Dorf ist zu klein fürgroße Laster

Ein Verkehrsschild steht falsch - sagen die Niedercrinitzer. Eine einfache Lösung gibt es dafür nicht. Sehr zum Nachteil einer Brücke.

Niedercrinitz.

Gespräche über den Gartenzaun: In Niedercrinitz nimmt man das mitunter wörtlich. Heike Pilz, als Niedercrinitzerin Vertreterin im Hirschfelder Gemeinderat, erzählt abenteuerliche Geschichten darüber, wie sie von unterschiedlichen Fahrzeugen schon um ihren Zaun gebracht wurde.

Doch damit, so scheint es, kann sie leben. Mehr als Sachschaden gab es bisher nicht zu beklagen. Das, worüber sich Heike Pilz ernsthaft Gedanken macht, ist ein Brückengeländer in ihrem Heimatort. Heike Pilz weist auf eine Überführung zwischen der Tal- und der Ernst-Thälmann-Straße. Das Geländer weist in einem reichlichen Meter Höhe eine Schramme auf, die durch den Lack in den massiven Stahl geht."Das muss ein Lkw gewesen sein", ist sie sich sicher - zumal eine der Längsstreben am Fuß gerissen zu sein scheint.

Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass die Brücke leidet. Es geht eben eng zu auf dem Dorf. Doch offenbar ist das vor allem nicht ortskundigen Lastwagenfahrern nicht bewusst, wenn sie versuchen, eine Mautstrecke zu umgehen oder eine lange Umleitung zu vermeiden. Immer wieder verirrt sich ein schweres Fahrzeug nach Niedercrinitz. Eine Warnung der Navigationssoftware gibt es offenbar nicht.

Dabei ist die Brücke sozusagen nur der Anfang eines größeren Problems. Denn wenn die Fahrzeuge auf der Thälmannstraße nach links abbiegen wollen, dann dürfen sie dort eigentlich nicht fahren. Darauf weist ein Schild hin, das Lkw-Verkehr verbietet - mit Ausnahme von Lieferverkehr. "Dieses Schild sehen die meisten gar nicht, weil sie mit der engen Kurve beschäftigt sind", vermutet Heike Pilz. Außerdem: "Wenn sie einmal dort stehen, können die Lkw-Fahrer sowieso nicht mehr umkehren." Also fahren sie weiter: eine enge, gewundene Straße hinauf in Richtung Rottmannsdorf. Die ist für schweren Verkehr nicht ausgelegt, sagt Heike Pilz: "Die Bankette sind schon ganz ausgefahren, die Baken am Rand wurden umgestoßen."

Die Niedercrinitzerin meint, man könne das Problem beheben, wenn schon auf der Talstraße ein Schild angebraucht wird, das für Laster das Abbiegen auf die Thälmannstraße verbietet. Dann passiere dem Brückengeländer nichts mehr, und die Fahrer geraten nicht in die Gefahr, mit ihren Fahrzeugen im Baum oder auf dem Hang zu landen - wie vor ihnen schon so manch einer.

Allerdings ist das leichter gesagt als umgesetzt. Bürgermeister Rainer Pampel (parteilos) kennt die Sorgen der Niedercrinitzer. Er weiß aber auch, dass das Landratsamt, das für die Talstraße zuständig ist, nicht für ein Verrücken des Schildes zu begeistern ist. "Wenn das Schild an der Talstraße steht, dann darf dort eigentlich gar kein Laster mehr abbiegen", sagt Pampel. Aber: "Das gilt dann auch für die, die dort entlang fahren müssen. Denn rechts runter in Richtung Ort gibt es Handwerker, die auf Lieferung angewiesen sind." Man müsse sich etwas anderes einfallen lassen, sagt der Bürgermeister. Das wird aber nur funktionieren, wenn auch die Verantwortlichen im Landratsamt mit nach einer Lösung suchen.

"Bisher ist nichts Schlimmes passiert", sagt Heike Pilz. "Aber ich fürchte, das ist auch nur noch eine Frage der Zeit." Denn im Dorf geht es eng zu. Und es sind Kinder auf der Straße unterwegs.

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