Auch im Landkreis gilt: Lehrer gibt es nie genug

2348 Pädagogen haben einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Doch nur 2226 stehen vor Klassen. Und dann ist da auch noch die Teilzeitarbeit.

Zwickau.

Die Meinungen gehen auseinander. Während Arndt Schubert, Pressesprecher der Regionalstelle des Landesamtes für Schule und Bildung, in der vergangenen Woche verkündete, dass mit Beginn des neuen Schuljahres vor jeder der etwa 1500 Klassen im Landkreis Zwickau ein Lehrer stehe, sprechen andere erneut von einem Lehrermangel. Dazu gehören Lehrkräfte, die sich dazu jedoch nicht in der Öffentlichkeit äußern wollen. Sie befürchten, auch im neuen Schuljahr reichlich Überstunden schieben zu müssen.

Dabei ist es gar nicht so einfach festzustellen, wie viele Lehrer tatsächlich im Landkreis beschäftigt sind. In einer Statistik des Kultusministeriums, die der Zwickauer Landtagsabgeordnete Gerald Otto (CDU) angefordert hat, ist von 2461 unterrichtenden Lehrern und pädagogische Fachkräften die Rede. Arndt Schubert nannte auf eine Anfrage der "Freien Presse" jedoch lediglich 2226. Er präzisierte daher auf eine erneute Nachfrage die Angaben. "Tatsächlich haben wir derzeit 2348 Lehrkräfte unter Arbeitsvertrag", sagte er. Im täglichen Einsatz seien allerdings nur besagte 2226. Die anderen sind entweder langzeitkrank, im Erziehungsurlaub oder in Mutterschutz.


Dazu kommt ein anderes Problem: die Teilzeitarbeit. Wie Schubert sagte, arbeiten 651 Lehrer und Pädagogen verkürzt. "Teilzeitverträge werden in der Regel für ein Jahr abgeschlossen", erklärte Schubert. Danach gilt für die Teilzeitlehrer eigentlich automatisch wieder Vollzeit. "Es sei denn, der Lehrer stellt erneut einen Antrag auf Teilzeit", sagte der Pressesprecher. Solange er einen Rechtsanspruch darauf habe, könne der ihm auch nicht verwehrt werden. Heißt das also: Wenn alle Teilzeitkräfte wieder den vollen Stundensatz arbeiten würden, wäre das Problem der fehlenden Lehrkräfte gelöst? Schubert bestätigte das. Warum nicht mehr Teilzeitverträge beendet werden, begründete der Sprecher aber auch: "Wir streben zwar schon wegen der Lehrkräftesituation grundsätzlich Vollzeit an, respektieren jedoch in begründeten Fällen auch ein geringeres Arbeitsvolumen."

Für das neue Schuljahr stand für den Landkreis Zwickau und den Vogtlandkreis ein Kontingent zur Einstellung von 108 Lehrern zur Verfügung. 103 der Stellen wurden besetzt. "Das Einstellungsverfahren ist nicht wirklich abgeschlossen", sagte Arndt Schubert. Weiterhin werde jede Bewerbung von ausgebildeten Lehrkräften berücksichtigt. Im November sollen sogenannte Quereinsteiger eingestellt werden, die dann ab Februar 2020 vor den Klassen stehen. Das allerdings lasse nicht wirklich einen Rückschluss darauf zu, dass dann alle Bedarfe gedeckt sind. Häufig mangele es an den nötigen Fächerkombinationen oder Lehrern einer bestimmten Schulart. So seien Lehrer für Grund- oder Förderschule schwerer zu finden als für Gymnasien.

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