Dubiose Spendensammler unterwegs

Sowohl am Kaufland in Pölbitz als auch bei Globus wurden Passanten aufgefordert, Geld zu spenden. Die Polizei ist alarmiert.

Zwickau.

Von offenbar dubiosen Spendensammlern, die in der Region unterwegs sind, haben gleich mehrere Leser gegenüber der "Freien Presse" berichtet. So sagte Reiner Döhler, dass er am Donnerstag gegen 13 Uhr auf dem Parkplatz des Einkaufsmarktes in Zwickau-Pölbitz (unter anderem Kaufland, Tedi) von zwei dem Aussehen nach nichtdeutschen Männern - jeweils circa 30 Jahre alt - mit Gesten aufgefordert worden sei, kurz zu warten. "Einer hielt mir eine Spendenliste hin mit einem Briefkopf des Sehbehinderten- und Taubstummenverbandes Sachsen. Die Logos von Sachsen und Deutschland waren auf der Liste abgebildet und dann nur Spalten für Unterschrift, Stadt und Postleitzahl sowie den Spendenbetrag", sagte Döhler. Eine Anschrift sei nicht gefordert worden, was durchaus den Eindruck der Einhaltung des Datenschutzes gemacht habe. "Der Mann machte nur Gesten, als ob er nicht reden könne. Ich war vorsichtig, machte den Test und wollte 3 Euro spenden. Plötzlich war die Sprache da, der Mindestspendenbetrag sei 10Euro. Ich gab nichts, und die Männer gingen schnell weiter", sagte Reiner Döhler weiter. Er habe dann am Nachmittag mit dem Blindenverband Sachsen in Dresden telefoniert. Von dort habe er erfahren, dass es gar keinen Blinden- und Taubstummenverband, sondern nur den Blinden- und Sehbehindertenverband gibt. Würden von diesem Verband solche Sammlungen durchgeführt, würden diese keinesfalls auf Parkplätzen durchgeführt.

Ähnliches wie Reiner Döhler hat auch Marieluise Köhn auf dem gleichen Parkplatz erlebt, allerdings erst gegen 16.45 Uhr. Vermeintlich gehörlose und taubstumme Spendensammler seien dort unterwegs waren. "Die Sammler haben Klemmbretter mit Unterschrift- und Spendenlisten mit sich geführt. Erst wurde eine Unterschrift verlangt, dann die vermeintliche Verpflichtung zu einer Spende offenbart. Ich wurde skeptisch, als der Mann mit einer Spende von 3 Euro nicht zufrieden war und mehr verlangte. Es wurde ein Mindestbetrag von 10 beziehungsweise 20 Euro verlangt, den ich nicht bezahlte. Die Männer waren zu zweit auf dem Parkplatz unterwegs und haben Passanten angesprochen, die gerade ihre Einkäufe eingeräumt oder sich bereits im Auto befunden haben. Ich habe auch die Polizei informiert", sagte Köhn.


Polizeisprecher Christian Schünemann konnte am Freitag noch nicht bestätigen, dass der Polizei- direktion Zwickau Hinweise zu solchen Spendensammlungen am Kaufland Pölbitz vorliegen. Aber von einem Globus-Mitarbeiter sei die Polizei informiert worden, dass auch dort Unbekannte um Spenden warben. Ein Streifenwagen sei sofort dorthin gefahren, habe aber niemanden mehr angetroffen, der eventuell strafbare Handlungen begangen hat.

Grundsätzlich rät die Polizei dazu, in einem solchen Fall stets vorsichtig und misstrauisch zu sein und zu hinterfragen, was es mit der Aktion auf sich hat. Wenn der kleinste Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer solchen Sammlung bestehe, sollte man unbedingt die Polizei anrufen, die dann umgehenden eine Streife losschicken werden. Schünemann: "Lieber nichts geben und die Polizei rufen."

Erst in der vergangenen Woche war ein ähnlicher Fall in Meerane bekannt geworden. Auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes an der Seiferitzer Allee waren Passanten ebenfalls von dubiosen Spendensammlern angesprochen worden. Dabei gaben sich die Täter unter anderem als Gehörlose aus. Auch auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes an der Grenayer Straße in Glauchau kam es in den vergangenen Wochen zu einem ähnlichen Vorfall. Ob es sich um dieselben Täter handelt, ist nicht bekannt. Nach ersten Erkenntnissen könnte es sich um Täter aus dem südosteuropäischen Raum handeln. Ermittlungen wegen Betrugsverdachts wurden aufgenommen. Grundsätzlich sei es aber schwierig, zu den aktuellen Fällen aus Zwickau Parallelen zu ziehen, sagte Schünemann. Ein Zusammenhang könne zwar nicht ausgeschlossen werden, sei aber auch nicht nachweisbar. (mit dog)


Enkeltrick mehrfach versucht

Innerhalb weniger Stunden kam es am Donnerstag in den Bereichen Zwickau, Glauchau, Werdau und Plauen zu insgesamt 14 gemeldeten Fällen von sogenannten Enkeltrick-Anrufen. Unbekannte hatten ältere Bürger angerufen, sich als Verwandte ausgegeben und Bargeld gefordert. Oft wurde der Grund einer finanziellen Notsituation genannt. Das sagte Katja Hohenhausen von der Polizeidirektion Zwickau am Freitag.

In allen Fällen seien die Angerufenen skeptisch gewesen, hätten sich auf keine der Forderungen eingelassen und die Polizei verständigt.

Die Polizei rät: Seien Sie misstrauisch, wenn Sie von vermeintlichen Verwandten angerufen werden. In keinem Fall sollten Sie ohne Weiteres sofort Geld- oder Wertsachen an Fremde übergeben. (ja)

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