Auf Jagd nach dem Schnauzbart

Tatort Hauptstraße - das war am Samstag das Motto der Kunst- und Kulturmeile in Zwickau. Die Besucher waren entspannter als die Polizei erlaubt.

Zwickau.

Der Schnauzbart ist eine eindrucksvolle Figur. Ein bisschen behäbig vielleicht, aber sonst kein Kerl von gestern. Als Chef eines alteingesessenen Zwickauer Trauring-Geschäftes fällt ihm und seinen Mitarbeitern eines Tages ein verdächtiges Pärchen auf, das Fotos von seinem Laden macht.

Mit dem Schnauzbart nimmt der jüngste Krimi von Claudia Puhlfürst Fahrt auf. Und der hat am Samstag tausende Besucher über die Kunst- und Kulturmeile begleitet, die an anderen Tagen schlicht Hauptstraße heißt. Der Krimi porträtiert die Strecke, die die Autorin seit ihrer Kindheit kennt - und deren Wandel sie miterlebt hat. Vom belebten Mittelpunkt ihrer jungen Jahre mit dem Gemüsehändler Pulver und dem Vaterland-Kino hin zur ruhiger gewordenen Straße, die den neuen Einkaufszentren den Vorrang lassen musste. "Das Buch ist eine Hommage an diese Straße", sagt sie. Und es ist auf Wunsch der Händler betont unblutig geworden.


Das passt zur Kulturmeile, auch wenn die in diesem Jahr das Thema Tatort für sich entdeckt hat. Doch statt Leichen und Betrogene gibt es an diesem Tag jede Menge Schutzmänner und -frauen, es gibt einen mit Luftballonschwertern bewaffneten Clown und mit Heinrich Schulze und Ralf Alex Fichtner gleich zwei Phantomzeichner. Der eine nimmt den Bleistift und lässt sich Zeit, der andere tuscht die Zeichnung mit flottem Strich aufs Papier. Erkennbar sind die Porträtierten immer - das Verbrechen hat da keine Chance.

Nur der Schnauzbart aus dem Buch, das mit einer Widmung von Claudia Puhlfürst einer der Verkaufsschlager ist, versteckt sich zu gut. Nämlich in der Vergangenheit. "Einen Schnauzbart gibt es hier nicht", sagt Jana Lindner, die Chefin des Trauring-Ecks. "Höchstens meinen Mann, aber der trägt seinen Schnauzbart schon seit 15 Jahren nicht mehr." Claudia Puhlfürst muss an dieser Stelle gestehen, dass zwar die Geschäfte im Krimi echt sind, die Figuren aber - überwiegend - fiktiv. Doch völlig aus der Luft gegriffen ist ihre Geschichte nicht. Jana Lindner bestätigt, dass sie wie ihr literarisches Ebenbild skeptisch werden würde, wenn zwei sich herumdrücken und fotografieren würden.

Fotos werden an diesem Samstag zuhauf gemacht. Von den Polizisten, den Musikern, den Bodypainting-Models. Den sonst leerstehenden und kurzfristig von Künstlern ge- und befüllten Läden. Den Feuerspuckern, den Kostümierten, all den Menschen, die mit einer eigenen Idee dazu beigetragen haben, dieses Puzzle zusammenzutragen. Am Ende ist der Fall gelöst: Zwickau ist nicht tot - im Gegenteil, es ist eine sehr lebendige Stadt. Ganz zu Ende ist dieser Tatort aber nicht, sagt Claudia Puhlfürst und zwinkert verschwörerisch. "Ich schreibe eine Fortsetzung. Eine blutige."

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