Das kommt 2020 auf Zwickau zu

Eine Schau der Superlative, Baustellen, Eröffnungen, schwierige Entscheidungen und eine prominente Personalie - das neue Jahr im Überblick.

Landesausstellung: "Boom" heißt sie, die größte Attraktion, die in Zwickau 2020 zu sehen sein wird. Wenn im Zwickauer Audi-Bau die Landesausstellung öffnet, schaut der ganze Freistaat auf die Muldestadt - und kommt möglicherweise sogar zu Besuch. Die Veranstalter rechnen mit 110.000 Besuchern. Das nach den bisher veröffentlichten Zahlen 13,5Millionen Euro teure Spektakel soll Sachsens Industriegeschichte von den Anfängen bis zur heutigen Zeit dokumentieren. Und wer nach dem Besuch noch Kraft hat für mehr, kann gleich nebenan im August-Horch-Museum oder in der Crimmitschauer Tuchfabrik Gebrüder Pfau eine der insgesamt sechs Satellitenausstellungen besichtigen. Zeitraum: 25. April bis 1. November. Und das "Jahr der Industriekultur" schmuggelt auch noch diverse Veranstaltungen rein.

Bahnhofsvorplatz: Die trostlose Kopfsteinpflasterwüste am Hauptbahnhof soll noch bis zur Landesausstellung provisorisch aufgehübscht werden. Der groß angelegte und seit Jahren diskutierte Umbau soll aber ebenfalls endlich eine wichtige Hürde nehmen. Die zuständigen Gremien sollen sich in den nächsten drei Monaten auf eine Variante festlegen. Das Problem: Eigentlich ist der Vorplatz nur ein Teil des großen und offenbar äußerst komplizierten Tangentenprojekts, bei dem eine völlig neue Innenstadtumfahrung zwischen Reichenbacher und Werdauer Straße sowie die entsprechende Straßenbahnspange vorgesehen ist. Nur zieht das Rathaus den Bahnhofsvorplatz vor, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Zeitraum: Erstes Quartal.

Finanzbürgermeister: Die wichtigste Personalie im Jahr 2020. Am 30. Juni endet nach mehr als elf Jahren die Amtszeit von Bernd Meyer (Die Linke), der in den Ruhestand geht. Noch ist offen, wer seine Nachfolge antritt. Bisher ist noch nicht einmal durchgesickert, ob es einen Favoriten gibt. Viele halten den Posten des Finanzbürgermeisters für die zweitwichtigste Position an der Dreierspitze des Rathauses, manche sogar für die wichtigste. Entscheidungszeitraum: Vermutlich Frühjahr.

Gewandhaus: Nach den Querelen um den Bau samt Verzögerung und Kostensteigerung (von 14 auf 18 auf 20 Millionen Euro) gab es zuletzt Ärger um die würdigste Form der Wiedereröffnung. Das Theater Plauen-Zwickau wollte dem Publikum eine Oper präsentieren, die Oberbürgermeisterin besteht auf einem Festakt mit geladenen Vertretern aus der Politik. So wird es nun auch kommen. Immerhin steht der Termin fest, sofern keine neuen Überraschungen auftreten: 2. Oktober.

Gefängnis: Immerhin hat der Bau für die Zweiländer-Haftanstalt mit einem Jahr Verspätung 2019 begonnen. Aber weil es zu offenbar linksextremistischen Anschlägen auf die beteiligten Baufirmen gekommen ist, unter anderem einmal auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks, hängt der Haussegen schief. Die Firmen verlangen besseren Schutz, die Landesregierung hat ein Kopfgeld auf die Täter ausgesetzt. Nachdem die Mauer nun weitgehend steht, soll es im laufenden Jahr nun auf dem Gelände weitergehen. Geplante Inbetriebnahme des 174 Millionen Euro teuren 820-Mann-Gefängnisses ist 2024.

Konzerte: Santa Maria! Nach Freiwild (war einigen zu rechts) und Feine Sahne Fischfilet (war anderen zu links) geht es 2020 in Zwickau weniger kontrovers, aber dafür hochkarätig zu. Am 26. März kommt Roland Kaiser in die Stadthalle. Der Roland Kaiser? Der Roland Kaiser. Ist zwar genauso alt wie der Finanzbürgermeister, denkt aber noch nicht im Mindesten an Ruhestand. Wohl dem, der noch eine Karte ergattert. Wer keine mehr kriegt, geht eben am 15. August zu Kool & the Gang auf die Freilichtbühne. Die Herren haben gerade ihr 50. Bühnenjubiläum gefeiert.

Ärztehaus: Noch eine Baumaßnahme, die länger gedauert hat als geplant. Das Ärztehaus am Neumarkt sollte ursprünglich Mitte 2019 übergeben werden. Jetzt ist Frühjahr 2020 angepeilt. Die alte Puschkinschule musste für den Bau Platz machen. Sie ist längst abgerissen.

Stadtschreiber: Die erste Runde ist beendet, die nächste beginnt im Frühjahr. Mit ein paar Jahrhunderten Pause hatte Zwickau 2019 den ehrenwerten Stand des Stadtschreibers wiederbelebt, wenngleich völlig anders, als das andere Städte machen. Vom ursprünglichen Gedanken, einen Literaten mit einem Stipendium in die Stadt zu holen, um Ansehen und Prestige zu mehren, ist nach einer Überarbeitung des Konzepts zwischen Stadtverwaltung und Stadtrat nichts übrig geblieben. Als erste füllte Cora Herzog die Rolle aus, in der sie vor allem Ereignisse in der Stadt begleitet und eine Chronologie erstellt hat. Ihr Nachfolger soll ab 1. April damit weitermachen.

Kaufhäuser: 2020 könnte das Jahr werden, in dem die oft kritisch beobachtete Hauptstraße einen neuen Schub bekommt. Die beiden leer stehenden Kaufhäuser Joh und Schocken werden wiederbelebt. Im Joh dürfte noch im laufenden Jahr ein neuer Outlet-Standort einziehen, Vorbereitungen dafür wurden jedenfalls schon im Winter getroffen. Und für das Schocken-Kaufhaus könnte immerhin der Umbau beginnen. Das Geld dafür ist schon länger bewilligt, und kürzlich haben die Schocken-Erben das Gebäude an den neuen Inhaber verkauft, die Baufirma Papenburg, die ihr Engagement vom Kauf abhängig gemacht hatte.

Sport: Wer nach den süddeutschen Meisterschaften im Synchronschwimmen (3. bis 5. Mai in der Glück-Auf-Schwimmhalle) noch genug starke Nerven hat, kann sich schon einmal den 16. Mai im Kalender anstreichen - den letzten Spieltag der Fußball-Drittligasaison. Der FSV Zwickau hat aber hoffentlich bis dahin schon für klare Verhältnisse gesorgt. Nur für den Fall der Fälle: Am 31. Juli ist Anstoß für die neue Saison in der Zweiten Bundesliga.

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