Dachdecker beklagt Ungleichbehandlung

Ostdeutsche Firmen fühlen sich offenbar auch beim Weihnachtsgeld unfair behandelt. Eine schnelle Änderung ist nicht in Sicht.

Zwickau.

Trotz eines neuen Tarifvertrages gibt es weiter Unmut unter den westsächsischen Dachdeckern. Der betrifft das Weihnachtsgeld in der Branche. Es wird nicht wie in Industrie und Dienstleistungsfirmen üblich direkt vom Arbeitgeber als Teilhabe an einem guten wirtschaftlichen Jahr, sondern von der Sozialkasse des Dachdeckerhandwerks ausgezahlt.

Trotz bundesweit einheitlichem Tariflohn gibt es dabei immer noch unterschiedliche Berechnungsgrundlagen für Ost- und Westdeutschland. "Prozentual gesehen zahlen die ostdeutschen Firmen mehr ein, als die Mitarbeiter ausgezahlt bekommen, und damit auch höhere Beiträge. Wir subventionieren so seit 27 Jahren das Weihnachtsgeld in den Westfirmen", betonte der Zwickauer Dachdeckermeister Dietrich Brosius. Die ostdeutschen Dachdecker würden so seit fast drei Jahrzehnten ungleich behandelt. Vom Zentralverband des deutschen Dachdeckerhandwerkes sei ihm auf seine Kritik sogar eine gewisse Diskrepanz bestätigt worden.

Das Weihnachtsgeld wird von den Firmen durch Beiträge finanziert. Dabei fließt das Geld aus Ost und West in einen einzigen "Topf", aus dem dann alle Ansprüche finanziert werden - und die der Westkollegen sind höher. Einen Anspruch auf das sogenannte 13. Monatsgehalt hat jeder Mitarbeiter, der mindestens drei Monate in der Firma beschäftigt ist und mindestens zwölf Tage im Monat gearbeitet hat. Auch Langzeitkranke erhalten diese Zahlung. Für deren Berechnung werden die durchschnittlichen Stundenlöhne von April bis September als Grundlage genommen. Die Höhe des Vollanspruchs ist tariflich festgelegt. Sie beträgt 81 Durchschnittsstundenlöhne in den alten Bundesländern, aber nur 71 Durchschnittsstundenlöhne in den neuen.

Die von den Firmen zu zahlenden Beiträge werden von den Tarifparteien festgelegt. Anders als Brosius gibt der Zentralverband des deutschen Dachdeckerhandwerks eine Ungleichbehandlung der Ostfirmen auf Nachfrage aber nicht zu. "Im Osten werden niedrigere Löhne gezahlt, entsprechend niedriger sind die Beiträge der Firmen", sagte Geschäftsführer Ulrich Marx. Ziel sei ein bundesweit einheitliches Weihnachtsgeld. Die Löhne seien bereits tariflich angeglichen. Bei der jüngsten Tarifrunde hätten für die IG Bau jedoch höhere Löhne im Fokus gestanden. Das "13." sei nach dem ausdrücklichen Willen der Gewerkschaft dagegen nicht Gegenstand der Verhandlungen gewesen.

Bundesweit gibt es mehr als 14.600 Betriebe des Dachdeckerhandwerks mit 62.600 Arbeitnehmern. Im Kreis Zwickau sind von den rund 120Firmen etwa 70 in der Innung. Laut Sozialkasse Bau betrug der Durchschnittslohn über alle Lohngruppen (Gesellen und ungelernte gewerbliche Mitarbeiter) 2017 im Westen 16,77, im Osten 13,36Euro. Der bundesweite Durchschnittslohn lag bei 16,01 Euro. Der neue Tarif sieht Verdienste zwischen 18,50 und 21,30 Euro vor.

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