstin Täuber, Betreiberin des Wohn- und Sozialhauses, ist fassungslos. Am Sonntagmorgen erfuhr sie von dem Tod der Frau, die noch nicht lange in Zwickau gewohnt hatte. Die Frau war aus einer Großstadt in Baden-Württemberg gekommen, dort hatte sie auf der Straße gelebt und versucht, in Zwickau ein neues Leben zu beginnen.


Kerstin Täuber hatte in den vergangenen Wochen gerade wieder Hoffnung geschöpft. Es habe gute Gespräche mit der Stadt Zwickau gegeben, die die Bewohner nicht von heute auf morgen auf die Straße setzen will, obgleich sie es nach richterlichem Beschluss dürfte. Stadtsprecherin Heike Reinke bestätigte die Gespräche. Es werde gemeinsam nach einer Lösung gesucht, sagte sie.

Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts Chemnitz Anfang des Jahres bangte Projektleiterin Täuber um die Zukunft der 30 Bewohner. Das Gericht hatte der Stadt Zwickau Recht gegeben, die Täuber untersagt hatte, das Sozialprojekt weiterzuführen. Die Verwaltungsrichter kritisierten den Brandschutz in dem Bau, zudem sei Wohnen im Gewerbegebiet unzulässig. Täubers Anwalt Lars Klapper hatte vor Gericht erklärt, dass es sich bei den Bewohnern um ein besonderes Klientel handelt, etwa ehemalige Häftlinge und Süchtige. Täuber biete Menschen ein Zuhause, die in kein Obdachlosenheim passen, erklärte er.

Der aktuelle Fall ist nicht die erste tödliche Attacke im Sozialhaus "Zum Regenbogen". 2013 hatte einer der Bewohner einen Mitbewohner erstochen. Dafür war er zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

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