Die Stadt macht's

Die Kulturkolumne der "Freien Presse" von Gastautor Klaus Fischer

In der Peripherie von Zwickau, etwa Leipzig oder Aue, findet man natürlich Gebäude, Plätze, Straßen, Industrieansiedlungen, die über einen gewissen Charme und eine städtebauliche Relevanz verfügen. Doch im Vergleich zu diesen eher dörflichen Gemeinden verfügt Zwickau über einmalige Architektur-Perlen, die weltweit ihresgleichen suchen lassen und doch nirgends gefunden werden. Unsere globale Ausstrahlungskraft lockt jeden verfügbaren Architektur-, Kunst- und Autoliebhaber ins Muldenmekka.

Zwickau: Zu einer derart optimal optimierten Stadt und ihrer fraglos überragenden Urbanität gehört auch eine gewachsene historische Komplexität, die in Mitteldeutschland, ach was, Zentraleuropa ihres gleichen sucht.


Gäbe es nicht bestens informierte Stadthistoriker, geriete viel Wissen über kurz oder lang in die Fänge jener, die hier vor Ort geschichtsvergessen leben und pöbeln. Oder für die Zwickau ein geruhsames Flüsschen ist, das durch die Stadt Mulde dümpelt. Nein, es geht um die Me-tropole Zwickau, ein Städtchen mit Herz am richtigen (!) Fleck, das nur dann und wann oder da und dort zerbrechen will. Natürlich brauchen wir ein schickliches und erquickliches Maß an Lokalpatriotismus. Da kann man auch erst mal euphorisch übertreiben, um dann von Fachleuten geerdet zu werden, die historisch und methodisch versiert über diese Stadt nachdenken.

Seit Jahr und Tag beschäftigt sich der vielfach preisgeehrte Norbert Peschke mit der eindrucksvollen 900-jährigen Historie Zwickaus. Fast möchte man meinen, er kenne aus dem Effeff jedes Haus und alle Straßen der Stadt persönlich. Was die einen in Sachen Immobilien eindeutig auf dem Kasten haben, packen andere eben auf ihr Kerbholz. Peschkes höchstumfänglich gewachsenes Archiv, in dem allein schon 9000 Postkarten ausharren, hat seit den 70er-Jahren der seit fast 70 Jahren rüstige Zwickau-Historiker in mittlerweile 40 Büchern und Bildbänden untergebracht. Wie jeder universell Interessierte muss man sich dennoch spezialisieren. Das für Peschke wichtigste und wohl auch international bekannteste Buch blättert sich auf wie ein Who is Who der Grubenlampe aus Friemann- und Wolfscher Produktion. Stets aufs Neue geht der Heimatforscher der geschichtlichen Vertiefung eines besonderen Ortes oder Ereignisses nach oder schreibt durch seine detektivische Detailarbeit die Bestandsaufnahme der Stadtgeschichte fort. Norbert Peschke will "das Bewusstsein der Zwickauer zu ihrer Stadt verbessern", weshalb er hoffnungsvoll das Motiv seines Hoffens, Denkens und Tuns benennt: "Ich freue mich über alles, was Zwickau gut tut."

Zum Kulturbürger des Monats April ernenne ich Norbert Peschke, dessen ungezählte Beiträge zur Stadtgeschichte Zwickau Tiefe geben.

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