Ausstellung und Buch zeigen unbekannte Seiten der "Hütte"

In Cainsdorf wird mit einem Tag der Königin Marienhütte an das einst größte Eisenwerk Sachsens erinnert.

Cainsdorf.

Am 5. August 1839 traten die Aktionäre der Sächsischen Eisen-Compagnie im "Goldenen Anker" in Zwickau zu ihrer ersten Generalversammlung zusammen. Das gilt als Gründungsdatum des Eisenwerkes, das 1842 in Königin Marienhütte umbenannt wurde. Das 180-jährige Jubiläum ist für den Zwickauer Stadtteil Cainsdorf Grund genug, die "Hütte" mit einem speziell nach ihr benannten Tag in Erinnerung zu halten. Etwa 2500Brücken, Eisenbahnschienen, Gas- und Wasserwerke, Aussichtstürme, Bergbau- und Dampfmaschinen entstanden im damals größten Eisenwerk Sachsens mit rund 2500 Mitarbeitern. Der erste funktionsfähige Dampfhammer der Welt, die Nutzung des Kokses aus Zwickauer Steinkohle, der Bau der Loschwitzer Brücke ("Blaues Wunder") in Dresden und die Erfindung des Überflurhydranten sind bleibende Zeugnisse, die mit dem Namen Königin Marienhütte verbunden sind.

Am 1. September erinnert eine Ausstellung im Gasthof "Goldene Sonne" in Cainsdorf mit mehr als 100 großformatigen historischen Bildern an die Firma. "Dazu werden wir auch zahlreiche Dokumente zeigen, die Geschichte erzählen", sagte Organisator Norbert Peschke. Gezeigt werden auch eine Reihe von Ausstellungstücken des Heimatvereins Cainsdorf, die bisher noch nie öffentlich zu sehen waren. Norbert Peschke wird auch einen Vortrag zum Thema halten.


Der Heimatforscher beendet derzeit gerade die Arbeiten an einem Buch über das Eisenwerk. Es soll ebenfalls zum Tag der Königin Ma-rienhütte vorgestellt werden. Darin hat Peschke zahlreiche vergessene oder auch bisher unbekannte, auf jeden Fall jedoch interessante Informationen zusammengetragen, die weit über das bisherige Wissen um die "Hütte" hinausgehen. "Es weiß ja heute kaum noch jemand, dass die Firma mindestens 29 eigene Eisenerzgruben zwischen Zwickau und Reichenbach betrieb", sagte er. Insgesamt haben 154 Gruben für die Firma gearbeitet. Auch der "Hüttengasthof" ist in Vergessenheit geraten. Er brannte 1907 ab und wurde etwa auf dem Gelände des Aldi-Marktes neu errichtet. Die von 1901 bis 1918 existierende Gewerbeschule wird im Buch ebenso erwähnt wie die Ziegelei westlich des Geländes und die errichteten Gaswerke in der Region. Auch eine Eintrittskarte zur Feier anlässlich der Fertigstellung der 1000. Brücke hat er bei seinen Recherchen gefunden. Ein echter Glückstreffer war ein Artikel in einer Wiener Tageszeitung, der von zwei Mitarbeitern der "Hütte" berichtet, die in Österreich unterwegs waren. Zudem haben Peschke und sein Mitstreiter Dieter Völkel auch Informationen zu Personen rund um die Firma zusammengetragen.

Einer der Höhepunkte des Tages sind Rundgänge durch das Betriebsgelände der ehemaligen Königin Marienhütte. Dabei wird Norbert Peschke auch Vorher-Nachher-Vergleiche anbieten. "Anhand von historischen Fotos können die Teilnehmer sehen, wie der jeweilige Standpunkt früher aussah und wie er heute aussieht", sagte Peschke. Die Ausstellung ist nur an diesem Tag zu sehen. Danach wird sie eingelagert. "Zur Eröffnung des Turnerheimes im Herbst 2020 werden wir die Ausstellung noch einmal im größeren Rahmen und auch länger zeigen", sagte Ortsvorsteher Gerd Drechsler.

Der Tag der Königin Marienhütte beginnt am 1. September um 10 Uhr im Gasthof "Goldene Sonne". Der Vortrag von Norbert Peschke ist für etwa 10.30 Uhr geplant. Er wird bei Bedarf wiederholt. Die Führungen über das Firmengelände finden ab 13.30 und 16 Uhr statt.

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