Ein Auftakt mit eigener Note

Politisch konnte der traditionelle Neujahrsempfang in der "Neuen Welt" kaum Akzente setzen. Wohl aber mit Musik und einer Auszeichnung.

Zwickau.

Die Wetterkapriolen haben am Donnerstagabend auch dem Neujahrsempfang im Zwickauer Konzert- und Ballhaus "Neue Welt" zugesetzt. Statt der mehr als 400 geladenen Gäste waren nur knapp 350 gekommen. Zum 22. Mal hatten Stadtverwaltung und Stadtwerke Holding zum Jahresauftakt eingeladen. Dass der Empfang diesmal eher einem Neujahrskonzert glich, nahmen die Besucher positiv auf, was sich auch am Beifall für die Musik zeigte. Immerhin ist mit dem 200.Geburtstag von Clara Schumann auch 2019 wieder ein Schumannjahr. Den musikalischen Höhepunkt des Abends setzte unbestritten Ben Lepetit. Der elfjährige Chemnitzer, der bereits internationale Konzerte und TV-Auftritte absolviert hat, brillierte am Klavier mit Beethoven. Sogar Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) dankte den Solisten und dem Orchester begeistert.

Dafür hatte sie in ihrer Neujahrsrede Emotionen weitgehend vermissen lassen. Zwar wollte sie "die Gäste nicht mit der Aufzählung von Erfolgen langweilen", konnte das beim traditionellen Jahresrückblick aber dann doch nicht recht vermeiden. Allerdings räumte sie auch Fehler der Stadtverwaltung ein, unter anderem bei der Sanierung des Gewandhauses. Einiges an Projekten habe 2018 auf der Kippe gestanden, sagte Findeiß, und nannte dabei auch das Theater selbst. Wie der jetzt gefundene Kompromiss zur künftigen Finanzierung aussehen soll, behielt sie zunächst für sich (siehe dazu auch Seite 11).

Neue Projekte wie die weitere Sanierung von Kindertagesstätten und Schulen und den Umbau des Ballsportzentrums in Neuplanitz kündigte Findeiß in ihrer Ansprache an. Zur künftigen Nutzung des Kaufhauses Schocken sagte sie: "Noch nie standen wir so kurz vor einer Lösung." Freilich, so fügte sie hinzu, sei man dabei von Entscheidungen anderer abhängig. Für weitere Vorhaben blickte sie weit voraus. Sowohl der Bau der Cainsdorfer Brücke als auch die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes sollen frühestens 2023 beginnen. Als eine der größten Herausforderungen bezeichnete die Rathauschefin den Umbau des VW-Werkes zum ersten Werk des Konzerns, in dem ausschließlich Elektroautos hergestellt werden sollen.

Zum ersten Mal seit 2009 wurde wieder eine Ehrenbürgerschaft verliehen. Der Kabarettist und Autor Bernd-Lutz Lange ist der 52. Zwickauer Ehrenbürger. Er durfte sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Beinahe wäre die Auszeichnung schief gegangen. Denn der Brief, in dem Pia Findeiß dem 75-Jährigen die Ehrung angeboten hatte, ist nie an seinem Wohnsitz in Leipzig angekommen. "Ich musste erst telefonisch nachfragen", sagte Findeiß. Traditionell endet der Neujahrsempfang mit dem Steigerlied. Diesmal allerdings gab es eine Überraschung: Der frühere DDR-Bürgerrechtler und jetzige Stadtrat Martin Böttger (Grüne) dirigierte erstmals das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau.

Mehr Bilder vom Empfang gibt es im Internet unter www.freiepresse.de/zwickau.

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