Die Kenia-Koalition liegt in Zwickau in der Natur

Grüner wird's nicht: Schwarz, rot und grün leuchten derzeit die Früchte von Bäumen und aus Sträuchern hervor. Doch Vorsicht: Nicht alles, was einen Versuch wert erscheint, ist auch bekömmlich.

Zwickau.

Sachsen diskutiert über die Regierungsbildung - und so kommt es, dass den meisten inzwischen die Flagge Kenias geläufig ist. Denn sie zeigt die Farben Schwarz, Rot und Grün. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, der stellt allerdings fest, dass Zwickaus Natur schon längst eine Kenia-Koalition zustande gebracht hat. Und zwar eine ganz unpolitische.

Wir haben hier vier Beispiele für Sie - mit einer schwarzen Mehrheit. Allerdings soll ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass weitere, auch nur vermutete Ähnlichkeiten, reine Koinzidenzen sind. Natur und Politik haben traditionell wenig bis gar nichts miteinander zu tun.


Los geht's mit einer Pflanze, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Sie ist ein Zugereister aus der Türkei, allerdings hat sie sich offenbar auf der Reise verändert. Der Kirschlorbeer - auch Lorbeerkirsche genannt - ist ein immergrüner Zierstrauch, der derzeit durch knackige schwarze Früchte auffällt. Das Steinobst wurde 2013 zur Giftpflanze des Jahres ernannt. Die Informationszentrale gegen Vergiftungen stuft alle Pflanzenteile als giftig ein. Besonders die Kerne enthalten viele Glycoside, die im Magen Blausäure bilden. Das Fruchtfleisch enthält deutlich weniger, weshalb es zum Teil auch als Marmelade verarbeitet wird. Allerdings gehen die Meinungen dazu weit auseinander, ob das eine gute Idee ist. Die Türken meinen: Ja. Aber die dort wachsenden Sorten scheinen weniger Giftstoffe zu enthalten. Die Früchte werden dort gleich vom Baum gegessen oder getrocknet. Sie sind süß mit einem leicht bitteren Nachgeschmack.

Eher herb, aber ähnlich gehaltvoll -das sind die Früchte des Schwarzen Holunders. Auch diese Pflanze produziert Stoffe, aus denen sich bei Verzehr Blausäure entwickelt, doch gilt Holunder als traditionelles Mittel gegen Fieber, Erkältungen und leichte Harnwegsinfekte. Genutzt werden die reifen, aufgekochten Beeren. Auch die Rinde des Strauches findet in der Volksmedizin Verwendung. Darüber hinaus kann man aus den hohlen Zweigen Flöten herstellen und die Früchte zum Färben verwenden. Alles in allem aber gilt: Bei den Schwarzen ist Vorsicht geboten.

Und das gilt auch für die Roten. Die Früchte, die an einem Baum am Eingang des Schlobigparks hängen, sind möglicherweise essbar. Versucht hat es offiziell noch niemand. Denn es weiß auch niemand, was das für ein Baum ist. Der erste Tipp von Jörg Voigtsberger, als Leiter des Garten- und Friedhofsamts in den Zwickauer Parks heimisch, war: Es muss eine Art Weißdorn sein. Tiefere Recherchen in seinem Amt haben ergeben: Was es für ein Baum ist, weiß man nicht - aber man weiß, wer ihn gezüchtet hat. Susanna Kosmale gehört zu den bekannten Töchtern der Stadt Zwickau. Sie war Lehrerin, Naturschützerin, Biologin -und sie züchtete neue Baumarten. Ein Beispiel dafür ist das Exemplar, das seit vielen Jahren am Schlobigpark steht und wie ein Weißdorn mit besonders großen Blättern und Früchten aussieht. Deswegen also Vorsicht mit den roten Früchten: Man weiß, was es früher mal war, aber es ist nicht klar, was daraus geworden ist.

Kommen wir zu den grünen Früchten, die man beispielsweise vor dem Landgericht Zwickau beobachten kann. Sie sind hier kleiner als anderswo, schwer zu beißen, werden aber gerade von vielen wiederentdeckt: An den kurz gehaltenen Hecken wachsen Quitten, die man meist zum Gelee verarbeitet. Da sie viel Pektin enthalten, reicht normaler Zucker zum Einkochen. Man kennt die Quitte auch als Obst für Wein oder Schnaps. Die Kerne wurden - unzerkleinert, wegen der Blausäure - früher auch verwendet, um einen Schleim gegen Hustenreiz oder Verstopfung daraus zu kochen. Die Gerbstoffe im Saft tun gut bei Entzündungen im Mund.

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