Ein halbes Jahrhundert im Dienst des guten Geschmacks

Ihr 50-Jähriges feiert heute die Gastwirtsfamilie Mehlhorn in Zwickau. Die Gastronomen haben sich quasi über Frankfurt und Hamburg nach Dortmund hochgearbeitet.

Zwickau.

Tino Mehlhorn steht kaum still. In einer halben Stunde schließt sein Restaurant, ehe es am Abend wieder öffnet. Nur eine halbe Stunde noch, und der Gastwirt flitzt noch immer mit vollen Tellern nach draußen, bringt leere Teller und das Lob an den Koch wieder mit hinein.

Das Restaurant von Tino Mehlhorn liegt außerhalb der Zwickauer Innenstadt, direkt an den Gleisen der Vogtlandbahn. Dennoch sind viele der Plätze vor der Tür besetzt. "Wir sind gut besucht. Ich kann nicht klagen", sagt der Gastwirt und hat ein Minütchen Zeit. Während draußen Besteck über Teller klappert, berichtet Mehlhorn davon, wie sein Vater heute auf den Tag genau vor einem halben Jahrhundert den Grundstein für eine erfolgreiche Familiengeschichte gelegt hat. "Damals hat Eberhard Mehlhorn die ,Stadt Frankfurt' übernommen." Das Gasthaus gibt es nicht mehr, es stand damals in etwa gegenüber der "Alten Posthalterei". Doch schon wenige Jahre später zog der Wirt um - geografisch gesehen in den Süden, nämlich an die Äußere Schneeberger Straße, rein vom Titel her wurde es nördlicher, denn nun residierte er im Gasthaus "Stadt Hamburg".

Daran erinnern sich längst nicht mehr alle Zwickauer, denn inzwischen nennt sich das Lokal "Zum Dortmunder". Daran sind tatsächlich die Städtepartner schuld. "Eines Tages kamen die Dortmunder auf uns zu und fragten, ob wir uns nicht umbenennen wollten", erinnert sich Tino Mehlhorn. Gefragt - getan. Die Partner zogen ins Zwickauer Gastronomieleben ein, sieben Jahre lang schenkte Mehlhorn sogar Bier aus dem deutschen Westen aus. Inzwischen hat er sich eine sächsische Brauerei gesucht. Auf Gäste aus Dortmund hingegen wartet er noch immer. "Von denen war noch keiner da - höchstens inoffiziell, und ich habe es nicht mitbekommen."

Schon wieder flitzt er davon, nimmt ein freundliches Wort für jeden Gast mit. Dass er eigentlich gar kein Gastronom werden wollte, kann man sich angesichts des Elans, den Tino Mehlhorn an den Tag legt, gar nicht vorstellen. Doch nach dem Tod der Mutter hat er zunächst mit ausgeholfen. "Das hat dann richtig Spaß gemacht, denn wir haben nur nette Gäste", sagt er. Inzwischen hat er die Geschäfte übernommen und kümmert sich um den Service, während seine Lebensgefährtin Cornelia Weber in der Küche das Sagen hat. Dort arbeitet inzwischen auch ihr gemeinsamer Sohn Louis. Der 19-Jährige lernt sein Handwerk in Schneeberg und teilt die Liebe seiner Eltern zu diesem Beruf.

Gekocht wird gutbürgerlich. "Im Grunde genommen das, was die Leute alle gern essen, was man sich aber nicht unbedingt zuhause selbst kocht." Die Karte wird um wechselnde Gerichte ergänzt. "Für die, die täglich zu uns kommen."

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