Das Abenteuer Studium beginnt

In der "Neuen Welt" sind die Erstsemester der Westsächsischen Hochschule für 2019/20 immatrikuliert worden. Bei der Wahl des Studienortes hatten einige durchaus Bedenken.

Zwickau.

Die Leipziger Straße in Zwickau am frühen Mittwochnachmittag: Heerscharen von gut gekleideten Menschen bahnen sich den Weg über die viel befahrene Verkehrsachse. Dunkle Anzüge und elegante Kleider lassen vermuten, dass ein Konzert oder eine Theateraufführung in die "Neue Welt" lockt. Das Publikum allerdings ist deutlich jünger als bei solchen Anlässen üblich - die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ) hat ihre "Erstis" zur Immatrikulationsfeier geladen. Für insgesamt 875 junge Menschen beginnt damit ein neuer Lebensabschnitt - oder, wie es Wolfgang Golubski, Prorektor für Bildung, in seiner Eröffnungsrede beschreibt, das "Abenteuer Studium".

Ein Abenteuer, das 186 internationale Studierende, die meisten davon aus China, in die Stadt an der Zwickauer Mulde führte. Insgesamt sind im Wintersemester 2019/2020 3600 Studenten aus 40 Ländern an der WHZ eingeschrieben. Das sind weniger als Rektor Stephan Kassel erhofft hatte: 4500 war das Ziel einer durch die Hochschule angekündigten Werbeoffensive. Über die Gründe mag Hochschulsprecherin Silke Dinger nicht spekulieren. "Zwickau ist eben eine kleine Stadt, und es ist ein Trend, dass die jungen Leute in die großen wollen. In Sachsen zieht Leipzig da am meisten."

Dabei spricht doch vieles für ein Studium in Zwickau, vorausgesetzt, man ist an Technik, Wirtschaft, Sprachen, Gesundheitswissenschaften oder angewandter Kunst (in Schneeberg) interessiert: Das in den großen Universitätsstädten eklatante Wohnungsproblem gibt es hier nicht, die Stadt kann mit bezahlbarem Wohnraum für Studenten punkten - ob WG-Zimmer, Wohnung oder Wohnheim. Ein Numerus clausus existiert in Zwickau nur für Gebärdensprachdolmetscher, Gesundheitsmanagement und zwei weiterführende Masterstudien.

Für Nancy Bemmann, die von ihren Eltern zur Immatrikulationsfeier begleitet wurde, war es das fachliche Angebot, das sie letztlich nach Westsachsen geführt hat. Die junge Frau aus Döbeln studiert ab dem Wintersemester Gesundheitsmanagement, hat bereits eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin erfolgreich abgeschlossen. Von Leipzig, wo sie momentan noch wohnt, wird die 22-Jährige nun nach Zwickau ziehen, trotz anfänglicher Bedenken, die sie mit manchem Neuling teilt. "Zwickau hat ja nicht unbedingt das Image einer toleranten und weltoffenen Stadt", begründet die Studentin ihre Zweifel.

In seiner Ansprache betont Stephan Kassel darum die Notwendigkeit, als Hochschule für ein weltoffenes Zwickau und Sachsen einzutreten. "Ich wünsche Ihnen, dass Sie den Unterschied zwischen Wissen und Vermuten herausfinden und erkennen, was wahr ist", begrüßt er die Erstsemester.

Auch Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) appelliert mit Blick auf die jüngst abgesägte Gedenk-Eiche für das NSU-Opfer Enver Simsek im Schwanenteichpark an die Erstsemester, sich für ein tolerantes und friedliches Zwickau einzusetzen. Sie sollten ihren Kommilitonen aus anderen Ecken der Welt zeigen, was für eine lebenswerte Stadt Zwickau sei.

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